Donald Trump fordert von den europäischen Ländern einen Anstieg der Verteidigungsausgaben auf mindestens fünf Prozent ihres BIP. Die Forderung stößt auf unterschiedliche Reaktionen in Europa. Während einige Politiker die Forderung begrüßen, sehen andere sie als unrealistisch und bedrohlich.
Donald Trump , der neue US-Präsident, fordert von den europäischen Ländern ultimativ, dass sie mehr Geld in ihre Armeen stecken. Konkret soll es nicht weniger als fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung sein, wie Trump in seiner Ansprache beim Weltwirtschaftsforum in Davos bekräftigte. Dieses Ziel stellt für die europäischen Länder, insbesondere für Westeuropa, eine enorme Herausforderung dar. Die Frage ist jedoch, wie viel mehr die europäischen Länder ausgeben sollen.
Der polnische Premier Donald Tusk, der mit 4,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) bereits heute den höchsten Anteil an die Verteidigung ausgibt, begrüßt Trumps Forderung. Auch die baltischen Staaten Estland und Litauen, die in direkter Nachbarschaft zu Russland leben, wären mit fünf Prozent zufrieden. Die Situation ist jedoch komplexer, wenn man den wirtschaftlichen Unterschied zwischen Polen und Deutschland betrachtet. Deutschlands Volkswirtschaft ist mit rund 4300 Milliarden Euro Wertschöpfung die stärkste des Kontinents und fünfeinhalb Mal so groß wie die polnische. Gemäß Trumps Forderung müsste Deutschland also eine Summe von über 210 Milliarden Euro pro Jahr für die Verteidigung ausgeben. Das ist enorm und entspricht fast der Hälfte des gesamten Bundeshaushalts für eine Armee mit knapp 200.000 Soldaten. Die fünf Prozent wären auch deutlich höher als die Ausgaben der Bundesrepublik im Kalten Krieg jemals waren. In den Spitzenzeiten der 1960er-Jahre kletterte der Verteidigungshaushalt auf knapp vier Prozent des Bruttoinlandprodukts. Die deutsche Links-Politikerin und Nato-Gegnerin Sara Wagenknecht bezeichnet Trumps Forderung als „blanken Wahnsinn“. Die einzige, die in Deutschland die fünf Prozent sofort als gute Idee sieht, ist AfD-Chefin Alice Weidel. Doch auch sie distanziert sich mittlerweile von der Forderung und sieht die fünf Prozent eher als „symbolische Zahl“. Abseits der beiden Parteien AfD und Bündnis Wagenknecht hat Grünen-Kanzlerkandidat Robert Habeck ein Ziel von 3,5 Prozent ins Feld geführt, was immer noch relativ ambitioniert ist. Dem SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz ist das aber zu viel. Er nennt den Vorschlag „unausgegoren“ und fragt: „Wer zahlt die Zeche? Die Bürgerinnen und die Bürger?“ CDU-Chef Friedrich Merz, der Kanzlerkandidat mit den besten Wahlchancen, möchte sich noch gar nicht auf eine Zahl festlegen. Fest steht: Bald wird es darum gehen, Nägel mit Köpfen zu machen. Das neue Nato-Ziel soll schon beim Gipfeltreffen der Allianz im Juni in Den Haag fixiert werden. Dort wird auch Trump vor Ort sein und es dürfte schnell klar sein, ob es ihm mit seiner Ansage ernst ist oder ob die fünf Prozent wirklich nur eine „symbolische Zahl“ waren, wie AfD-Weidel vermutet. Nato-Chef Mark Rutte selbst schätzt den Bedarf deutlich über drei Prozent, eher nahe vier Prozent. Er empfiehlt den europäischen Staaten, in ihren großzügig ausgebauten Sozialstaaten nach Mitteln zu suchen. Hier gäbe es durchaus „Manövrierspielraum“, so Rutte. Der Niederländer machte auch deutlich, dass es eilt. Russlands Kriegswirtschaft produziere in drei Monaten so viel wie man selbst in gerade mal einem Jahr. Rutte spielte damit auf Geheimdienstberichte an, dass Putin in absehbarer Zeit einen Angriff auf ein EU-Land wagen könnte. Dafür spricht, dass von der russischen Militärproduktion längst nicht alles Gerät an der Front in der Ukraine landet, sondern viele neue Panzer und Waffen eingelagert werden, was als mögliche Vorbereitung künftiger Kriegshandlungen gedeutet wird. Rutte: „Jetzt sind wir noch sicher, aber nicht mehr in vier oder fünf Jahren.
Trump NATO Verteidigungsausgaben Europa Russland Krieg Militär
Switzerland Neuesten Nachrichten, Switzerland Schlagzeilen
Similar News:Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Polen Bestätigt: Trumps Forderung Nach Fünf Prozent Militärausgaben Ein Wichtiger WeckrufPolens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamsyz begrüßt die Forderung von US-Präsident Donald Trump nach einer Erhöhung der Verteidigungsausgaben auf fünf Prozent des BIP als wichtigen Weckruf für die Nato-Länder. Polen selbst plant, im Jahr 2025 4,7 Prozent seines BIP in Militär auszugeben - mehr als jedes andere EU- oder Nato-Land. Dieser Schritt ist vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs und der steigenden Sicherheitsbedrohungen für Osteuropa zu verstehen.
Weiterlesen »
Trumps Fünf-Prozent-Forderung an Nato-Staaten: Eher ein Traum?Donald Trump fordert die Nato-Staaten auf, fünf Prozent des BIP für Verteidigung auszugeben. Dieses Ziel wird von Experten als unrealistisch angesehen, da selbst die USA Schwierigkeiten haben, diese Grenze zu erreichen. Die Mehrheit der Nato-Staaten sieht sich angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen und des Krieges in der Ukraine mit der Zwei-Prozent-Hürde bereits stark belastet.
Weiterlesen »
Was Trumps Fünf-Prozent-Ziel für Deutschland bedeuten würdeDass Trump die Verbündeten bei den Verteidigungsausgaben unter Druck setzt, ist nichts Neues. Aber fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts? Das erreichen die USA selbst bei weitem nicht.
Weiterlesen »
Estlands Regierungschef unterstützt Trumps Fünf-Prozent-ZielEstlands Regierungschef Kristen Michal befürwortet Donald Trumps Aufruf, fünf Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) für die Verteidigung auszugeben.
Weiterlesen »
Trumps erste Pressekonferenz 2025: Kritik am Panamakanal, Forderung an NATODonald Trumps erste Pressekonferenz nach seiner Wiederwahl fand in Mar-a-Lago statt. Thema waren unter anderem seine geopolitischen Äusserungen zum Panamakanal, Grönland, das Leben in den USA und die NATO.
Weiterlesen »
Trumps Antrittsrede: Faktencheck zu fünf BehauptungenUS-Präsident Donald Trumps Antrittsrede enthielt mehrere Behauptungen, die einer Überprüfung standhalten mussten. Wir betrachten fünf Aussagen Trumps und überprüfen sie anhand von Fakten und Daten.
Weiterlesen »