Jean Tinguelys frühe Arbeit im Hangar Bicocca, Mailand, zeigt seine Faszination für die Wiederverwendung von Industriemüll in seinem Schaffen.
Jean Tinguely war noch ein kleiner Junge, als der alte Hangar Bicocca ein wichtiges Rädchen in Mussolinis Kriegsmaschinerie war. In der Mailänder Industriehalle wurden Gusseisen-Bauteile für Lokomotiven, Flugzeuge und militärische Ausrüstung gefertigt. Die Giesserei existierte noch bis 1986 und wurde danach in ein Kulturzentrum umgebaut.schliesst sich nun ein Kreis in Jean Tinguely s internationaler Karriere.
Hier nahm der aufstrebende Künstler auf Einladung von Bruno Munari (1907–1998), einem der Schöpfer programmierter und kinetischer Kunst, an einer Ausstellung teil. Sein damaliger Beitrag «Tricycle» (1954) ist auch bei der Retrospektive in Mailand zu sehen. Es war die Zeit des wirtschaftlichen Wiederaufschwungs nach dem Krieg und der Beginn der Konsumgesellschaft. Es war auch die Zeit, als Züge, Autos, Motorräder, Spielzeuge und Haushaltgeräte die Strassen und Wohnungen fluteten. Alles war grossartig und neu, mit verstecken Schaltungen in ausgeklügelten Getrieben – und alles landete irgendwann im Müll. Die enormen Abfallberge aus der industriellen Produktion waren reif für die Wiederauferstehung. Tinguely betrachtete weggeworfenes Alteisen als Rohstoff für seine kinetischen Skulpturen. Für ihn war die Maschine «in erster Linie das Instrument, das es mir ermöglicht, poetisch zu sein».Charmante Nutzlosigkeit Tinguely beobachtete, erkundete und zerlegte letztlich die Fliessbänder der industriellen Produktion. Er schenkte vielen Gegenständen ein zweites Leben und verlieh ihnen eine charmante Nutzlosigkeit – in Einzelteilen und anders geformt, waagrecht statt senkrecht oder umgekehrt, immer aber ohne Bezug zu ihrem ursprünglichen Zweck. Schrottteile landwirtschaftlicher Nutzfahrzeuge, Pressen, Bohrmaschinen, Deckel und Haifischzähne erfuhren durch Tinguelys künstlerische Hand eine komplett neue Sinnfreiheit und Absurditä
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