Roland Siegwart, ETH-Professor und «Drohnen-Papst», erläutert die Bedeutung von Drohnen im aktuellen Krieg und die Herausforderungen für die Schweiz im Umgang mit dieser Technologie.
Von billigen First-Person-View- Drohnen mit angeklebten Sprengsätzen über etwas grössere Kamikaze- Drohnen bis hin zu ausgeklügelten Hightech- Drohnen verändern die unbemannten Flugobjekte die Art der Krieg sführung. Kaum ein Waffensystem hat den Krieg in der Ukraine so geprägt wie Drohnen . Dazu ETH-Professor und « Drohnen -Papst» Roland Siegwart. In der Ukraine werden täglich tausende Drohnen eingesetzt und beeinflussen entscheidend das Krieg sgeschehen.
Die Schweiz scheitert daran, ihre einzigen sechs Drohnen autonom flugfähig zu machen. Ist das nicht peinlich? Roland Siegwart: Das würde ich so nicht sagen, weil die Fälle nicht vergleichbar sind. Die Ukrainer nehmen handelsübliche Drohnen, kleben eine Granate dran und führen so Krieg. Ganz nach dem Motto: Krieg macht erfinderisch. Die Drohnen, die die Schweiz in Israel bestellt hat, sind für den Gebrauch im zivilen Bereich, etwa zur Grenzüberwachung, gedacht. Das sind Hightech-Produkte mit jahrelanger Entwicklungszeit. Der Krieg tobt in Europa und er wird von First-Person-View-Drohen geprägt. Bräuchten die Schweiz nicht auch solche Drohen? Die Armeen weltweit werden sich aufgrund der Entwicklungen in den laufenden Kriegen Gedanken über ihre Strategie machen. Auch die Schweiz muss sich überlegen, welche Drohnen sie für welche Szenarien beschaffen will. Aber: Viele dieser Drohnen werden in irgendwelchen ‹Garagen-Firmen› gebaut oder es sind einfach handelsübliche Drohnen. Es gibt derzeit keine Hersteller zuverlässiger, moderner, günstiger FPV-Drohnen für den Kriegseinsatz. Die Schweiz kann diese also nicht einfach irgendwo bestellen. Glauben Sie, dass diese Entscheide rechtzeitig fallen werden oder droht die Schweiz die Entwicklung zu verschlafen? Das ist im Moment schwierig zu sagen. Der Krieg in der Ukraine gibt dieser Entwicklung sicher einen Boost. Wir haben in der Schweiz den Vorteil, dass wir eine hervorragende Drohnenforschung haben. Ich kann mir deshalb vorstellen, dass die Schweiz dereinst nicht nur solche Systeme kauft, sondern sie mitentwickelt und vielleicht sogar produziert. Die Schweiz muss jetzt die richtigen Entscheide treffen. Wir müssen aber auch sehen: Technologisch sind derzeit noch sehr viele Fragen offen. Welche? Fangen wir bei den Drohnen selber an: Im Krieg ist es unerheblich, wenn die Hälfte der Drohnen Störungen oder Fehlfunktionen hat und plötzlich vom Himmel fällt. Wenn die Armee aber Drohnen kaufen oder entwickeln will, braucht sie zuverlässige Systeme. In der Ukraine laufen jetzt erste Versuche mit kabelgebundenen Drohen, die nicht mehr anfällig sind auf sogenannte Jammer, die die GPS-Signale stören und die Drohnen unschädlich machen. Das funktioniert, aber ebenfalls noch sehr unzuverlässig. Die Schweiz braucht keine Schnellschüsse, muss aber auf die Entwicklungen reagieren und die richtigen Entscheide fällen. Dann ist auch der Bereich Drohnen-Abwehr sehr wichtig, militärisch aber auch zivil. Setzt man hier auf Laser? Auf Radiowellen, wie das neue System der Briten? Oder versucht man, die Drohen einzufangen, ohne sie zu zerstören, was ungleich schwieriger ist? Wieso sollte man sie fangen, statt sie zu zerstören? Weil wir auch hier nicht nur an einen derzeit ja nicht sehr wahrscheinlichen grossen Krieg denken dürfen. Nehmen wir an, jemand möchte mit einer FPV-Drohne an der Streetparade Schaden anrichten und Polizei oder Armee schiessen die Drohne mit einem Laser ab. Sie stürzt unkontrolliert in die Menge und verletzt oder tötet Menschen. Das wäre ein Debakel
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