Sarah Ineichen, Präsidentin der Betroffenenorganisation «Back to the Roots», hilft Adoptierten aus Sri Lanka, mehr über ihre Herkunft zu erfahren. Sie kritisiert, dass die Hilfe der Behörden bei der Herkunftssuche nicht wirkungsvoll sei.
Bundesrat will internationale Adoption en verbieten lassen, da selbst bei strengen Regelungen Missbrauch nicht ausgeschlossen werden kann. Viele Adoptierte, die in den 1980er- und 1990er-Jahren in die Schweiz kamen, suchen heute ihre leiblichen Eltern. Die Präsidentin der Betroffenenorganisation «Back to the Roots», Sarah Ineichen, weiss, was das auslöst. Sie hat vor sieben Jahren auf eine missbräuchliche Praxis bei internationalen Adoption en hingewiesen.
Der Bundesrat will diese Praxis nun stoppen. Sarah Ineichen sieht dies als Anerkennung des geschehenen Unrechts, gleichzeitig aber auch als Mahnung, die Zahlen in den Blick zu nehmen. Die internationalen Adoptionen sind stark rückläufig. Pro Jahr reisen nur noch rund dreißig Kinder für eine Adoption in die Schweiz ein, während in der Vergangenheit Tausende von Kindern aus der ganzen Welt hierzulande adoptiert wurden. Viele davon unter illegalen oder rechtswidrigen Umständen. Diese Betroffenen dürfen nicht in Vergessenheit geraten. Die Zeit läuft gegen sie: Je länger die Schweiz mit ihrer Hilfe bei der Herkunftssuche wartet, umso weniger bringt sie etwas. Denn: Die Mehrheit der Mütter ist in der Zwischenzeit gestorben.Sarah Ineichen ist Hebamme und Mutter dreier Kinder. Sie wurde selbst als Baby von einem Schweizer Paar adoptiert. Mit ihrer Betroffenenorganisation «Back to the Roots» helfen sie Adoptierten aus Sri Lanka, mehr über ihre Herkunft zu erfahren. In den vergangenen Jahren haben sie Tausende Anfragen von Betroffenen erhalten. Im Rahmen eines Pilotprojekts – finanziert durch Bund und Kantone – konnten sie 82 Adoptierte engmaschig bei ihrer Herkunftssuche betreuen. Nur 5 Prozent von ihnen fanden ihre biologische Kernfamilie, was durch einen DNA-Test bestätigt wurde. Bei den anderen fanden sie zur Hälfte niemanden. Ihre Personalien sind weder als Geburt noch als Todesfall registriert. Bei den anderen konnten sie zwar die angebliche Herkunftsfamilie ausfindig machen. Doch der DNA-Test war negativ. Vermutlich hatte eine Schauspielmutter unter ihrem Namen ein ihr unbekanntes Kind gegen ein geringes Entgelt zur Adoption aufgegeben. Das kam in Sri Lanka in den 1980er-Jahren oft vor.Ineichen erklärt den Adoptierten gleich zu Beginn, dass nicht alle, die suchen, auch finden. Sie empfiehlt den Betroffenen deshalb, sich an eine psychologische Fachperson zu wenden. Eine Adoption ist ein frühkindliches Trauma. Noch schwerer ist es, eine Adoption zu verarbeiten, wenn die Einverständniserklärung der Mutter nicht vorlag, das Geburtsdatum oder gar das Geschlecht unterschiedlich in den Dokumenten vermerkt wurden oder gar Korrespondenz zur Babybestellung inklusive Quittung auftaucht.Ja, sie sahen zahlreiche Dossiers mit Zahlungsbelegen. Durch ihre Arbeit stellten sie fest, dass die aufschlussreichsten Unterlagen nicht bei den Schweizer Behörden archiviert sind, sondern bei den Adoptiveltern liegen. Die Kantone sind verpflichtet, Adoptierte bei der Herkunftssuche zu unterstützen. Weshalb braucht es dann «Back to the Roots»? Weil die Unterstützung der Behörden für die Betroffenen nicht wirkungsvoll ist. Zwar können diese über das Bundesamt für Justiz und die Zentralbehörde in Sri Lanka einen Suchauftrag lancieren. Doch bei Letzterer liegen Hunderte von Dossiers mit Anfragen aus der ganzen Welt. Den sri-lankischen Behörden fehlen die Ressourcen, aber auch das Vertrauen in der Bevölkerung.Sie hatten Fälle – darunter aus den Kantonen Zürich und Bern, die immer wieder behaupten, sie hätten die Herkunftssuche im Griff –, die zwischen vier und fünf Jahren offen waren, bis die Behörden den Betroffenen schriftlich mitteilten, dass sie die Suche einstellen würden. Dies, weil sie ergebnislos gewesen war. Die Betroffenen wandten sich danach an sie. Innerhalb von einigen Monaten fanden sie jene Frauen, die gemäss den Geburtsurkunden die Mütter hätten sein sollen.Sie suchen vor Ort. «Back to the Roots» hat ein Team in Sri Lanka, welches die Originaldokumente der Betroffenen sichtet.
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