Ein neuer Bericht deckt unrechtmässige Adoptionen von Kindern aus Sri Lanka und anderen Ländern auf. Schweizer Behörden wussten seit 1981 von Unregelmässigkeiten. Der Bundesrat prüft nun ein Verbot von internationalen Adoptionen.
Ein neuer Bericht der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ( ZHAW ) deckte unrechtmässige Adoptionen von Kindern aus Sri Lanka und anderen Ländern auf. Der Bericht zeigt, dass Schweizer Behörden seit 1981 von Unregelmässigkeiten wussten. Neben Sri Lanka gibt es Hinweise auf illegale Praktiken in Ländern wie Bangladesh, Brasilien, Chile, Guatemala, Indien, Kolumbien, Korea, Libanon, Peru und Rumänien.
Der Bundesrat hat daraufhin eine Expertengruppe eingesetzt, um ein Verbot von internationalen Adoptionen oder zumindest eine starke Einschränkung zu prüfen. Justizminister Beat Jans erklärte am Mittwoch, dass es keine unrechtmäßigen Adoptionen wie in den 70er- und 80er-Jahren mehr geben dürfe. Der Bericht der Experten zeigt, dass auch mit einem strikten Adoptionsrecht Missbrauch nicht vollständig verhindert werden kann. Neben einem Verbot stehen auch strengere Bedingungen für internationale Adoptionen mit Reduktion der Herkunftsländer zur Debatte. Dieser Ansatz würde aber einen deutlich grösseren administrativen Aufwand erfordern, der im Verhältnis zur heutigen geringen Zahl an internationalen Adoptionen steht, so Jans. Es ist jedoch klar, dass es auch Fälle gibt, in denen Adoptionen korrekt durchgeführt wurden und für die Kinder und Eltern ein Erfolg waren.Der ZHAW-Bericht geht auf Basis von Einreisebewilligungen davon aus, dass in der Zeit von 1973 bis 1997 mehrere Tausend Kinder unrechtmässig adoptiert wurden. Jeder Fall müsste individuell untersucht werden. Es ist aber klar, dass die Schweizer Behörden spätestens seit Ende 1981 von Unregelmässigkeiten und Fällen von Kinderhandel in Sri Lanka Kenntnis hatten. Die Vermittlung sri-lankischer Kinder zur Adoption in der Schweiz wurde durch internationale Netzwerke organisiert, die auch Paare mit unerfülltem Kinderwunsch in anderen europäischen Ländern bedienten. In der Folge waren die adoptionswilligen Paare über Jahre hinweg sowohl in Sri Lanka als auch in der Schweiz immer wieder mit denselben Personen und Organisationen konfrontiert. So vermittelte eine einzelne Anwältin in Sri Lanka 250 bis 300 Kinder ins Ausland. Die im ZHAW-Bericht erwähnten Akteurinnen vor Ort vermittelten nicht nur Kinder ins Ausland, sondern betrieben vor Ort Heime für Mütter und Babys. Mehrere Vermittlerinnen gerieten als Betreiberinnen von sogenannten «Baby-Farmen» in den Fokus der sri-lankischen Polizei. Die Kinder stammten oft von Müttern aus armen Verhältnissen, die ihre neugeborenen Kinder «für einen Spottpreis» verkauften.
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