Die Schweizer Künstlerin Tina Braegger stellt im Museum im Bellpark in Kriens ihre Werke aus. Im Fokus steht ihr vielseitiger Umgang mit dem «Marching Bear», dem unoffiziellen Logo der Rockband Grateful Dead. Die Ausstellung bietet einen Einblick in Braeggers künstlerische Entwicklung und die Aneignung von kulturellen Symbolen.
Ein Bär macht Karriere. Und wird vom Symbol einer Rockband zum grossformatigen Gegenüber im Museum\Bild: Boris Bürgisser ( Kriens , 15. 1. 2025) Hier sind die Bären los. Oder, wie Museumsleiter Hilar Stadler es formuliert: «Hier wird der Bär zum Gegenüber.» «One Million Bears» ist auf den ersten Blick eine verspielte, eine fröhliche, eine leichtfüssige Ausstellung , die in 32 Werken einen vielfach variierten Bären zeigt.
Auf den zweiten Blick ist es eine Ausstellung mit Hintersinn, die sich mit Fragen zu Originalität und Reproduktion auseinandersetzt. Seit 2011 beschäftigt sich die international erfolgreiche Schweizer Künstlerin Tina Braegger (siehe Box) mit dem inoffiziellen Logo der 1965 in San Francisco gegründeten Rockband Grateful Dead: dem «Marching Bear», der schreitend und lachend erstmals 1973 auf einem Plattencover der Band auftauchte. In der Folge geriet das lustige Wesen in einen Strudel kollektiver Aneignung, wie Museumsleiter Hilar Stadler das Phänomen umschreibt. Tina Braegger trägt auch zu dieser Legendenbildung bei: Zufällig auf das Logo gestossen, hat sie es inzwischen mehr als 215 Mal variiert. Im Museum im Bellpark in Kriens tanzen Braeggers Bären, festgehalten in Öl auf grossformatigen Leinwänden, manchmal kommt etwas Glitzer dazu, einmal ein Ahornsamen. Die Bären haben das Museum gekapert, für eine Weile scheint es nun ihnen zu gehören. Dem Bären mit den rosa Konturen oder jenem, der sich kaum vom Weiss seiner Umgebung abhebt. Jenem, der selber einen Pinsel in der Hand hält, oder jenem, der Fussball spielt. Es ist ein Mix aus älteren und neueren Arbeiten. Zum Bären, der selber malt, sagt Tina Braegger mit Humor: «Er schlägt zurück.» Und dann ist da noch ein Bärenpärchen, es tanzt vergnügt und strahlt, die Körper rot, der Hintergrund gelb verwischt. Die Künstlerin erzählt, sich mit diesem Bild lange schwergetan zu haben: «Es hat gedauert, bis dieses Bild fertig und endlich gut war.»\Tina Braegger, 1985 in Luzern geboren, ist eine zeitgenössische Schweizer Künstlerin. Von 2005 bis 2010 studierte sie an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich und schloss 2015 ihr Studium in Fine Arts an der ECAL in Lausanne ab. Braegger fokussiert sich auf Malerei und Installationen. Seit 2024 lebt die Künstlerin mit ihrer Familie wieder in Basel, nach zwölf Jahren in Berlin und Zürich. Braegger wird von den Galerien Weiss Falk (Basel, Zürich), Société (Berlin) und Meredith Rosen Gallery (New York) vertreten. Regelmässig werden ihre Werke in nationalen und internationalen Ausstellungen präsentiert. Nach einer ersten Zusammenarbeit mit der Künstlerin im Rahmen der Gruppenausstellung «After Bob Ross. Beauty Is Everywhere» (2021) richtet das Museum im Bellpark ihr nun die erste institutionelle Einzelausstellung in der Schweiz aus. Tina Braegger sagt: «Es ist wichtig, die Technik immer wieder zu ändern und nicht einem einzigen Stil zu verfallen.» Die 39-Jährige hat sich von ihren Interpretationen des Grateful-Dead-Bären auch schon zu zwei Romanen und einem Gedichtband inspirieren lassen und so neben dem visuellen Zugang auch den literarischen gesucht. Existenzielle Fragen wie «Warum mache ich Kunst?» oder «Wo überschneiden sich Wirklichkeit und Fiktion?» beantwortet sie sich selbst so unprätentiös wie leichtfüssig: «Am Ende bin ich eine Malerin, und vielleicht habe ich auch noch zwei Bücher geschrieben.»\Der «Marching Bear» ist laut Hilar Stadler «durch den kollektiven Prozess der geistigen Vereinnahmung zum Prototypen eines angeeigneten Zeichens geworden». Tina Braegger spielt mit diesem Zeichen nicht nur auf der Leinwand oder im Buch, sondern auch auf Fahnen und Häuserfassaden. Der Leiter des Museums im Bellpark freut sich sehr darüber, Braeggers Werk in der ersten institutionellen Soloausstellung innerhalb der Schweiz zeigen zu können: «Wir verfolgen Tina Braeggers künstlerische Karriere schon lange. Nun sind wir super happy, diese bemerkenswerte zeitgenössische Position im Museum im Bellpark zu präsentieren.» Mehr als 215 Bären in Anlehnung an das inoffizielle Grateful-Dead-Logo hat die Künstlerin Tina Braegger bereits geschaffen. In ihrer Ausstellung im Museum im Bellpark sind 32 dieser Werke zu sehen. Für Tina Braegger ist es auch eine Art Heimkehr. Ihre Eltern sind Luzerner, aufgewachsen ist sie in Luzern, London und Zürich. Nach zwölf Jahren in Berlin und Zürich lebt sie seit August 2024 mit ihrer Familie in Basel. Zwei der ausgestellten Werke sind übrigens von ihren Kindern, eines von der Tochter, eines vom Sohn. Die Aneignung des Bären wird fortgeschrieben.19. Januar bis 30. März 2025. Eröffnung: Samstag, 18. Januar 2025, ab 17 Uhr, Museum im Bellpark, Kriens, Luzernerstrasse 21. «Alle waren überrascht»: Was SVP-Bundesrat Rösti zu Viola Amherd sagt – und ob er noch weitere Rücktritte erwartet Albert Rösti äusserte sich an einer Feier im Bundeshaus überraschend offen zum Rücktritt von Viola Amherd. An diesem Anlass wurde seine Kommunikationschefin zur besten Mediensprecherin ausgezeichne
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