Hollywood Trauert Um David Lynch

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Hollywood Trauert Um David Lynch
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David Lynch, der amerikanische Regisseur und Filmemacher, der bekannt ist für seine visionären und surreale Filme wie „Eraserhead“, „Blue Velvet“ und „Mulholland Drive“, ist im Alter von 77 Jahren gestorben. Lynch revolutionierte das Kino mit seinen unverwechselbaren Stilen und Themen und hinterlässt ein umfangreiches Werk, das bis heute die Welt des Films beeinflusst.

Mit Filmen wie «Eraserhead», « Blue Velvet », «Mulholland Drive» und der bahnbrechenden Serie «Twin Peaks» wurde der Amerikaner zur Filmikone. Er öffnete verstörende Türen zu einer neuen Art des Sehens. Nun trauert Hollywood um den Regisseur und Künstler. Das grosse Wort «Lieblingsregisseur» sollte nicht leichtfertig verwenden, wer das Kino liebt.

Lieblinge tummeln sich dort so einige, die unsere Vorstellung vom Leben prägen, unser Verständnis für die Welt auf den Kopf stellen, unsere Träume bereichern oder manchmal auch so gehörig durchrütteln, bis sie als verstörende Albträume wiederkehren. Für viele Menschen, darunter mich, der diesen Nachruf überrascht, erschüttert, tieftraurig zu den sphärischen Klängen des «Twin Peaks»-Soundtracks schreibt, war David Lynch mehr als der Lieblingsregisseur. Er war der Herzensregisseur. Lynch hat das Kino zwar nicht erfunden, aber doch erneuert, radikal erweitert, visionär eine traumartige Tür des Sehens aufgestossen, die sich kaum schliessen lässt, hat man sie einmal geöffnet. Der am 20. Januar 1946 in Montana geborene Lynch war der Spezialist für das Surreale, für das Erschrecken und das Erwachen, das diesem Erschrecken folgt. Mit «nur» zehn Spielfilmen zwischen 1977 und 2006 schrieb er Geschichte. Davon kann lediglich seine Version des überbordenden Science-Fiction-Romans «Dune», der 2021 von Denis Villeneuve neu adaptiert wurde, als gescheitert gelten; was Lynch selbst sofort klar war, da er vom Studio nicht die volle Kontrolle über das Projekt bekam. Alle anderen Filme hingegen: Meisterwerke, bis heute. Es sind zahllose Bilder, die sich tief ins kollektive Gedächtnis des Kinos eingebrannt haben: Der deformierte Elefantenmensch, der den Massen, die ihn ans Gitter der U-Bahn-Station drängen, gedämpft zuruft: «I am not an animal! I am a human being!» Die nächtlichen Strassenmarkierungen im Scheinwerferlicht, über die Bill Pullman in «Lost Highway» seinem schleifenförmigen Schicksal zu entkommen versucht, dazu klagt David Bowie: «I’m Deranged». Ganz das Gegenteil dazu die sonnenüberflutete Strasse, auf der ein alter Mann auf seinem Sitz-Rasenmäher gemächlich seinem Ziel, dem kranken Bruder, entgegen tuckert - «The Straight Story». «Mulholland Drive», Lynchs Liebeserklärung an und zugleich Abrechnung mit Hollywood aus dem Jahr 2001 wurde in einer Kritikerumfrage der BBC zum wichtigsten Film des 21. Jahrhunderts gewählt. Als ich ihn mit viel zu frühen 12 Jahren zum ersten Mal sah, kippte ich bei der Szene, bei der sich plötzlich eine Fratze hinter einem Mauervorsprung hervor schiebt, kreischend vom Stuhl. Damals lehrte mich Lynch einen misstrauischen Blick hinter die Bilder: Pass auf! Nichts ist, wie es scheint, alles hängt zusammen, das Schöne und das Schreckliche. Aber nicht so, wie du denkst. Wenige Regisseure schaffen es, dass bereits ihr Debüt zum Kultfilm wird, Lynch zählt dazu. Nach einem unerfüllten Kunst-Studium in Boston und Philadelphia, einem noch unerfüllteren Europa-Kurzaufenthalt und ersten Kurzfilmen, schrieb er sich 1970 am American Film Institute in Los Angeles ein. Die Stadt der Engel – und Teufel – blieb ihm lebenslange Heimat. Dort kratzte Lynch das Geld zusammen für seinen «spirituellsten» Film, der in jahrelanger Handarbeit und dank der Hilfe vieler Freunde aus Sperrmüll und mit originellen Toneffekten geschaffen wurde: «Eraserhead» (1977). Die surreale Groteske in Schwarz-Weiss um das gestörte Verhältnis eines Vaters zu seinem missgebildeten Kind lief zuerst in in der Low-Budget-Sektion der sogenannten «Midnight Movies». Durch Mundpropaganda wurde «Eraserhead» bekannt, John Waters und Stanley Kubrick lobten ihn. Sein Schöpfer avancierte zur Kultfigur, stets mit Zigarette zwischen den Fingern. Die steil aufwärts gerichteten Haare liessen ihn wirken wie einen durch den Generator gejagten, genialischen Guru. Dieser Eindruck verstärkte sich, als er während der Dreharbeiten in Kontakt mit der Transzendentalen Meditation kam. Bald trat er als ihr Botschafter auf. So wurde David Lynch auch zum Codewort, das für Kunst, Kreativität und hippen Stil stand. Für Coolness und ein Lebensgefühl, das Lässigkeit mit harter Abgeklärtheit verband. Für eine Schnittstelle zwischen Mainstream – Lynch wurde vielumschwärmte Marke und Frauenschwarm; viermal war er verheiratet – und Underground. Wie geschaffen für einen eingeweihten Kreis von Leuten, die wussten, oder wissen wollten, wie der Hase lief. Wer mit David Lynch nichts anfangen konnte, dem verschloss sich ein eigener Kosmos aus Zigarettenrauch, Elektrizität, Sinnlichkeit, Gewalt, Rock’n’Roll und dem doppeldeutigen Spiel mit Identitäten und Körpern. So jemand war schlicht draussen und musste Disney schauen. Wer Paradoxien nicht aushält, ist bei Lynch tatsächlich an der falschen Adress

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