Schweden vor der Herausforderung: Gewalt und Angst verschärfen sich

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Schweden vor der Herausforderung: Gewalt und Angst verschärfen sich
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Nach dem Schock der Schulschießerei in Örebro mit elf Toten fragt Schweden nach dem Weg zurück in ein sicheres und offenes Miteinander. Die Gesellschaft kämpft mit tiefen Ängsten und einer wachsenden Gewaltbereitschaft, die auch in Schulen Einzug hält.

Schwedische Gesellschaft erschüttert nach Bluttat in Örebro mit elf Toten. Das Land, das sich über seine gesellschaftliche Offenheit definiert, steht vor der Herausforderung, vor der Gewalt spirale nicht zu kapitulieren. Die jüngste Bluttat in Örebro , bei der ein 35-jähriger Mann zehn Menschen tötete und mindestens fünf schwer verletzte, hat die schwedische Gesellschaft tief getroffen.

Die Tat, bei der der Schütze mit drei Gewehren handelte, und die noch immer umstrittene Motivation des Täters verstärken die Verunsicherung in Schweden. Die Tragödie erschüttert die Gesellschaft nicht nur wegen der Anzahl der Opfer und der Brutalität, sondern auch, weil eine Schule betroffen war. Schulen gelten als Herz der Demokratie, und jetzt ist es gerade dort, wo Gewalt am stärksten eskaliert. Die Schulschiesserei in Örebro ist nur ein Beispiel für die zunehmende Gewalt in Schweden in den letzten Jahren. 2015 ein Messeranschlag in einer Schule mit drei Todesopfern, 2017 der Anschlag in Stockholm, bei dem ein Lastwagen in die Fußgängerzone fuhr und fünf Menschen starben, 15 weitere wurden verletzt, sowie die Morde an Regierungschef Olof Palme 1986 und Außenministerin Anna Lindh, die 2003 in einem Einkaufszentrum erstochen wurde. In den letzten Jahren prägen die immer blutigeren Bandenkonflikte die Städte, mit Hunderten von Schießereien und vielen Toten. Allein im Januar waren es 23 Schießereien plus 32 Bombenanschläge auf Häuser und Geschäfte. In Wohnquartieren dominiert die Angst vor den Kriminellen. Vor allem auch deshalb, weil immer jüngere Teenager in die Bandenkriminalität hineingezogen werden. Viele von ihnen, das zeigen Untersuchungen, haben psychische und soziale Probleme. Regierungenchef Ulf Kristersson räumte Ende Januar ein, die Situation sei «nicht unter Kontrolle». Dabei würden viele Probleme mit der jahrelangen hohen Einwanderung zusammenhängen. Seine rechtsbürgerliche Koalition werde deshalb ihre restriktive Politik verstärken. Kurz darauf wurde der bekannte Koranverbrenner Salwan Momika in seiner Wohnung ermordet. «Wahnsinn», schrieb ein hartgesottener Kriminalreporter der Zeitung «Expressen» über die Entwicklung der Gewalt. Der anerkannte Kriminologe David Sausdal von der Universität Lund sagte in einem Interview: «Im Vergleich zu den Nachbarländern gibt es in Schweden eine extreme Gewaltbereitschaft und enormes Gewaltpotenzial.» Die Gründe für die Taten seien vielfältig, doch der Däne Sausdal findet, Schweden müsse nun dringend eine grundlegende Debatte führen. Diese wird umso wichtiger, sollte sich herausstellen, dass die Schulschiesserei weder mit Terror noch mit Banden oder Einwanderung etwas zu tun hatte, sondern die Tat eines psychisch kranken Einzelgängers war. Und sie ist wichtig, weil das Selbstbild des Landes als Hort der Offenheit und des für alle sorgenden Wohlfahrtsstaates brüchig wird. Als das Königspaar Örebro besuchte und vor Ort trauerte, fragte Königin Silvia in die Kameras: «Wo ist das schöne Schweden hingekommen?» Sie hoffe inständig, dass «alle mithelfen, es wieder aufzubauen». Ob dies mehr als ein frommer Wunsch ist, muss sich zeigen. Mehrere Experten erklärten, dass es leider nur eine Frage der Zeit war, bis auch Schweden eine schlimme Schulschiesserei erlebt. «Es tönt hart, aber wir haben viele Waffen im Umlauf, und man muss damit rechnen, dass Gewalt in der Gesellschaft auch in die Schule hineinspielt», erklärte die Sicherheitsexpertin Lena Ljungdahl. Die Risbergska-Schule war bereits vorbereitet: Sie hatte, wie andere Schulen, ihr Personal geschult, dass sich die Klassen sofort verbarrikadieren – dadurch dürften noch mehr Opfer verhindert worden sein. Die Regierung hat angekündigt, Schulen besser schützen zu wollen. Es ist von verschlossenen Türen, Taschenkontrollen und härteren Waffengesetzen die Rede. Das sind Mittel gegen die Angst – nicht falsch, sagt der Kriminologe Sausdal, aber vor allem Symptombekämpfung. Es brauche eine vertiefte Diskussion, «warum vor allem jüngere Männer in Schweden eine Tendenz zu tödlicher Gewalt haben»

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