In einer Thurgauer Hefefabrik entdeckt man ein potenziell tödliches Bakterium und beseitigt es. Problem gelöst? Von wegen! Eine Spurensuche in einem beunruhigenden Fall.
Eine Thurgauer Hefefabrik wurde als mögliche Quelle entdeckt.Der Bund diskutiert strengere Meldepflichten und Richtwerte für nicht genussfertige Produkte wie Hefe und Pouletfleisch.
Das Bakterium Listeria monocytogenes kommt in der Umwelt verbreitet vor und kann Esswaren kontaminieren. Als Risikolebensmittel gelten Käse, Fisch, Wurst. Gewöhnlich sind Listerien ungefährlich. Menschen mit einem robusten Immunsystem verspüren bei einer Infektion entweder keine oder nur leichte Symptome wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.
In diesem Labor arbeitet Professor Roger Stephan, ein erfahrener Mann, international anerkannt und bekannt, man könnte auch sagen: eine Koryphäe. Als es im Jahr 2022 zu fünf weiteren hospitalisierten Fällen kommt, merken der 60-Jährige und seine Mitarbeitenden durch das Sequenzieren, dass die Fälle zusammenhängen. Die Bakterienstämme sind identisch. Sie wissen: Irgendwo da draussen gibt es eine potenziell gefährliche Quelle.
Doch nun fehlen Anhaltspunkte für eine Quelle. Weil die Inkubationszeit von Listeriose je nach Erkrankungsform bis zu 70 Tage beträgt, erschwert sich das Aufspüren noch einmal. Wer weiss schon, was er vor zwei, drei Monaten gegessen hat? Wann und wo die erste Person starb, ist hingegen nicht bekannt. Das Bundesamt für Gesundheit verweist auf die Staatsanwaltschaft Thurgau. Diese bestätigt zwar, dass sie im besagten Fall aktiv ist, will aber keine Informationen zu den Todesfällen preisgeben, da die Ermittlungen nach wie vor laufen.
Gleichzeitig rätseln Experten wie Professor Stephan und Kantonschemiker Spinner, weshalb sich die Bakterien über die Hefe verbreiteten. Über allem steht die Frage: Infizierten sich die Erkrankten tatsächlich an Hefeprodukten aus der Fabrik in Stettfurt? Spinner hat nach der Entdeckung der Listerien in der Hefefabrik Anzeige erstattet. Dazu seien die Kantonschemiker in schweren Fällen verpflichtet, sagt er. Die Staatsanwaltschaft Thurgau bestätigt eine Anzeige im Umfeld der Hefe Schweiz AG.
Die sauberen Abschnitte gehen vom Reagenzglas, wo die Hefe entsteht, zu den Behältern, wo sie hochgezüchtet wird, zu den Filtern, wo sie vom flüssigen in den festen Zustand übergeht. Alles sauber. Dann steht er vor einer älteren, roten Verpackungsanlage. «Die macht uns Schwierigkeiten», sagt er. Hier hat man die Listerien festgestellt. Weshalb? «Stichwort Hygienic Design», sagt er.
Käse ist ein genussfertiges Produkt und muss darum mehr Auflagen erfüllen als Hefe, ein nicht genussfertiges Produkt.In der Lebensmittelbranche unterscheidet man zwischen genussfertigen Produkten, auch Ready to Eat genannt, und nicht genussfertigen Produkten . Für RTE-Produkte wie Salat, Käse oder geräucherten Lachs gelten strenge Richtlinien. So auch im Bereich Listerien. Hier darf die Konzentration einen gewissen Grenzwert nicht überschreiten.
Die Hefe Schweiz AG untersucht inzwischen auch Lagerkisten auf Listerien, die aus anderen Betrieben nach Stettfurt gelangen. Bei einer solchen Kontrolle macht sie 2024 einen irritierenden Fund: Listeria monocytogenes, der gleiche Stamm.
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