Perplexity AI ist ein aufstrebendes KI-Start-up, das mit seiner neuen Suchmaschine Reize aufwirft. Kann es Google, den Marktführer, tatsächlich herausfordern?
Für jemanden, der die Suche vereinfachen will, ist Aravind Srinivas schwer zu finden: kein Firmenlogo über der Tür, kein Klingelschild. Nicht mal bei Google Maps ist seine Firmenzentrale eingetragen – eine Stichelei der übermächtigen Konkurrenz? Nein, viel simpler, erklärt der Gründer: Er sei mit seinen gut 100 Mitarbeitern gerade erst umgezogen. «Das alte Büro war einfach zu klein.
» Hier also, in einem denkmalgeschützten Wolkenkratzer mitten in San Francisco, arbeitet nun eines der am schnellsten wachsenden KI-Start-ups der Welt: Perplexity AI. Das Unternehmen hat eine neuartige Suchmaschine gebaut, die nach eigenen Angaben schon 265 Millionen Suchanfragen pro Monat beantwortet. Sie kombiniert die herkömmliche Websuche mit künstlicher Intelligenz (KI) – und liefert ausformulierte Antworten mit Quellenangaben statt nur Link-Listen. «Ich google nicht mehr – ich nutze Perplexity», ist ein Satz, den man derzeit häufig von technikaffinen Akademikern und Managern hört. Bei denen soll es aber nicht bleiben: In Deutschland versucht das Start-up seit dem Sommer, den Mainstream zu erobern – mit Fussballstar Niclas Füllkrug als Werbegesicht.Friedhof der Gescheiterten Dabei hat Perplexity mächtige Verbündete: Nvidia-CEO Jensen Huang nutzt es angeblich fast jeden Tag, er ist mit seinem Chipkonzern als Investor eingestiegen, ebenso Amazon-Gründer Jeff Bezos. Mit anderen Geldgebern haben sie jüngst weitere 250 Millionen Dollar in das Start-up gepumpt, und ihre Wette auf die Zukunft ist gross: Sie zielt direkt auf den zwei Billionen Dollar schweren Marktführer. «Wir wollen die weltbeste Antwortmaschine sein», sagt Srinivas. «Und wir glauben, dass wir dabei bessere Karten haben als Google.» Es ist eine verwegene, vielleicht auch vermessene Ansage. Der Suchmaschinenmarkt liegt seit mehr als 25 Jahren fest in der Hand von Google: 80 Prozent Marktanteil auf dem Desktop, 94 Prozent auf dem Smartphone. Viele Konkurrenten haben versucht, ein überlegenes Produkt zu bauen. Altavista, Yahoo, Bing … alle sind bislang gescheitert. Doch das von ChatGPT verursachte Beben hat seit 2022 einiges verschoben, durch die neuen Fähigkeiten von KI scheint plötzlich viel mehr möglich – auch eine bessere Suche. Eine neue Generation KI-gestützter Suchmaschinen wittert den perfekten Moment, um dem Giganten Nutzer abzutrotzen. Perplexity AI, das zeigen Wachstumskurve und die Liste der Unterstützer, ist einer der vielversprechendsten Herausforderer. Doch wie gross sind seine Chancen wirklich?Es fehlt nicht viel, um im Grossraumbüro von Perplexity AI eine Bibliothek zu eröffnen: Helle Holzvertäfelung, weisse Sofas, ein paar Bücherregale sind schon da, in denen neben Bildbänden von van Gogh, Kandinsky und Gropius noch Platz wäre. Über dem Empfangstresen leuchtet der passende Leitspruch dazu: «Where knowledge begins» – wo Wissen beginnt. «Unsere Mission ist, den Planeten klüger zu machen», erklärt Perplexity-Gründer Aravind Srinivas. Überforderter Doktorand Der Informatiker – 30 Jahre alt, graues T-Shirt, schwarze Brille – ist in Indien aufgewachsen, seine Sprache ist die Wissenschaft: Srinivas gewann als Schüler bei der Mathe-Olympiade, brachte sich Programmieren selbst bei, vertieft sich bis heute gerne in Bücher. Seine Mutter, erzählt er, hätte ihn am liebsten für einen Doktortitel an die amerikanische Eliteuniversität MIT geschickt – doch die erteilte ihm eine Absage. Ein Glücksfall: Denn so zog er 2017 für seine Promotion nach San Francisco, das schon bald zum Epizentrum des globalen KI-Booms werden sollte. Unter KI-Forschern machte Srinivas schnell auf sich aufmerksam, bekam Praktika bei der Google-Tochter DeepMind und OpenAI, wo er später anheuerte und an einer «nachdenklichen KI» forschte, einem Vorläufer der neuen OpenAI-Modellreihe o1. Die Forschung war es auch, die ihn mit seinen späteren Mitgründern Denis Yarats und Johnny Ho zusammenbrachte und den Zündfunken für Perplexity AI lieferte. «Als ich 2017 in die USA kam, wollte ich unbedingt einen Doktortitel machen. Aber ich hatte keine Erfahrung mit dem Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten», erinnert sich Srinivas. Die Zitierregeln hätten ihn anfangs überfordert, also dachte er über Lösungen nach. Was, wenn ein KI-Chatbot ihm helfen könnte, der nur das ausspuckt, was er auch mit Quellennachweisen belegen kann? «Das ist durchschlagend», sagt er. Aber ist es durchschlagend genug, um es mit den Tech-Giganten aufzunehmen?Anruf bei Suchmaschinen-Veteran Tim Schumacher. Der Unternehmer aus Köln ist fast so lange in der Branche, wie es Google gibt. 2001 gründete er den Domain-Händler Sedo, später investierte er als Erster in die Öko-Suchmaschine Ecosia und baute sie mit auf. Im Markt hat er schon viel gesehen und getestet. Perplexity, sagt er, sei seit gut neun Monaten sein täglicher Begleiter für Recherchen und Brainstormings. «Die Ergebnisse sind fast so gut, wie wenn ich früher einen Praktikanten für ein paar Stunden an die Recherche gesetzt hätte», schwärmt Schumache
KI SUCHEN GOOGLE START-UP PERPLEXITY
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