Granit Xhaka gibt gefälschtes Impfzertifikat zu. Experte Kies sieht Imageschaden, aber auch Chancen für den Nati-Captain.
Nati-Captain Granit Xhaka hat den Erwerb eines gefälschten Impfzertifikats eingeräumt und fehlt deshalb bei vier anstehenden Länderspielen. Marketing-Experte Christian Kies spricht von einem erheblichen Imageschaden, sieht aber einen Weg zurück – sofern Xhaka jetzt ehrlich und proaktiv kommuniziert.
Nati-Captain Granit Xhaka hat den Erwerb eines gefälschten Impfzertifikats während der Corona-Pandemie eingeräumt und fehlt deshalb bei vier anstehenden Länderspielen.von der Staatsanwaltschaft Luzern einvernommen, ihm droht mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in einem verkürzten Verfahren eine Verurteilung und eine Strafe, vermutlich eine Geldbusse. »: «Ich habe ihn korrekt geimpft. » Daher stellt sich nun die Frage: Wie passen diese beiden Versionen zusammen? Nun, das ist eine Frage, die die Behörden beantworten müssen.
Ist der 33-Jährige noch als Nati-Captain tragbar? Christian Kies ist jemand, der zumindest die letzte Frage beantworten kann, ist er doch Chief Creative Officer bei Jung von Matt Schweiz und damit ein ausgewiesener Experte.
«Der Imageschaden ist erheblich. Aber weniger wegen der juristischen Dimension als wegen der symbolischen. Als Captain der Schweizer Nati steht er für Führungsstärke, Authentizität», erklärt Kies gegenüber 20 Minuten. Eine «Lüge» wie dieses gefälschte Zertifikat treffe dieses Image im Kern.
Spannend ist für den Experten auch der Vergleich mit dem Eishockey-Coach Patrick Fischer: «Fischer hat sich das gefälschte Zertifikat aus einem konkreten, pragmatischen Grund beschafft, nämlich um eine Quarantäne zu umgehen. Das ist erklärbar, wenn auch nicht entschuldbar. Bei Xhaka war das Zertifikat offenbar nicht einmal nötig, um spielen zu dürfen. Das macht es schwerer zu rechtfertigen.
»Kies sagt weiter: «Fischer hat seinen Job verloren und wurde vier Jahre gesperrt. Das zeigt: Der Schweizer Sport ist nicht gnädig, wenn Vertrauen gebrochen wird. »«Von einem Leader wird erwartet, dass er das Richtige tut, auch wenn es unbequem ist», so Kies.
«Das gefälschte Zertifikat ist das Gegenteil davon: Es zeigt einen Menschen, der sich einen Vorteil verschafft, der anderen verweigert bleibt. » Xhaka postet nach seinem Statement ein Bild von sich am Strand, dazu schreibt er: «Ein Moment zum Durchschnaufen. Vielen Dank für jede Nachricht, jedes Wort und jedes bisschen Unterstützung. »Der Chief Creative Officer bei Jung von Matt Schweiz erklärt, dass sich Fans nun in zwei Lager aufteilen: «Die einen sind enttäuscht, die anderen suchen Gründe zur Verteidigung.
» Heikel könnte es laut Kies bei den Sponsoren werden: «Sie werden wohl am sensibelsten reagieren. Nicht weil sie moralische Instanzen sind, sondern weil sie Risikomanagement betreiben. »20 Minuten spricht auch Nati-Direktor Pierluigi Tami auf die Sponsorenfrage an. Er betont, dass es eine private Sache sei und der SFV damit nur wenig zu tun habe.
Diese Frage wird heiss diskutiert. Tami wie auch SFV-Präsident Peter Knäbel schützen Xhaka. Knäbel meint etwa: «Granit ist ein Spieler mit Charisma. » «Nur weil er Captain ist, ist er nicht perfekt», sagt Tami – und: «Er übernimmt Verantwortung für seinen Fehler.
Von unserer Seite her war eine Impfung nie Pflicht, nur eine Empfehlung. »Auch für Marketing-Experten Kies ist Xhaka als Captain noch tragbar.
«Wenn er jetzt das Richtige tut, ist der Schaden kontrollierbar. Aus Marketing-Sicht ist die grösste Gefahr nicht die Vergangenheit, sondern das, was er jetzt daraus macht. Sportler-Marken haben sich von Schlimmerem erholt. » «Granit berührt der Fall sehr»: Peter Knäbel nimmt Stellung zum Fall Xhaka.
Der SFV-Präsident kennt den Nati-Captain schon aus der Zeit als Teenager. Dann nennt er noch einen grossen Vorteil, den Sport-Stars haben: «Sportlicher Erfolg ist der schnellste Weg zurück in den Goodwill der Fans. »«Eine Entschuldigung ist ein Anfang. Aber das reicht noch nicht.
Was es braucht, ist eine Erklärung und Kontext. Was hat ihn damals dazu bewogen? War es Druck, Unwissenheit, Bequemlichkeit? Wenn er das ehrlich benennt, zeigt Xhaka Reife», erklärt Kies, der drei Dinge nennt, die Xhaka nun machen muss.
Handlungen folgen lassen, die zeigen, wer er wirklich ist. Der Schweizerische Fussballverband und Xhaka selbst setzen auf Ruhe. Während Xhaka zusammen mit seiner Frau Zeit für sich am Strand nimmt und die Nations-League-Spiele mit der Nati bewusst sausen lässt, will der Verband verhindern, dass die Affäre die sportliche Vorbereitung überschattet. Knäbel erklärt, dass man gemeinsam zum Schluss gekommen sei, «dass es im Interesse der Mannschaft ist, diesen Zusammenzug ohne ihn zu bestreiten».
Die Luzerner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Granit Xhaka und eine Ärztin wegen des Verdachts auf ein gefälschtes Covid-Zertifikat. Der Nati-Captain gibt einige Tage später zu, sich eine gefälschte Impfbestätigung beschafft zu haben. Der Fall ist noch nicht abgeschlossen; es gilt die Unschuldsvermutung. Nils Hänggi ist seit 2019 bei 20 Minuten.
Er ist Sportredakteur und Teil des Social Responsibility Boards. Er schreibt oft übers Thema Fussball. Sebastian Rieder , arbeitet seit 2024 für 20 Minuten als Stv. Leiter Sport.
Der Generalist hat stets die besten Schweizer Fussballer im Fokus und begleitet die Nati als Reporter und Videojournalist.
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