In einem Artikel schreibt eine Autorin über ihren eigenen Umgang mit Ästhetik und Schönheitsstandards. Sie erzählt von einer Zugfahrt, bei der sie ihren Körper als hässlich empfand und wie diese Empfindung sie tief berührte. Der Text reflektiert darüber, wie Schönheitsideale Menschen beeinflussen und wie die Idee der Body-Positivity versucht, diese Vorurteile zu brechen.
Einmal erwischte sie mich auf einer Zugfahrt. Ich saß da und spürte, wie sie mich packte und nicht mehr loslassen würde. An meiner Station angekommen, stieg ich aus und fühlte sie mit jedem Schritt zittern. Im Bahnhof traf ich auf eine Freundin, also zog ich meinen Ärmel hoch, schüttelte meinen Oberarm und präsentierte: meine Hässlichkeit . Meine Schwabbelarme waren weiß Gott nicht das Erste, was ich an meinem Körper anders haben wollte oder was mal anders war, will sagen: schöner.
Und doch bedeutet jede neu entdeckte Hässlichkeit einen kleinen Stich ins Herz. Es gibt Frauen, die nicht mehr winken, weil auch ihre Arme schlabbern. Menschen, die nicht mehr zweifeln, aus Angst vor der Zornesfalte. Die im Sommer in langen Hosen zerfliessen. Die fast nicht mehr essen. Schönheitseingriffe sind so beliebt wie nie, die Zahlen sind in den vergangenen Jahren gestiegen. Hässlichkeit lässt sich auch umdeuten. Die Idee der Body-Positivity, wie sie uns seit Jahren in den sozialen Netzwerken begegnet, proklamiert, dass alles an uns schön und liebenswert ist. Dicke Hintern, Dehnungsstreifen, krumme Nasen und haarige Beine, das sieht man heute überall, selbst dort, wo man es nie sah. Seit der griechischen Antike denken die Menschen, frech verdichtet, vor allem so: Schön ist gut, hässlich ist schlecht. Da bleibt die nicht ganz unwesentliche Frage offen, was nun schön war und was gut. Im Versuch, die Frage zu klären, wurde Schönheit verortet, berechnet, begrenzt. Manchmal lag sie in der metaphysischen Welt der Ideen (Platon) oder im Verhältnis zweier Teilstrecken zueinander (Goldener Schnitt) oder im Göttlichen (immer wieder mal). Oft schloss man von einer äußeren Schönheit auf eine innere. Schön war immer wieder etwas anderes, aber immer etwas, das wir sein wollten. Das Schöne sollten wir haben oder um uns scharen
Ästhetik Schönheit Hässlichkeit Body-Positivity Schönheitsideale
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