Zwangsmassnahmen in Psychiatrien: Fixiert und ruhiggestellt

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«Ich bettelte darum, dass mir jemand hilft.»

Isolationen, Fixierungen, Medikamente gegen den eigenen Willen: Zwang sollte in psychiatrischen Kliniken stets das letzte Mittel sein. Und doch erleben jährlich immer mehr Menschen in der Schweiz genau das.

Schweiz belegt Spitzenplatz bei Zwangseinweisungen Box aufklappen Box zuklappen Im Jahr 2022 wurden gemäss Schweizerischem Gesundheitsobservatorium 18'367 Erwachsene gegen ihren Willen in eine psychiatrische Einrichtung eingewiesen. Das ist mehr als ein Viertel aller Psychiatrie-Patienten schweizweit.

Doch die Art und Weise, wie sie in die Klinik eingewiesen wurde und was sie dort erlebt hat, hat Ladina nachhaltig erschüttert. Es geschah gegen ihren Willen. Ohne dass sie sich hätte wehren können. Kein Mitspracherecht – bei nichts. 00:15 Video «Ich bettelte darum, dass mir jemand hilft.» Aus News-Clip vom 23.04.2024. abspielen. Laufzeit 15 Sekunden. Ladina sagt, sie habe während der sechs Tage in der Zürcher Klinik vergeblich auf Hilfe gewartet. Sie wirft den Ärzten, Pflegfachleuten und Psychologinnen vor, sie «mehrheitlich ignoriert» zu haben. In der Woche ihres Aufenthalts habe sie «bis auf die Visiten keine Gespräche» gehabt.

Im Zweifelsfall gewichten Ärztinnen und Kliniken die Sicherheit und die Gesundheit demnach höher als die persönliche Freiheit der Betroffenen. Sie weisen sie in eine Klinik ein – unter Zwang. Wie im Fall Ladina. In der Akte steht auch, er habe eine akute psychotische Störung mit Symptomen einer Schizophrenie. Er leide unter Verfolgungswahn und höre Stimmen.In Chrigus Akte heisst es zur Begründung: «Da es keinen Therapieauftrag mehr gab und keine akute Selbst-/Fremdgefährdung mehr besteht.

00:15 Video «Das Vertrauen in solche Institutionen ist nicht mehr vorhanden.» Aus News-Clip vom 29.04.2024. abspielen. Laufzeit 15 Sekunden. Wenn ein Patient fixiert ist, gibt man ihm üblicherweise Medikamente – damit er sich beruhigt. Damit das Erlebnis nicht traumatisch ist. Chrigu sagt dazu: «Ich konnte mich unter dem Medikament nicht mehr artikulieren. Das war sehr schlimm für mich.

Bei länger anhaltenden Massnahmen erfolge zusätzlich eine tägliche Visite durch den Chefarzt, schreibt die Klinik weiter. «Sobald es die Situation erlaubt, wird die Massnahme gelockert oder aufgehoben.» Auch entlassen würden die Patienten «erst nach sorgfältiger Abwägung und unter Einbezug der Betroffenen selbst».

Die Stimmung zwischen ihr und dem Personal in der LUPS ist von Anfang an angespannt. Nadia sagt heute, sie habe Aufmerksamkeit gesucht. Therapien. Mehr Möglichkeiten, nach draussen zu gehen. So steht es auch in ihrer Klinikakte. Die Angebote sind anonym, vertraulich und kostenlos. Auch die Webseite www.reden-kann-retten.ch bietet Hilfe in ausweglos scheinenden Situationen.

Die LUPS beantwortet gegenüber SRF Investigativ keine Fragen zum Fall Nadia, sondern antwortet allgemein: «Bei vitaler und akuter Gefährdung unserer Patientinnen und Patienten sind wir verpflichtet, die erforderlichen medizinischen Massnahmen umgehend vorzunehmen.» Dies könne «in seltenen Fällen ein Herauslösen aus Kleidungsstücken oder Haaren» sein. Dies gelte im Notfall auch, wenn eine Patientin freiwillig in die Klinik eingetreten sei.

Auch für das involvierte Personal sind Zwangsmassnahmen in den meisten Fällen traumatische Erfahrungen. «Auch wenn sie gerechtfertigt sind, hinterlassen sie ein schlechtes Gefühl», sagt ein Assistenzarzt einer grossen Deutschschweizer Klinik. «Weil es Zwang ist. Weil es Gewalt ist.» Noch schwieriger seien Fälle, die sich im Nachhinein als ungerechtfertigt herausstellten.

Am meisten Mühe machten mir die Fixierungen. Die Patientinnen und Patienten haben null Bewegungsfreiheit. Sie sind uns eigentlich ausgeliefert. Es gab zum Teil Frauen, die sexuelle Übergriffe erlebt hatten – und sie lagen auf ein Bett gebunden vor mir. Das war für mich als Mann eine unmögliche Situation.

Burr sagt, die Akutpsychiatrie befinde sich aktuell in einem «Teufelskreis»: «Zu wenig und zu unerfahrenes Personal führt zu mehr Druck, der zu mehr Zwangsmassnahmen führt. Diese wiederum führen dazu, dass Leute kündigen. Dazu gibt es empirische Hinweise.» Studien zeigten klar, dass viele Pflegende unter der angespannten Situation litten.

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