Das Loewe Quartett hat in Arbon ein Konzert mit Werken von Paul Juon gegeben. Der russisch-schweizerische Komponist ist weitgehend unbekannt, doch das Loewe Quartett widmet sich seinen Werken und bringt sie der Öffentlichkeit näher. Das Konzert zeigte die musikalische Vielseitigkeit von Paul Juon, der mit seinen Kompositionen die Zuhörer in eine Welt aus Klanglandschaften und eingängigen Melodien entführt.
Kuhglockenecho aus Russland: Das Loewe Quartett spielte in Arbon Musik des fast vergessenen Komponisten Paul Juon Vor zwei Jahren gewann das Loewe Quartett den Kammermusikwettbewerb Paul Juon , seither sind die vier jungen Streicher so etwas wie Botschafter des 1872 in Moskau geborenen Komponisten. Am Sonntag spielten sie in Arbon sein mitreissendes Streichquartett D-Dur.
Kenner nennen ihn gern den «russischen Brahms», beim breiten Publikum ist Paul Juon, 1872 in Moskau als Spross einer aus dem Bündnerland stammenden Familie geboren, weitgehend unbekannt. Das aber ändert sich gerade, nicht zuletzt durch die rege Konzerttätigkeit von Bastian Loewe, Livia Loewe-Berchtold, Juan Carlos Escobar und Milena Umiglia-Marena. Gemeinsam unterwegs sind die vier als Loewe Quartett, regelmässig spielen sie, wie am vergangenen Sonntag, in Arbon: Die in Thal aufgewachsene Geigerin Livia Loewe-Berchtold organisiert dort die Reihe Klassik im Schloss. 2023 hat das Loewe Quartett den Kammermusikpreis Paul Juon gewonnen, natürlich mit der Interpretation eines Juon-Quartetts: dem Streichquartett Nr. 1 D-Dur, Die Schweizer Paul-Juon-Gesellschaft fördert mit dem Preis junge Formationen, die sich dem beinahe vergessenen Namensträger widmen: ein Ziel, das sich für alle lohnt. Denn die Musik des Spätromantikers lässt punkto Sanglichkeit, rhythmischer Verve und Einfallsreichtum keine Wünsche offen. Sie stellt hohe Ansprüche an die Ausführenden, erobert Ohr und Herz aber auf Anhieb.Zwei Jahre sind seit dem Wettbewerb vergangen, die Interpretation konnte in dieser Zeit ausreifen: Man hört ihr an, wie vertraut das Loewe Quartett unterdessen mit den fünf charakterlich sehr unterschiedlichen Sätzen ist und wie innig zusammengewachsen die vier Musiker inzwischen sind. Die Klangbalance ist ausgewogen, die Stimmen werden fein miteinander verflochten, die Tempi sitzen perfekt – umso freudiger gehen die vier auf Risiko, legen sich in die schwelgerischen Phrasen, lauschen in die Landschaften hinein, die Juon heraufbeschwört: Kuhglocken inbegriffen. Dabei kannte er seine Schweizer Heimat zu diesem Zeitpunkt nur vom Hörensagen; es zog ihn von Moskau erst nach Berlin, dann eine Weile nach Baku und erst in den 1930er-Jahren von Berlin ins Waadtland. Doch musikalisch schöpfte Juon ohnehin aus vielerlei Quellen und fand dabei einen eigenständigen Stil; man könnte ihn ebensogut als «russischen Dvořák» bezeichnen angesichts der melodischen Fülle seiner Kompositionen – auch die fünf Sätze des Streichquartetts D-Dur aus dem Jahr 1898 geizen nicht mit eingängigen Themen.Ungestüm begann das Loewe Quartett das Konzert mit Schuberts Quartettsatz c-Moll D 703, unvollendet wie die berühmte h-Moll-Sinfonie, die diesen Beinamen bekam. Alles, was Schuberts spätere Kammermusikwerke und Sinfonien auszeichnet, ist in diesem Satz bereits skizziert, spukt ihm im Kopf herum: Das prägt den Duktus der Interpretation. Sie packt durch ihre Frische und Unmittelbarkeit der entfesselten Emotionen, aber auch durch die lyrische Innigkeit, der sie sich hingibt – bevor der Satz sich stürmisch unruhig aus dem Staub macht. Der grössere Teil des Konzertes war dann Paul Juon gewidmet. Man hofft nun auf weitere Neuentdeckungen, ermöglicht durch die Juon-Preisträger: Das Werkverzeichnis des in Moskau gebürtigen Schweizers hätte noch weitere Streichquartette und reichlich Kammermusik in anderen Besetzungen zu bieten
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