Wladimir Putin wurde erstmals seit 2022 von einem westlichen Journalisten interviewt. Der Präsident hält eine Niederlage in der Ukraine für unmöglich. Ansonsten erzählt er wenig Neues.
Wladimir Putin wurde erstmals seit 2022 von einem westlichen Journalisten interviewt. Der Präsident hält eine Niederlage in der Ukraine für unmöglich. Ansonsten erzählt er wenig Neues.Foto: Gavriil Grigorov AP Der russische Präsident Wladimir Putin hat einen russischen Angriff auf Polen oder Lettland ausgeschlossen – und eine Niederlage im Krieg gegen die Ukraine als «unmöglich» bezeichnet.
«Wir haben kein Interesse an Polen, Lettland oder irgendwo sonst», sagte Putin in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit dem rechten US-Moderator Tucker Carlson. «Warum würden wir das tun? Wir haben ganz einfach kein Interesse daran.» Ein russischer Angriff auf die Länder sei «absolut ausgeschlossen». Der frühere Fox-News-Moderator Carlson hatte den russischen Präsidenten zuvor gefragt, ob es ein Szenario geben könnte, in dem «Sie russische Soldaten nach Polen schicken». Putin antwortet: «Nur in einem Fall: Wenn Polen Russland angreift.» Mit Blick auf den Ukraine-Krieg sagte Putin, es werde darüber gesprochen, Russland «auf dem Schlachtfeld eine strategische Niederlage zuzufügen». «Meiner Meinung nach ist das per Definition unmöglich», sagte der Präsident. «Es wird niemals passieren.» Putin begann das Interview mit einer 30-minütigen Geschichtslektion für den amerikanischen Moderator.Carlson hatte Putin am Dienstag in Moskau als erster westlicher Journalist seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine vor knapp zwei Jahren interviewt. Das Interview wurde am Donnerstagabend auf Carlsons Website ausgestrahlt.Das Interview beginnt mit der einfachen Frage Carlsons, «Sie sagten, die Nato und die USA könnten Russland angreifen. Wieso glauben Sie das?» Putin bestreitet das und wirkt sofort leicht genervt. «Haben wir eine Talkshow oder eine ernsthafte Diskussion?», fragt er Carlson zurück. Es folgt ein über 30 Minuten langer Monolog Putins über die Geschichte Russlands. Als ein etwas verblüfft wirkender Carlson Putin schliesslich ins 21. Jahrhundert zurückholt, beschuldigt der russische Präsident die USA und andere westliche Länder, den Krieg in der Ukraine zu verlängern. Es habe Friedensgespräche mit der Ukraine gegeben, die «fast abgeschlossen» gewesen seien, sagte Putin, aber dann habe die Ukraine «all diese Vereinbarungen über Bord geworfen und den Anweisungen der westlichen Länder, der europäischen Länder und der Vereinigten Staaten gehorcht, Russland bis zum bitteren Ende zu bekämpfen». Viel Neues über die Hintergründe der Invasion erzählt der russische Präsident in den über zwei Stunden nicht. Schuld an der Eskalation sei der Westen, insbesondere Boris Johnson, aber natürlich auch Joe Biden, in der Ukraine würden Nazis herrschen und Russland würde nur seine Leute befreien.Carlson ist bekannt für scharf rechte Positionen, die Verbreitung von Verschwörungstheorien, eine inhaltliche Nähe zum früheren US-Präsidenten Donald Trump – und mit Blick auf den Ukraine-Krieg für eine sehr russlandfreundliche und Kiew-kritische Haltung. So hat er wiederholt die US-Hilfe für die Ukraine kritisiert.Foto: Gavriil Grigorov AP Der Moderator war jahrelang eines der bekanntesten Gesichter von Fox News und sicherte sich eine grosse Gefolgschaft bei rechten Fernsehzuschauern. Er wurde im vergangenen April entlassen, nachdem Fox News im Streit um falsche Wahlbetrugsvorwürfe nach der Präsidentschaftswahl 2020 einen teuren Vergleich mit einem Wahlmaschinen-Unternehmen schliessen musste. Carlson veröffentlicht seitdem Interviews auf der Onlineplattform X, früher Twitter, die millionenfach angeschaut werden. Unter seinen Interviewgästen war auch Trump.
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