Die Autozulieferbranche in der Schweiz ist von der Krise der deutschen Autoindustrie betroffen. Die Mubea in Arbon plant Massenentlassungen, während andere Unternehmen die Folgen spüren. Die Unsicherheit der technologischen Entwicklung und der geopolitischen Lage verschärfen die Situation.
Die Autozulieferbranche ist in der Schweiz von Bedeutung. Nach Angaben des Branchenverbandes Swissmem arbeiten rund 30'000 Personen bei Zulieferbetrieben. Die meisten sind aber weniger stark von den deutschen Autobauern abhängig als die Arbon er Mubea , wo über 100 Stellen verloren gehen sollen. Trotzdem trübt sich die Beschäftigungslage in der Industrie ein. 100 bis 130 Stellen dürften bei der Mubea in Arbon verloren gehen, wie letzte Woche bekannt wurde.
Wie viele genau sollen in einem Konsultationsverfahren ermittelt werden. Die Arboner Tochter des deutschen Zulieferkonzerns Mubea würde so rund ein Drittel bis fast die Hälfte der Belegschaft abbauen. Grund dafür sei die Krise der deutschen Autoindustrie. Die Produzentin von Präzisionsstahlrohren sei ab März nur noch zu 50 Prozent ausgelastet. Die Krise der deutschen Autobauer spürt aber nicht nur die Mubea. «Die Schweizer Industrie hat enge Beziehungen, gerade mit der deutschen Autoindustrie», sagt Jean-Philippe Kohl, Vizedirektor des Branchenverbandes Swissmem. Direkt oder indirekt von der Krise betroffen seien in der Schweiz rund 550 Industrieunternehmen mit rund 30'000 Mitarbeitenden. Das seien 5 bis 10 Prozent der Schweizer Tech-Industrie, zu der der Verband die Metall-, Elektro- und Maschinenindustrie sowie verwandte Branchen zählt. 2024 seien die Exporte der Autozulieferer um 6,4 Prozent zurückgegangen, sagt Kohl. Denn die Autoindustrie leide nicht nur unter der schleppenden Konjunktur in Europa. Hinzu komme ein strukturelles Problem. «Die technologische Unsicherheit hemmt das Geschäft: Ist der Verbrennungsmotor wirklich tot oder spielt er auch nach 2035 noch eine Rolle?»Insbesondere in China haben die deutschen Automarken derzeit Mühe. Sie verlieren Marktanteile an chinesische Konkurrenten, die dort insbesondere mit E-Autos erfolgreich sind. Das betrifft auch Schweizer Zulieferer, die mit ihren Standorten in Asien bisher vorwiegend auf europäische Marken ausgerichtet sind. «Diese versuchen nun, auch chinesische Autobauer zu beliefern», sagt Kohl. Kein einfaches Unterfangen. «Der Aufbau neuer Kundenbeziehungen in China ist schwierig. Einfacher ist es, wenn man eine chinesische Firma übernehmen kann.»Trotzdem sei die Krise bei den Autobauern nicht für alle Zulieferer so einschneidend wie für die Mubea. Firmen, die hauptsächlich an die Autoindustrie liefern, seien selten. «Wer zum Beispiel spezialisierte Maschinen baut, kann diese oft auch an andere Branchen liefern. Die Krise in Deutschland betrifft so nur einen Teil des Geschäfts.»Allerdings spüren auch andere Industriesektoren die schwache Nachfrage. Das zeigt der neuste Bericht des Ostschweizer Konjunkturboards. Die Lage der Industrie habe sich weiter eingetrübt. In der Unternehmensumfrage, die dem Bericht zugrunde liegt, vermeldet jedes dritte Industrieunternehmen in der Ostschweiz eine schlechte Geschäftslage. Es mangelt an Aufträgen, die Nachfrage ist für drei von vier Firmen ungenügend. So hat sich auch der Arbeitskräftemangel in der Industrie deutlich abgeschwächt. Noch etwas über 11 Prozent der Firmen vermelden Mühe bei der Rekrutierung. Trotzdem versuche die Industrie, ihre Mitarbeitenden zu halten, heisst es in dem Bericht. «Stellensuchende finden oft rasch eine neue Beschäftigung.» Allerdings hat auch die Kurzarbeit wieder zugenommen. Vor allem die MEM-Industrie arbeitet derzeit kurz. Schweizweit arbeiteten im November letzten Jahres 460 Betriebe kurz. Allein 340 dieser Unternehmen gehörten zur Tech-Branche, sagt Kohl. Massenentlassungen wie diejenige bei der Mubea sind aber selten. Zwar zeige die Beschäftigungsstatistik des Verbands in den letzten Monaten gewisse Schwankungen. «Trotzdem blieb sie konstant bei rund 330'000 Beschäftigten.»Denn nicht in allen Sektoren der Tech-Industrie herrscht Flaute. Gerade den Unternehmen im Bereich Elektrotechnik gehe es nicht schlecht. «Sie profitieren auch von der Transformation im Energiebereich», sagt Kohl. Ein Lichtblick, auch wenn die Elektronik-Exporte die Rückgänge anderer Sektoren nicht ausgleichen könnten. Auch das Konjunkturboard sieht das Aufflackern von Licht am Ende des Tunnels. Hoffnung auf steigende Bestellungen gebe es in der Optik- und Elektronikindustrie, heisst es im Bericht – Sektoren, die die Konjunkturzyklen meist vor allen anderen spüren. Unsicherheit verbreitet hingegen die geopolitische Lage. Die Zölle auf Alu und Stahl, die US-Präsident Trump gegen Europa verhängte, beträfen die Schweiz zwar nur wenig. Schlimmer seien die möglichen Folgen. «Die EU wird wohl reagieren», sagt Kohl. Dabei bestehe die Gefahr, dass Strafzölle auch für die Schweiz gelten könnten. Das gelte es zu verhindern. Noch schlimmer wäre es, wenn die Zölle und Gegenzölle weitere Produktkategorien betreffen würden. «Dann hätten wir einen regelrechten Handelskrieg», sagt Kohl. «Ein Desaster für die Schweiz.
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