Die Mitte hat im letzten Moment einen zweiten Kandidaten für die Bundesratswahl gefunden. Mit Regierungsrat Martin Pfister aus dem Kanton Zug erhält die Partei Konkurrenz zu Bauernverbandspräsident Markus Ritter.
Die Mitte hat im letzten Augenblick einen zweiten Kandidaten für die Bundesrat swahl vom 12. März gefunden. Mit Regierungsrat Martin Pfister aus dem Kanton Zug erhält die Partei Konkurrenz zu Bauernverbandspräsident Markus Ritter . Pfisters Nominierung ist eine Erleichterung für die Mitte , denn Einzelkandidaturen gelten heute als verpönt. Dies hat auch mit Christoph Blocher zu tun.Die Ablehnung von Einzelkandidaturen ist eine vergleichsweise neue Entwicklung.
Während Jahrzehnte waren Einertickets üblich, und die Wahl wilder Kandidaten war kaum relevant. Bei den Gesamterneuerungswahlen 1973 mit drei Vakanzen etwa unterlagen alle drei offiziell nominierten Kandidaten, doch die Ablehnung von offiziellen SP-Kandidatinnen Lilian Uchtenhagen (1984) und Christiane Brunner (1993) durch die männlich dominierte Bundesversammlung sorgte für mehr Aufsehen. Heute ist ein Ticket mit mindestens zwei Namen und die Wahl der offiziellen Kandidaturen der Standard.Das geht auf den turbulenten Aufstieg der SVP zur wählerstärksten Partei des Landes Ende der Neunzigerjahre unter der Führung von Christoph Blocher zurück. Bei den Wahlen 1999 landete die politisch nach rechts gerückte SVP mit einem Wähleranteil von 22,5 Prozent auf Platz eins. Nach dem Rücktritt von Adolf Ogi per Ende 2000 wollte die SVP ihren bis dato einzigen Bundesratssitz mit einer Person besetzen, die auf Parteilinie politisiert. Doch das Parlament wählte statt der offiziellen SVP-Kandidierenden den gemässigten Berner Ständerat Samuel Schmid. Erst 2003 zog die harte «Zürcher Linie» der SVP mit der Wahl von Christoph Blocher in den Bundesrat ein. Doch Blocher wurde nach nur vier Jahren wieder abgewählt. Das Parlament ersetzte ihn 2007 durch die Bündner Regierungsrätin Eveline Widmer-Schlumpf. Die SVP warf Widmer-Schlumpf aus der Partei und schrieb 2008 eine neue Klausel in die Parteistatuten: Wer eine Wahl in den Bundesrat ohne Nomination durch die Fraktion annimmt, verliert automatisch seine Parteimitgliedschaft. Diese Klausel wurde von Staatsrechtlern und anderen Parteien heftig kritisiert. Sie sei verfassungswidrig und schränke die Wahlfreiheit der Bundesversammlung ein. Aber sie wirkte: Mit hauchdünnem Vorsprung gegenüber dem wilden Kandidaten Hansjörg Walter wählte die Bundesversammlung kurz später nach dem Rücktritt von Samuel Schmid den von der SVP offiziell nominierten Ueli Maurer in den Bundesrat. «Bei Bundesratswahlen herrscht ein latenter Konflikt zwischen der Wahlfreiheit des Parlaments und dem Anspruch einer Bundesratspartei, mit einer Person auf Parteilinie in der Regierung vertreten zu sein», sagt Politikwissenschafter Lukas Golder vom GFS Bern. Der Verzicht auf ein Einerticket sei gewissermassen ein Entgegenkommen: «Wenn parteiintern Druck aufgebaut wird, um wilde Kandidaturen zu verhindern, so wird der Bundesversammlung wenigstens eine Auswahl offizieller Kandidaturen geboten.»Martin Pfister kandidiert für den Bundesrat. Der Zuger Regierungsrat «erspart» seiner Partei damit eine Blamage. Aber nicht nur das: Im Wettstreit gegen Bauernpräsident Markus Ritter hat Pfister einige Pfeile im Köcher.
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