Auschwitz: 80 Jahre Befreiung des Konzentrationslagers

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Am 27. Januar 1945 wurde das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager befreit. Ein Rundgang mit Erinnerungen von Überlebenden.

Ihr Browser ist veraltet. Bitte aktualisieren Sie Ihren Browser auf die neueste Version, oder wechseln Sie auf einen anderen Browser wieAm 27. Januar 1945 wurde das deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager befreit. Ein Rundgang mit Erinnerungen von Überlebenden.

Nach der Eroberung Polens hatten die Besatzer einen Ort gesucht, um ein Konzentrationslager für Offiziere, Beamte, Widerstandskämpferinnen, Anwälte und Lehrerinnen einzurichten – dem polnischen Staat sollte das Rückgrat gebrochen werden. Das war der ursprüngliche Grund für die Einrichtung des Lagers. Die Vernichtung der Juden folgte später.Sawicki ist Guide der Gedenkstätte, früher war er Radiojournalist. Seit siebzehn Jahren arbeitet er hier.

«Als der Zug schliesslich anhielt und wir in Auschwitz ankamen, wurde mir klar, dass ich bis dahin keine Ahnung hatte, was die Hölle wirklich ist. Die Hölle liegt jenseits des menschlichen Verständnisses.» In Birkenau entwickelte die SS die «Endlösung der Judenfrage», die industrielle Vernichtung der europäischen Juden. 90’000 Häftlinge waren in Auschwitz-Birkenau eingesperrt, das sind mehr, als die Stadt Luzern Einwohner hat. Wobei sich die Bevölkerung ständig änderte – die Lebenserwartung im Lager betrug einige Tage bis etwa drei Monate.

Es ist der mit grossem Abstand wichtigste Social-Media-Kanal der Gedenkstätte. Dort werden kleine Porträts von Opfern veröffentlicht. Doch seit Musk die Plattform übernommen hat, können Rechtsextremisten und Antisemiten mehr oder weniger ungehindert «Auschwitz Memorial» verhunzen. Nach dem 7. Oktober 2023, als Hamas-Terroristen Israelis massakrierten, verschärfte sich das Problem zusätzlich.

Wer jünger war als sechzehn, wurde vergast, gegen Kriegsende dann erst jene, die jünger als vierzehn waren – die deutsche Rüstungsindustrie brauchte mehr Sklaven. Paweł Sawicki steht neben dem Bahngleis und sagt: «Für die Gefangenen war es eine Welt ohne Wahlmöglichkeiten. Alles lag in den Händen der SS.»

Er wurde als Vierzehnjähriger aus Budapest nach Auschwitz verschleppt. Als er vor dem SS-Arzt stand, sagte er, er sei sechzehn. Ein Häftling, der die Habseligkeiten aus dem Zug räumte, hatte ihm sein neues Alter in drohendem Ton ins Ohr geraunt. Das erzählt Kertész in seinem epochalen «Roman eines Schicksallosen», in dem er seine Ankunft in Auschwitz-Birkenau schildert.

Bis dann im Januar 1945 die Rote Armee näher rückte und sich die Täter davonmachten. Sie liessen das Diebesgut zurück, das noch nicht nach Deutschland geschafft worden war: 110’000 Schuhe, 470 Prothesen, 44 Kilogramm Brillen, 3800 Koffer, wovon 2100 mit einem Namen versehen waren. Rosse restauriert und dokumentiert, was übrig geblieben ist vom Genozid. Schuhe erzählen besonders viel über einen Menschen. Sind sie ausgetreten oder geflickt, könnten sie von einem Juden aus einem Ghetto stammen, ein Schuh mit Absätzen von einer Jüdin aus einer Grossstadt, vielleicht von Hedwig Frischmann. Besonders berührend und belastend sei die Arbeit mit Kinderschuhen, zum Teil gestrickt und winzig, erste Schühchen.

Die Haare der Häftlinge füllen eine mehrere Meter lange Vitrine im Museum, es ist ein riesiger Haufen. Fotografieren verboten, es handelt sich um sterbliche Überreste. Die Haare werden nicht konserviert. Sie zerfallen und sind grau geworden, ihre individuelle Farbe ist weg. Von zwanzig Frauen kam ein Kilogramm Haar zusammen, auch dieses wurde von der SS verkauft. Deutsche Firmen zahlten eine halbe Reichsmark pro Kilogramm. Die Haare wurden zu Stoffrollen und Teppichen verarbeitet.

Noch da ist das Wäldchen, Birken und Pappeln auf grüner Wiese, dazwischen eine Sitzbank. Eine Tafel zeigt eine SS-Fotografie: Frauen stehen unter den Bäumen, die Kinder sitzen im Gras, alle tragen den «Judenstern». Ihr Blick ist skeptisch, die Atmosphäre aber wirkt ruhig. «Die für den sofortigen Tod ausgewählten Juden warteten in dieser Baumgruppe auf den Eingang zum Entkleidungsraum und zur Gaskammer», heisst es unter dem Bild.

Im September 1941 experimentierte die SS mit dem Giftgas Zyklon B und tötete 600 sowjetische Kriegsgefangene und 250 kranke Polen. Davor hatte die SS die Häftlinge erschossen. «Sie dachten darüber nach, wie man das effizienter machen könnte», sagt Sawicki. Fortan nutzte die SS die Leichenhalle des Krematoriums im Stammlager als Gaskammer Nummer I.

Die SS bildete mit jüdischen Häftlingen ein «Sonderkommando». Die Angehörigen des «Sonderkommandos» arbeiteten bei den Gaskammern und Krematorien, im Herz der Hölle. Sie waren die unmittelbaren Zeugen der in Auschwitz begangenen Verbrechen und galten deshalb als «Geheimnisträger». Sie waren in einer Baracke untergebracht, die vom übrigen Lager isoliert war.

Die SS wollte keine Zeugen und tötete regelmässig Angehörige des «Sonderkommandos». Trotzdem gelang es, den Massenmord zu dokumentieren: Die Häftlinge schmuggelten eine Kamera ins Lager und machten Fotos, vier sind erhalten – es sind einzigartige Zeugnisse des Holocaust. Die Tafeln bei Gaskammer V zeigen die Fotos dort, wo sie gemacht wurden. Es sind Frauen zu sehen, die sich ausziehen und in den Tod gehen. Ein anderes Bild zeigt brennende Leichenberge.Am 7.

Im Film «Zone of Interest» spielt ein Swimmingpool eine Rolle, in dem die Höss-Kinder planschen. «Eigentlich ist es ein Brunnen», rückt Historikerin Wontor-Cichy Fiktion und Realität zurecht, als sie vor dem gemauerten Becken steht. Wasser ist keins mehr drin, nur Laub. «Höss verlangte nach einem Springbrunnen, dessen Fontänen ein Hakenkreuz bilden sollten.

Auch auf der anderen Seite der Gartenmauer wurden Kinder geboren: von Frauen, die in Auschwitz schwanger wurden oder die schwanger waren, als sie deportiert wurden. Die jüdischen Frauen hatten die Wahl: mit dem Baby in die Gaskammer zu gehen oder es sofort nach der Geburt zu töten. Die Untergebenen von Familienvater Höss vergasten ungefähr 200’000 Kinder.

«Wir lebten so, in diesem unglaublichen Mangel an Hygiene während unseres gesamten Aufenthalts in Birkenau, ohne jede Möglichkeit, uns zu waschen. Was für ein Horror! Was für eine Demütigung, auf das Niveau von Tieren degradiert zu werden.» Der Weg zur Latrine war nass, kalt und matschig. Heute wächst zwischen den Baracken Gras. Damals war alles grau und braun, Schlamm und Dreck waren knöcheltief.

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