Glaziologe Matthias Huss bewahrt im Garten einen Gletscher auf, indem er Schnee sammelt und in Plastikboxen friert.
So bewahrt man den Schnee : Glaziologe Matthias Huss hat einen kleinen Gletscher im Garten Heute Abend soll es wieder schneien. Doch die Pracht ist im Mittelland jeweils schnell vorbei. Ausser man macht es wie Matthias Huss, der schon einen respektablen Schnee berg im Garten hat.Der Garten liegt auf 500 Metern über Meer. Das war auch vor fünfzig Jahren kein Ort, wo der Schnee im Winter zuverlässig liegen blieb.
Doch die Wiese gehört dem Schweizer Glaziologen Matthias Huss – Ehrensache, dass es hier den ganzen Winter durch Schnee gibt. Aktuell ist der Schneeberg 2,5 Meter hoch, geschrumpft vom Regen in den letzten Tagen. Davor waren es respektable 3 Meter. Und wir haben es hier nicht nur mit Schnee, sondern mit einem veritablen Gletscher zu tun. Gemäss Definition ist Schnee, der mehr als ein Jahr alt ist, Gletscher. Und Huss' Schnee ist bereits fünf Jahre alt. Wie ist das auf 500 Metern über Meer möglich? Huss' Familie schaufelt den ersten Schneefall üblicherweise Ende November zu Haufen und sammelt diese später zu einem grossen Berg. Dabei wird nicht nur der Schnee in nächster Nähe, sondern auch aus dem ganzen Garten verwendet. Sogar schon von einem Langlauf-Ausflug brachte die Familie einen Sack Schnee mit nach Hause. «Inzwischen helfen auch die Kinder mit», sagt Huss. Und schaufeln jeweils alle im Garten mit – was Huss kürzlich einen Tennis-Ellenbogen eingebracht hat. Kein Wunder: Der Berg ist nach Huss' Schätzung sechs bis sieben Tonnen schwer. Matthias Huss ist Glaziologe und wohnt im Zürcher Oberland auf 500 Metern über Meer. So schafft die Familie es jeweils, den Schneehaufen bis in den April hinein zu bewahren. Geschützt wird er nur vor Regen durch eine Plastikblache. «Diese hilft auch gegen den warmen Wind, der am Donnerstag wehte und viel Energie bringt», sagt Huss. Doch wie wird daraus ein Gletscher? Ganz ohne technische Hilfe geht es nicht: Im April räumt Huss jeweils den letzten Schneerest in eine Plastikbox, die er in die Gefriertruhe bis im nächsten November legt. Nur zu speziellen Anlässen wie dem Geburtstag eines Kindes mitten im Sommer, gibt es manchmal etwas von diesem Schnee. «Das ist schon etwas verrückt», sagt Huss, «und die Nachbarn denken das wohl auch.» Aber für die Kinder sei das ein lässiges Projekt, um zu sehen, wie man Schnee durch warme Winter bringen könne. Er selbst habe jeweils als Kind versucht, den Schneehaufen vor dem Haus so lange wie möglich erhalten. Und heute als Glaziologe berechnet er die Schneemasse des Berges jeden Tag und füttert eine eigene Statistik. Was für Huss in seinem Garten ein Spiel ist, ist für die Betreiber von Skigebieten oder Langlaufloipen ein Geschäftsmodell. Im Winter produzieren sie Berge von Kunstschnee, die man in niedrigen Lagen mit Sägemehl zur Isolation abdeckt, um sie zu übersommern. In der Höhe reicht ein Vlies, das den Schnee im Sommer vor der Sonneneinstrahlung schützt. Huss verzichtet auf Sägemehl: «Da müssten wir eine 40 Zentimeter dicke Schicht hinschaufeln, und auch dann würde es im Flachland nicht reichen», sagt er. Für den Atzmännig im Zürcher Oberland, den Huss aus seiner Kindheit nur als Skigebiet kennt, ist der Winter bereits zu einem Nebengeschäft geworden. Über die Festtage liefen die wenigen Skilifte zwischen 800 und 1200 Meter, aber meistens stehen sie im Winter still. Die Prioritäten liegen nun auf dem Sommertourismus mit Rodelbahn und Seilpark. «Auf eine ähnliche Strategie werden immer mehr Skigebiete setzen müssen», sagt Huss
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