Vor neun Monaten starben vor der Küste Griechenlands rund 650 Flüchtlinge, einer von ihnen war Malek. Er wollte in die Schweiz. Die Rekonstruktion einer tödlichen Reise.
Vor neun Monaten starben vor der Küste Griechenlands rund 650 Flüchtlinge, einer von ihnen war Malek. Er wollte in die Schweiz. Die Rekonstruktion einer tödlichen Reise.Dieses Foto ging um die Welt. Der überfüllte Fischkutter Adriana treibt auf dem offenen Meer.Zurück bleiben nur ein Paar schwarze Turnschuhe, ein kariertes Hemd und dunkle Jeans. Verstaut in einem schwarzen Plastiksack, als wäre es Müll. Dieses Foto zeigt Adil als erstes auf seinem Handy.
Die Geflüchteten sind in Wohncontainern und Zelten untergebracht. Malek habe eine natürliche Autorität ausgestrahlt, sagt sein Bruder Adil. Er sei schon immer der Schlauere gewesen, der Erste, der anderen helfen wollte, der Stolz der ganzen Familie.In letzter Zeit spüren die beiden Brüder, dass ihre Situation aussichtsloser wird. Eine Rückkehr nach Syrien ist unmöglich, in Jordanien sind sie Menschen zweiter Klasse. Ihre Kinder werden kaum Bildung erhalten.
Adil und Malek fassen den Entschluss, nach Europa zu flüchten, Ende Mai letzten Jahres. Dass die Reise gefährlich werden würde, ist ihnen bewusst. Den Schleppern bezahlen sie je rund 7000 Euro, geliehen von Verwandten. Maleks Witwe wird sich später erinnern, wie er ihr beim Abschied sagt: «Wir haben Syrien vom ersten Tag an nur wegen der Zukunft der Kinder verlassen.» Sie und die Kinder sollten später nach Europa nachkommen, so der Plan.
Was dann passiert ist, ist noch nicht restlos geklärt und Gegenstand eines laufenden Strafverfahrens gegen die griechische Küstenwache. Gegen neun ägyptische Schlepper beginnt am 21. Mai in Kalamata der Prozess. Die Küstenwache sagt, sie habe am Nachmittag bis um 21 Uhr abends über das Satellitentelefon Kontakt gehabt mit der Adriana. Wiederholt habe die Crew aber ihre Hilfe abgelehnt und darauf bestanden, nach Italien weiterfahren zu können.
Adil erfährt vom Unglück erst Tage danach per Whatsapp von befreundeten Landsleuten. Ein Syrer, der überlebt hat, schreibt ihm, dass sein Bruder an Bord gewesen sei. Mehr kann ihm niemand sagen. Im Bundesasylzentrum in Zürich rät man ihm, sich ans Rote Kreuz zu wenden. Hier liegen die Überreste von Malek. «Wir gehören Gott, und zu ihm werden wir zurückkehren», steht in arabischen Schriftzeichen auf dem weissen Grabstein.Am 3. Dezember erhalten sie Gewissheit. Die Übereinstimmung der Ante-mortem-Daten und der DNA-Probe ist eindeutig.
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