Der Artikel untersucht die Auswirkungen von Gewichtsreduktion auf Sportler und die damit verbundenen gesundheitlichen und psychischen Risiken.
In verschiedenen Sport arten erhofft man sich durch Gewichtsreduktion einen Vorteil – oft mit drastischen Methoden. Das zeigt ein Überblick über aktuelle wissenschaftliche Studien. Im Sport kann eine Reduktion des Gewichts über den Erfolg entscheiden. Boxer, Ringer oder Judokas hungern sich kurzfristig in eine tiefere Gewichtsklasse.
Jockeys bei Pferderennen oder Athletinnen und Athleten beim Sportklettern, beim Skispringen und im Langstreckenlauf haben vermeintliche Vorteile, je leichter sie sind. Oft geschieht dieses Management des eigenen Gewichts auf eine ungesunde Art und Weise. Dadurch drohen negative körperliche, aber auch psychische Folgen. Eine Arbeit von Forschenden aus Irland hat diese Thematik wissenschaftlich durchleuchtet. Besonders relevant ist die Thematik des schnellen Abnehmens in Sportarten mit Gewichtsklassen wie Kampfsportarten. Man versucht sich so einen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, weil man auf Gegner mit leichterem Körperbau trifft. In verschiedenen Umfragen und Studien gaben bis zu 89 Prozent aller Judokas an, dass sie für Wettkämpfe regelmässig das Gewicht reduzieren müssen. In der Praxis geht es darum, innert kürzester Zeit rund 5 Prozent des Körpergewichts zu verlieren. Es gibt Studien, die sogar eine Gewichtsreduktion von bis zu 13 Prozent innerhalb einer Woche dokumentieren oder im Fall eines Pferdejockeys von knapp 7 Prozent innerhalb von 24 Stunden. In einigen Sportarten gehört aufgrund von Gewichtsvorschriften das Wiegen von Athletinnen und Athleten zum Standardprozedere. Je näher der Wettkampf kommt und damit der Druck steigt, Gewicht zu verlieren, desto häufiger kommt es zur drastischen Reduktion von Flüssigkeits- und Energieaufnahme. Auch intensive Schwitzkuren gehören zum Repertoire. Wissenschaftliche Daten zeigen, dass diese Methoden der Gewichtsreduktion das Risiko einer Verletzung während des Wettkampfs erhöhen. Auch werden sie in Bezug zu psychischen Problemen von Sportlerinnen und Sportlern gebracht. In Umfragen gaben mehrere Athleten an, dass der mentale Stress durch die ständige Gewichtsthematik Hauptgrund für einen vorzeitigen Rücktritt war. Sie sprachen von einer schlechteren Vitalität, von einer negativen Beeinflussung der Schlafqualität und dem verstärkten Gefühl einer Depression. Studien weisen auch nach, dass das Thema Gewichtsverlust häufig bereits bei Minderjährigen beginnt, und erkennen einen Zusammenhang zwischen dem Alter, in welchem diese spezifischen Gewichtsabnahmen beginnen, und der Häufigkeit von psychischen Problemen. Wer früher mit Gewichtskontrolle beginnt, entwickelt heftigere negative Folgen. Wenn Trainer bereits Minderjährigen Ratschläge zur Gewichtsreduktion geben, kann dies bei diesen Sportlern die Vorstellung vermitteln, dass solche Massnahmen in ihrer Sportart eine akzeptierte Praxis sind. Es gehört fortan zu ihrer Identität als Sportler. Die negativen Konsequenzen für die langfristige Gesundheit werden so erst recht ausser Acht gelassen. Ein Kampfsportler sagte im Rahmen einer Befragung: «Niemand bei uns findet es merkwürdig, wenn Athleten vor dem Wettkampf eingehüllt in einen Plastikanzug trainieren.» Viele Sportler sind der Ansicht, dass das Antreten in einer tieferen Gewichtsklasse und das Erreichen des gesetzten Gewichtsziels ihnen einen mentalen Vorteil verschafft. Die Regulierung des eigenen Gewichts ist in Kampfsportarten oft der einzige Faktor, den man wirklich selbst kontrollieren kann. Das Gefühl der Stärkung von Selbstvertrauen kann sich aber insofern als Trugschluss erweisen, als man sich zukünftig zum Abnehmen verpflichtet fühlt. Häufig werden die Sportler von ihren Trainern zu diesem oft archaischen Verhalten ermuntert. In den seltensten Fällen erhalten sie kompetente Informationen über die Art und Weise der Gewichtsreduktion. Man macht es einfach so, wie man es in dieser Sportart schon immer getan hat. Ein an einer Studie teilnehmender Judoka fasst das Vorgehen wie folgt zusammen: «Das gehört zur Kultur. Niemand stellt es infrage.» Beobachtet wird oft auch eine Phase nach der Gewichtsabnahme, in welcher die zuvor gezeigte Disziplin der Selbstregulierung komplett verloren geht – ein Verlust der Selbstkontrolle mit einem impulsiven Verhalten und einem grossen Verlangen nach Nahrungsaufnahme. Daraus ergibt sich erst recht ein ungesundes Essverhalten in Form eines Jo-Jo-Effekts bis hin zu einer Essstörung. Die wenigsten Sportler suchen beim schnellen Abnehmen für den Wettkampf Rat bei Ernährungsberatern, Diätärzten oder anderen Fachleuten. Als Grund wird angegeben, dass gegenüber diesen Berufsgruppen gerade im Kampf- und Pferdesport ein Misstrauen spürbar ist. Wer diesen Weg hingegen wählt, berichtet von eindeutig positiven Effekten durch die Zusammenarbeit mit Ernährungsexperten. Eine der Empfehlungen der Autoren ist, dass Trainer und sportliche Bezugspersonen von Athletinnen und Athleten durch bessere Aufklärung und Schulung kompetentere Ratschläge für eine gesundheitlich unbedenkliche Gewichtsabnahme geben könne
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