Zwangsräumung in Madrid: 87-jährige Maricarmen nach 70 Jahren aus Wohnung geholt

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Zwangsräumung in Madrid: 87-jährige Maricarmen nach 70 Jahren aus Wohnung geholt
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Das Immobilienunternehmen Urbagestión hob die Miete von 500 auf 2650 Euro an – Maricarmens Rente reichte nicht aus. Hunderte Demonstrierende, darunter Javier Bardem, konnten die Räumung nicht verhindern.

Die 87-jährige Maricarmen Abascal wurde in Madrid zwangsgeräumt – aus einer Wohnung, in der sie über 70 Jahre lang lebte. Hunderte Demonstrierende, darunter Schauspieler Javier Bardem, versuchten, die Räumung zu verhindern.

Die Polizei kam am frühen Morgen, um Maricarmen Abascal aus jener Wohnung zu holen, in der sie mehr als 70 Jahre lang gelebt hatte. DieMaricarmens Vater hatte die Wohnung 1956 in Madrid angemietet, wie der Sender RTVE berichtet. Nach dem Tod ihrer Eltern führte sie das Mietverhältnis fort. Damals war die Höhe der Miete noch gesetzlich begrenzt.

Doch das Unternehmen Urbagestión erwarb die Immobilie 2018 und berief sich auf eine rechtliche Regelung, die es ihm ermöglichte, die monatliche Miete von 500 auf 2650 Euro anzuheben. Für Maricarmen, die eine Rente von monatlich 1350 Euro bezieht, war die neue Miete nicht bezahlbar. Drei frühere Versuche, die Seniorin aus ihrer Wohnung zu räumen, waren gerichtlich gestoppt worden. Seit Dienstagabend harrten Hunderte Menschen vor dem Gebäude aus, um eine erneute Räumung zu verhindern.

Zu dem Protest, zu dem unter anderem ein Mieterverband aufgerufen hatte, kamen laut «El País» auch prominente Unterstützer wie Schauspieler Javier Bardem und Sängerin Ana Belén. Die Demonstrierenden skandierten «Maricarmen bleibt», einige Aktivisten blockierten zudem das Treppenhaus des Gebäudes. Am Mittwochmorgen sperrte die Polizei einen Teil der Strasse ab und begann, den Eingangsbereich zu räumen. Demonstrierende appellierten an die Einsatzkräfte: «Denkt zehn Sekunden lang an Maricarmen – sie könnte eure eigene Grossmutter sein.

» Bei den anschliessenden Auseinandersetzungen gingen Polizisten auch mit Schlagstöcken gegen Demonstrierende vor. Gegen 13 Uhr brachten Sicherheitskräfte die sichtlich erschöpfte Maricarmen schliesslich aus ihrer Wohnung. Wegen ihres Gesundheitszustands wurde die 87-Jährige anschliessend in ein Spital gebracht.

«Hier findet ein Polizeieinsatz statt, als handele es sich um eine militärische Operation. Das ist völlig unverhältnismässig», kritisierte Beatriz Duro, die Anwältin der Seniorin. Der Streit um Maricarmens Wohnung hatte zuletzt auch die spanische Regierung beschäftigt. Vertreter der Regierung versuchten, mit Urbagestión eine Lösung auszuhandeln.

Das Unternehmen lehnte entsprechende Angebote jedoch ab. Ich finde, Eigentum und Vertrag gehen vor, auch wenn es hart wirkt. Ich finde vor allem die Mieterhöhung krass. Eine letzte Möglichkeit, die Räumung abzuwenden, schien sich laut «El País» aufzutun, als eine anonyme Spenderin anbot, einen Grossteil von Maricarmens Miete zu übernehmen.

Berichten zufolge lehnte Urbagestión aber auch diesen Vorschlag ab.

«Heute ist ein sehr trauriger, ein sehr dramatischer Tag, an dem die Auswirkungen ungezügelter Spekulation und des Verzichts auf Marktregulierung deutlich werden – ein Tag, an dem ‹Geiern› und Spekulanten der rote Teppich ausgerollt wird», sagte Wohnungsbauministerin Isabel Rodríguez.

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