Zum 100. Todestag von Ulrich Wille, dem General der Schweizer Armee während des Ersten Weltkriegs, wird sein kontroverses Erbe beleuchtet. Wille war bekannt für seine deutschfreundliche Haltung und seine Befürwortung preussischer Drillmethoden in der Schweizer Armee.
Ulrich Wille , der während des Ersten Weltkriegs General der Schweizer Armee war, starb am 31. Januar 1925. Bereits zu seinen Lebzeiten schieden sich die Geister an ihm. Wille wurde am 3. August 1914 zum General ernannt, dem Tag der deutschen Kriegserklärung an Frankreich. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs nach dem Attentat auf Franz Ferdinand in Sarajevo hatte die Schweiz in eine Krise gestürzt.
Wille galt als deutschfreundlich und hatte sich bereits vor dem Krieg für die Einführung preussischen Drills in der Schweizer Armee eingesetzt. Seine Ernennung war umstritten, da das Parlament den Oberstkorpskommandanten Theophil Sprecher als General bevorzugte. Wille gab jedoch nicht auf und überzeugte Sprecher, auf den Generalstitel zu verzichten, um stattdessen Generalstabschef zu werden. So wurde Wille am Abend des 3. August zum General gewählt.Wille wurde 1848 in Hamburg geboren. Seine Familie hatte neueburgische Wurzeln und war nach dem Scheitern der Revolution von 1848 in die Schweiz zurückgekehrt. Die Willes ließen sich in Meilen am Zürichsee nieder. Wille studierte Jura in Zürich, Halle und Heidelberg, heiratete die deutsche Gräfin Clara von Bismarck und schlug eine Militärlaufbahn ein. Sein Dienst als Leutnant während des Deutsch-Französischen Krieges prägte ihn nachhaltig. Er lernte den preussischen Drill in Berlin kennen und wollte ihn auf die Schweizer Milizarmee übertragen.Wille stieg in den folgenden Jahren militärisch auf und wurde Oberst sowie Waffenchef der Kavallerie. Sein Propagiertes „neues Geist“, das Offiziersautorität und Soldatendisziplin nach dem Motto „Drill ist Erziehungsmittel“ betonte, fand jedoch nicht bei allen Anklang. 1996 entlasste der Bundesrat Wille als Waffenchef, doch er kehrte durch einflussreiche Helfer zurück und war später Divisionär, Korpskommandant und Professor für Militärwissenschaften an der ETH Zürich. Als der deutsche Kaiser Wilhelm II. 1912 die Schweiz besuchte, leitete Wille das zu dessen Ehren durchgeführte Kaisermanöver.Während des Ersten Weltkriegs war Wille militärisch zunächst wenig gefordert, da Generalstabschef Sprecher die operative Führung innehatte. 1916 sorgte Wille für Aufsehen mit der sogenannten „Wille-Affäre“. Ab 1917 veränderte sich die innen- und aussenpolitische Lage. Die kommunistische Revolution in Russland unter Wladimir Iljitsch Lenin und die zunehmende soziale Spannungen in der Schweiz führten zu Zweifel an der militärischen Ausrichtung auf Deutschland. Auch Willes wichtigster Fürsprecher im Bundesrat, Arthur Hoffmann, trat 1917 zurück, nachdem seine geheimen Vermittlungsversuche zugunsten eines deutsch-russischen Separatfriedens aufgeflogen waren. Der Bundesrat erwägte deshalb, Wille als General abzusetzen und ihm einen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen nahezulegen. Gerüchte über Willes psychische Verfassung kursierten.
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