Ulrike Landfester stellt sich den Gedanken an eine gemeinsame Geburtstagsfeier von Giacomo Casanova, Jane Austen und Rainer Maria Rilke und skizziert humorvoll die potenziellen Diskussionsthemen und Kontraste zwischen den drei Literaten.
Tagblatt-Kolumnistin Ulrike Landfester wäre gerne an einer gemeinsamen Geburtstag sfeier von Giacomo Casanova , Jane Austen und Rainer Maria Rilke dabei gewesen.Am ersten Januar jeden Jahres stehe ich vor meinem Bücherregal und überlege, mit welcher Lektüre ich es beginnen soll. Infrage kommen dieses Jahr vor allem drei Kandidaten, die darin sämtlich einen runden Geburtstag begangen hätten: Giacomo Casanova , Jane Austen und Rainer Maria Rilke .
Dieser Gesprächsstoff hätte allerdings kaum für einen harmonischen Anlass gesorgt. Casanova, Jurist, Schriftsteller, Geheimagent und vor allem Abenteurer in jeder Hinsicht, hätte die in ihren züchtigen Romanen kaum einmal einen Kuss erwähnende Jane Austen mit freizügigen Prahlereien über seine erotischen Eroberungen mit Sicherheit – und grösstem Genuss – so schockiert, dass ihr das Lachscanapé im Halse stecken geblieben wäre.
Casanova hätte Rilke dann seine Expertise in Sachen Geschlechtskrankheiten angeboten, woraufhin Jane Austen mit ihrem Riechsalz auf Ersteren losgegangen wäre. Rilke hätte nun Frieden gestiftet, indem er Casanova, der sich unter anderem auch als Violinist betätigt hatte, mit einem Zitat aus seinem «Liebes-Lied» dargelegt hätte, Liebe sei «ein Bogenstrich, der aus zwei Saiten eine Stimme zieht», was Casanova der Sprache beraubt hätte.
Keine Frage, auf wen meine Entscheidung fiel. Bei allem Respekt für Casanovas berühmte Memoiren und aller Zuneigung für die Liebesgeschichten Jane Austens werde ich mich dieses Jahr an Rilke halten – und dies nicht einmal seiner unvergleichlichen Liebeslyrik wegen.
Literatur Casanova Jane Austen Rilke Geburtstag
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