Schwester Annemarie Müller, Präsidentin aller Ordensoberinnen der apostolischen Gemeinschaften in der deutschsprachigen Schweiz und Liechtenstein, blickt auf 35 Jahre Klosterleben zurück und beobachtet die Herausforderungen der modernen Welt.
Ein Tag wie vom Herrgott gemalt: In Ilanz GR ergiesst sich die Sonne über verschneite Hügel, im Tal kommt der Ort langsam aus dem Schlaf, und im Kloster, da empfängt eine hellwache Annemarie Müller. Die 60-jährige Ostschweizerin zählt seit 1989 zum Orden der Ilanzer Dominikanerinnen, seit 2021 ist sie Präsidentin aller Ordensoberinnen der apostolischen Gemeinschaften in der deutschsprachigen Schweiz und Liechtenstein – kurz: die höchste Nonne der Deutschschweiz.
Sie lebt in einer Welt der Zurückhaltung und Uniformität. Alle der rund 80 Schwestern im Haus sind gleich gekleidet, alle verschreiben sich dem Gemeinwohl des Klosters, dem Gebet, der Seelsorge. So anders als ausserhalb. Unsere Gesellschaft ist geprägt von der Vermarktung des eigenen Ichs. In den sozialen Medien, in der Weiterbildung, im Sabbatical, im Yoga-Kurs: Wir wollen und sollen uns optimieren. Diesem Trend schaut Schwester Annemarie, wie sie alle nennen, skeptisch entgegen. Nach 35 Jahren Klosterleben sieht sie die Welt, in der wir uns bewegen, mit anderen Augen. Schwester Annemarie, viele Leute suchen sich Hilfe, weil sie das Gefühl haben, die Welt komme nicht mehr zur Ruhe. Womit kommen die Leute zu Ihnen? Unsere Seelsorgerinnen begleiten Menschen in den verschiedensten Lebenslagen: Einige möchten einen spirituellen Weg gehen, andere überdenken ihre Lebenssituation. Dazu machen wir Trauerbegleitung für jene, die gerade einen engen Menschen verloren haben. Wir haben ein Gästehaus, in das sich Leute in schwierigen Situationen auch für ein paar Tage einquartieren können. Und manchmal geht es auch nur um das Gespräch mit einem Bettler an der Pforte.Ich beobachte, dass auch Menschen Zuflucht suchen, die zwar nicht unmittelbar bedroht sind, aber unter psychischen Problemen leiden. Und dann manchmal gleich mit dem Vorhaben ankommen: Ich will das klösterliche Leben leben. Dabei geht es vielleicht zunächst mehr um Entschleunigung. Wir sind da jeweils vorsichti
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