Ideologisches Kapital schlagen aus dem beschworenen Untergang: Wie Christen und Rechte in der NZZ das Ende «des Westens» beklagen.
Ist es schon ein Echo aus dem diesjährigen Sommerloch? Die NZZ besingt wieder laut und vielstimmig den Niedergang des Abendlands. Dieses ist seit vielen Jahren im Sinkflug, aufmerksame Leser:innen können selber ein Lied davon singen. Früher hiessen die Feinde «Sozialismus», «political correctness» und «linker Mainstream».
Oder mit den Worten des Tessiner Financiers Tito Tettamanti: «Die gegenwärtige Krise ist besonders gefährlich, weil sie nicht von aussen, sondern aus dem Inneren der westlichen Zivilisation selbst kommt.» Der 93-Jährige muss es wissen, subventionierte er doch mit seinem geschätzten Vermögen von 950 Millionen Franken ein Leben lang allerlei rechte bis extrem rechte Umtriebe, namentlich in der Schweizer Medienlandschaft.
In der NZZ behauptet Gastessayist Tettamanti, «wir» würden heute «Kopernikus, Galilei, Pascal, Newton, die schottische und die französische Aufklärung auslöschen» und «Shakespeare, Dante und Goethe korrigieren». Verantwortlich dafür seien – unter anderen – Michel Foucault, die «afroamerikanischen Aktivisten» von Black Lives Matter und die Gender Studies.
Nun sind weder Hirsi Ali noch Tettamanti NZZ-Redaktor:innen. Alles nur eingekaufte Provokation also? Nein. Auch dieser Fisch stinkt vom Kopf in der eigenen Redaktionsstube. Unter dem Titel «Der grösste Feind des Westens ist der Westen» stimmte Benedict Neff, NZZ-Feuilletonchef, schon vor Wochen den gleichen Abgesang an. Trotz viel Westen im Titel geisselt er im Text ausführlich die «unkontrollierte Einwanderung».
Auch aus der katholischen Gruft wehen faulige Gerüche herüber. Martin Grichting, stockkonservativer Kirchenrechtler, ist regelmässig Gast im NZZ-Feuilleton. Unter dem trotzigen Titel «Die westlichen Ideen bleiben wahr» definierte er kürzlich Grundrechte und Gleichberechtigung als christliche Errungenschaften. Ausgerechnet aus dem konservativsten Winkel des katholischen Männervereins rufts also plötzlich nach Frauen- und Freiheitsrechten.
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