Wie Nizza unter die Kontrolle der Rechten kam

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Wie Nizza unter die Kontrolle der Rechten kam
Nizza, Eric Ciotti, Marine Le Pen

Nizza wird seit dem Frühling von einem Bündnis aus Konservativen und der rechtspopulistischen Marine Le Pen regiert. Der Erfolg Eric Ciottis könnte anderen französischen Städten als Vorbild dienen. Der Artikel untersucht die Gründe für den Aufstieg der Rechten und die Gegenwehr von Demokratinnen und Demokraten.

Nizza, Ferien­destination und Wahl­heimat vieler Reicher, wird seit diesem Frühling von Rechts­aussen regiert. Andere Orte in Frankreich könnten folgen. Wie kam es dazu – und wer stellt sich den Extremisten entgegen?

Brombeerfarbene Plateau­schuhe zum himbeer­farbenen Etuikleid. Im Licht seidig schimmernde Midi­roben. Auf Männer­köpfen breitkrempige Cowboyhüte. An ihren Füssen: makellose Sneakers, gelegentlich auch blank polierte Lederschuhe.

Es ist ein heisser Tag Anfang September. Am Eingang des Freiluft­banketts greifen viele nach Fähnchen in den Farben Frankreichs. Die Luft ist schwer von Parfum und Socca, einem in Öl gebratenen Kichererbsen­pfannkuchen. Zur Mittags­zeit flirrt die Luft über dem 13 Hektaren grossen Feld von Levens.

In dem süd­französischen Dorf, im bergigen Hinter­land von Nizza, spricht Éric Ciotti auf einer Konzert­bühne, seine Anhängerinnen sitzen an langen Tafeln. Dieses Mal gleicht das jährliche Treffen einer Krönungs­messe zur Allianz zwischen dem langjährigen Konservativen und der Rechts­extremen Marine Le Pen. Im März gewann Ciotti die Bürgermeister­wahlen von Nizza, der fünft­grössten Stadt Frankreichs. Es ist die bislang einzige Metropole unter der Kontrolle von Le Pen; Ciotti ist ihr wichtigster ausser­parteilicher Verbündeter.

Ein vergleichsweise kleiner Mann, 61 Jahre alt, blanker Kopf, dunkel gerahmte Brille, glattes Gesicht. Ciotti soll Le Pen helfen, die letzte Tür zu öffnen: die zu den gemässigten Konservativen, den Rentnern, den Besser­verdienerinnen. Die Spurensuche führt zu einer Soziologin, die für ihre Überzeugung schon in einem türkischen Folter­gefängnis sass, zu einer Künstlerin, die endlich ihre 3 Meter breite Skulptur auf der Strand­promenade aufstellen möchte, und zu einem Delegierten Ciottis, der die städtischen Strassen­feger nach der französischen Atomwaffe taufte.

Und schliesslich zu einer Radfahrerin, die das erste Projekt des Bürger­meisters stoppte. Ciotti verliess die Republikaner kurz vor den Neuwahlen im Juni 2024. Die konservative Partei, die viele Jahrzehnte mit Charles de Gaulle, Jacques Chirac und Nicolas Sarkozy Frankreich regierte, weigerte sich stets, mit dem Front National – heute Rassemblement National – zusammen­zuarbeiten. Als Ciotti eigenmächtig sein Bündnis mit Le Pen verkündete, schloss die Parteiführung ihn aus.

Viele glaubten damals, er begehe politischen Selbstmord. Heute jedoch steht er auf dem Höhepunkt seiner Macht. Zu seiner Rede in Levens sind 6000 Menschen angereist, fast doppelt so viele wie in den Jahren zuvor. Sollte Marine Le Pen 2027 Präsidentin werden, könnte sie Ciotti zum Minister ernennen.

Auch zahlreiche Bürgermeister aus umliegenden Dörfern, einst auf dem Ticket der Republikaner gewählt, stehen heute mit Ciotti auf der Bühne, nicken und klatschen. Sein minutenlanger Einzug zur Bühne wird begleitet vom Song «Unstoppable» von Sia.

«Wir sind Vorbild für ganz Frankreich», ruft Ciotti mit schriller Stimme in sein Mikro. So laut, dass es noch Hunderte Meter weiter zu hören ist. Die Menge singt die National­hymne und schwenkt französische Flaggen. Das Schauspiel könnte sich bald in anderen Teilen Frankreichs und Europas wiederholen.

Die Brand­mauer bröckelt. Die AfD arbeitet nach ihrem Sieg bei der Landtags­wahl in Sachsen-Anhalt daran, einzelne CDU-Abgeordnete dazu zu bewegen, den AfD-Spitzen­kandidaten Ulrich Siegmund zum Minister­präsidenten des Bundeslands zu wählen. Gleichzeitig sucht Le Pen wenige Monate vor den französischen Präsidentschafts­wahlen nach weiteren Überläuferinnen aus anderen Parteien. In Nizza und seinem Umland haben ein paar konservative Politiker diese Grenze bereits überschritten.

Einige traten Ciottis neu gegründeter Partei «Union des droites pour la République» bei. Manche luden ihn in ihr Dorf ein und besiegelten damit ihren Pakt. Andere stehen plötzlich mit ihm auf der Bühne in Levens.. Viele werfen ihrer bisherigen Partei, den Republikanern, vor, mit Präsident Emmanuel Macron zusammen­gearbeitet zu haben.

Der frühere General und heutige Europa­abgeordnete der Republikaner, Christophe Gomart, betont, Ob sich das nun ändert, da Frankreichs führendes Medium für Investigativ­journalismus «Mediapart» Jordan Bardella, dem politischen Ziehsohn Le Pens, antisemitische Äusserungen vorwirft?

«Der Jude muss andere Völker dominieren, sie bestehlen und auslöschen», soll er laut «Mediapart» zwischen 2013 und 2015 geschrieben und auch weitere rassistische Verschwörungs­theorien verbreitet haben. Bardella dementiert. Diese Enthüllungen durchkreuzen Le Pens jahrelange Bemühungen, ihre Partei zu entdämonisieren. Zuletzt inszenierte sie sich sogar als «Beschützerin» französischer Jüdinnen und Juden und lenkte ihren Rassismus ausschliesslich gegen Muslime.

Doch ihre Kernwählerschaft dürfte unbeeindruckt bleiben. Bardellas Verbindungen zu verurteilten Antisemiten wie Alain Soral sind bekannt, ebenso seine Verehrung für Partei­gründer Jean-Marie Le Pen. Dieser bezeichnete die Gaskammern des Holocausts als «Detail der Geschichte», wurde dafür mehrfach verurteilt – und Bardella vermied es noch 2023 in einem Interview, ihn als Antisemiten zu bezeichnen. Bislang konnten ihre Anhänger offenbar mit Le Pens Rassismus leben.

Und ausgerechnet in der Mittelmeer­region Côte d’Azur, die jährlich rund 12 Millionen Urlauberinnen anzieht und Wahlheimat vieler der reichsten Menschen der Welt ist, wo Yachten von Dutzenden Metern Länge in den Häfen liegen, haben die Rechtsextremen die grösste Stadt erobert. Doch wer den französischen Historiker Johann Chapoutot liest, kommt eher auf den Gedanken, dass es nicht trotz, sondern gerade wegen Nizzas Wohlstand so weit kommen musste.

In seinem Bestseller von 2025, «», beschreibt er, wie in den 1930er-Jahren eine bürgerliche Elite aus Juristen, Grossgrund­besitzern, Industriellen, Militärs und Medienleuten die National­sozialisten in Deutschland unterstützte. Sie glaubten, Hitler für ihre Zwecke instrumentalisieren zu können – und sahen das grausame Ende nicht kommen. Natürlich verlangen historische Parallelen Vorsicht: Der RN ist nicht die NSDAP, und Frankreich im Jahr 2026 nicht die Weimarer Republik. Aber Mechanismen, so Chapoutot, könnten sich wiederholen.

Seine Warnung für die Gegenwart lautet nicht, dass Marine Le Pen Hitler sei. Sie lautet: Wer die extreme Rechte aus Macht­kalkül stützt, setzt Kräfte frei, die sich später kaum noch bändigen lassen. In den vergangenen Jahren förderten auch in Frankreich wohlhabende, manchmal extrem reiche Eliten rechts­populistische und rechts­extreme Parteien.

Zu den Unterstützern von Ciotti gehören der regionale Arbeitgeber­chef, marktradikale Thinktanks, der Medienmogul Vincent Bolloré und der Präsident des örtlichen Fussball-Erstligisten OGC Nice.und der französische Milliardär Pierre Édouard Stérin werben ohnehin für Le Pen. Und je wahrscheinlicher ihr Wahlsieg in den Umfragen erscheint, umso eher dürften weitere wirtschaftliche und politische Eliten ihre Distanz zum RN aufgeben. Früher florierten Le Pens Ideen vorwiegend in ärmlichen, trostlosen Gebieten wie dem postindustriellen Nordfrankreich, wo einst Kohleminen liefen und nun viele Menschen Arbeit suchen.

Heute gewinnt ihr Lager Wahlen an der Côte d’Azur, einer Gegend, die jedes Jahr mehr Einwohnerinnen anzieht. Die Franzosen wollen nach Nizza, an die sich über 7 Kilometer erstreckenden Kieselstrände, an dem sich abends die Laternen wie eine lange Lichterkette im Wasser spiegeln. Und wo viele im Winter tagsüber in die Skigebiete der Süd­alpen fahren und abends am milden Mittelmeer dinieren. Und heute?

In der Stadt zeigt sich an diesen Tagen kaum jemand bewegt vom Machtwechsel. Es herrscht weder Euphorie noch Sorge über Ciottis Wahlsieg, zumindest nicht in einem Dutzend kurzer Gespräche.

«Ich spüre bislang keinen Unterschied», sagt ein Endvierziger mit offenem Leinen­hemd, der auf dem überlaufenen Marktplatz Cours Saleya Ölbilder verkauft. «Mal abwarten», sagt ein Kellner im Muskelshirt und mit flächen­deckend tätowierten Armen und zuckt die Achseln. Eine Mathematik­studentin auf dem Weg zur Universität erklärt, sie habe nicht gewählt, weil ihr beide Kandidaten nicht zusagten. Viele Etablierte hoffen auf einen Wechsel.

«17 Jahre sind eine lange Zeit», sagt die Künstlerin Mila und spielt auf die Amtsdauer von Ciottis Vorgänger Christian Estrosi an. Mit ihren feuerroten Locken und den zwei Strass­sternchen unter dem linken Auge könnte sie einer ihrer farbenfrohen Collagen entsprungen sein. Ihr Atelier liegt in einer Seiten­strasse nahe dem Hafen, vollgestellt mit metergrossen Gemälden. Mila empfängt Neugierige mit ausgelassener Herzlichkeit, im Hintergrund läuft Popmusik.

Sie erzählt, sie habe Ciotti bereits getroffen, und er habe sich für ihr Anliegen interessiert: ihr bisher wichtigstes Werk. Eine 3 Meter breite und 1,55 Meter hohe Skulptur, die sie für die Meeresschutz­konferenz der Unesco 2024 in Nizza schuf. Die filigrane Welle aus azurblauem, türkisfarbenem und marineblauem Metall sollte schon vor zwei Jahren an der Strand­promenade von Nizza stehen. Doch Ermittlungen gegen den bisherigen Bürgermeister Estrosi wegen des städtischen Kaufs anderer Kunstwerke blockierten das Vorhaben.

«Es ist gut, dass jetzt etwas Neues beginnt», sagt Mila. Diese Worte hört man in Frankreich oft über die etablierten Parteien, die seit Jahrzehnten an der Macht sind. Aber ist Ciotti nicht auch ein langjähriger Politiker? Was ist neu an ihm?

Mila sagt, das sei schwer zu fassen. Aber sie wolle daran glauben, dass nun eine bessere Zeit anbreche. Vielleicht verkauft sich Ciotti besonders gut. Als Neuer, obwohl er seit drei Jahrzehnten Politik macht.

Immer wirft er mit grossen Worten um sich. Auf dem flirrenden Feld in Levens verspricht er, «ganz Frankreich» zu retten. Und auf den Autos der Strassen­reiniger prangt neuerdings das Akronym FRAP –Frankreichs nukleare Abschreckungs­macht. Cédric Cirasa, zuständig für Sauberkeit und Strassen, hat sich den Namen ausgedacht.

«Heute ist es weniger lange dreckig», sagt Cirasa. Die Reinigungs­kräfte rückten 40 Prozent häufiger aus. Mehr Personal hat er nicht eingestellt, sie arbeiteten heute effizienter, behauptet er. Auf öffentlichen Fotos steht der 56-Jährige kerzengerade, die Arme steif abgespreizt.

Doch seine Worte wirbeln durcheinander: Er redet über Rechts­populismus, Fussball, Schulden, die Geschichte und die Müllberge der Stadt. Früher arbeitete Cirasa für Bürgermeister der konservativen Partei. Doch offenbar hat sich auch sein Koordinaten­netz verschoben. Heute gilt für ihn Präsident Emmanuel Macron als Linker.

Nur noch Marine Le Pen könne Frankreich vor dem Absturz bewahren.

«Wir haben einen politischen Notfall», behauptet er mit Verve. Alles müsse auf den Kopf gestellt werden. Die Schulden seien zu hoch, die Zugewanderten zu zahlreich, die Kaufkraft zu gering. Als Beleg nennt Cirasa die Wohnungsnot in Nizza, manche Arbeiterinnen schliefen inzwischen in ihrem Auto.

Ob Ciotti als Stadtchef etwas dagegen unternehme? Etwa die Zahl der Airbnb-Appartements zu verringern wie andere Touristen­städte? Nein, das sei nicht geplant. Man hoffe auf mehr Bauprojekte.

Bürgermeister Ciotti inszeniert jedoch selbst kleine Veränderungen mit Pathos. Er hat die kostenlose Senioren-Buskarte eingeführt – mannshohe Plakate werben dafür. Sein Plan, die französische Flagge auf allen Schul­höfen zu hissen, stand in riesigen Lettern auf der Titelseite der Regional­zeitung.und enthüllte feierlich fünf Schilder, auf denen stand, wie die Stadt 60 Millionen Euro einsparen will. Der Verkauf der polierten Autos ist Teil des Plans.

Ciotti will die Hälfte der städtischen Flotte verkaufen und damit 500 000 Euro einspielen. Auch das Sportereignis Ironman solle Nizza fortan nicht mehr finanzieren, weniger Geld für Beratungen ausgeben. Gestrichen werden auch die Zuschüsse für Familien zum Schuljahres­beginn.

«Wir räumen hier auf», sagte er. Die versammelte Menge applaudierte. Pınar Selek lebt in einem nördlicheren Viertel – wo genau, hält sie geheim. Dort ragen die Häuser dreimal so hoch auf wie in der Altstadt oder den schicken Vierteln Nizzas.

Hier leben viele, die frühmorgens in Hotels Betten beziehen oder gefüllte Auberginen und Lavendel­eis für die Urlauberinnen zubereiten. In ihrem Bezirk gibt es kaum Hotels, kaum Touristen. Stattdessen riecht es nach Döner und den Abgasen der Autos, die auf der Schnell­strasse entlang des meist trockenen Flusses in die Vororte brettern. Selek gehört zu den bekanntesten Oppositionellen der Türkei und lehrt heute als Soziologin an der Universität von Nizza.

Während sie soziologische Studien zur Arbeiterpartei Kurdistans PKK durchführte, beschuldigte sie der türkische Staat Ende der Neunziger, an einem Bombenanschlag auf den Istanbuler Gewürzmarkt beteiligt gewesen zu sein. Sie wurde inhaftiert und gefoltert. In Nizza ist Selek eine gefragte Dozentin, oft sind ihre Vorlesungen überfüllt. Weil Selek, so erzählen die Studentinnen zu Semester­beginn, ihnen ein neues Verständnis der Welt eröffne.

Eines, in dem auch erschreckende Entwicklungen als logische Folge früherer Entscheidungen erscheinen. Mit wippenden braunen Locken steht Selek vor ihnen und ruft: «Wir werden alle Mythen entlarven! » Selek hat viel darüber nachgedacht, warum in dieser von der Sonne, dem Meer und den Bergen verwöhnten Stadt so viele Menschen Ciotti wählen, der «das System stürzen will». Bei einem Spaziergang durch ihr Viertel erzählt sie von solidarischen Menschen in Nizza.

«Ich habe hier sehr viele getroffen, die für mich zu Gerichts­prozessen nach Istanbul fliegen, für Frauenrechte demonstrieren oder geflüchtete Personen bei sich aufnehmen. » Selek selbst kommt mit allen ins Gespräch, ihre Augen blitzen dann. Sie fasst den Kaffee­verkäufer am Arm, umarmt die Fotografin, grüsst die Frau im hawaiianischen Eckcafé überschwänglich. Doch sie sorgt sich.

Viele ausländische Forscherinnen, glaubt sie, fürchten um ihre befristeten Stellen. Le Pen will die nationale Präferenz einführen: Menschen mit französischem Pass sollen bevorzugt werden bei der Zuteilung von staatlichen Jobs und Sozial­wohnungen.

«Konservative Parteien haben im Gleichklang mit Le Pen Menschen systematisch darauf eingeschworen, Zugewanderte als Sünden­böcke zu sehen», sagt Selek. 2002 stellte die Europäische Kommission Hilfe für Menschen ohne Aufenthalts­erlaubnis unter Strafe. , als handle es sich um Zigaretten­pakete. Es folgten alle paar Jahre schärfere Gesetze aus Brüssel oder Paris. Le Pen spottete einmal in einem Fernseh­interview über den Rechtsruck der konservativen Partei.

Und sagte: «Ich habe keine Konkurrenten mehr bei den Republikanern, Spannend findet Selek die Frage, wie sich die Arbeit­geberinnen in Nizza verhalten werden. Sie seien auf billige Arbeits­kräfte in Küchen, Restaurants, Strandbars und am Bau angewiesen. Ein Grossteil dieser Arbeitskräfte sei zugewandert. Die ausländischen Arbeitskräfte konnten ihrerseits nicht wählen gehen, die Jüngeren wollten nicht.

Deshalb, so Selek, hätten vor allem wohlhabende Viertel mit eher älteren Menschen abgestimmt. Sie seien dem einst konservativ-bürgerlichen Ciotti zu Le Pen gefolgt.

«Ohne diesen Überläufer», so die Wissenschaftlerin, «hätten viele gezögert, einem Lepenisten ihre Stimme zu geben. »Nun aber zur brasilianischen Radfahrerin. Sie heisst Fernanda Franco und ist kampf­erprobt: Sie radelte schon in São Paulo, der brasilianischen Millionen­metropole. Der «Guardian» nannte diese einmal die Stadt mit den.

Dort also radelte Franco, bevor sie 2016 nach Nizza umsiedelte, der Liebe wegen. Die 30-Jährige arbeitet für Frankreichs Umweltbehörde Ademe. Als sie im April hörte, dass Ciotti den einzigen für Radfahrerinnen reservierten Tunnel wieder für Autos freigeben wollte, starteten sie und ihre Mitstreiter vom Verein «Nice à vélo» eine Petition. Mehr als 8000 Menschen unterschrieben.

«Das war ein Riesenerfolg in dieser Autofahrer­stadt», sagt Franco. Die braun gelockte Frau hat ihr Fahrrad mit bunten Stickern dekoriert und freut sich sichtlich über das Ergebnis ihrer Aktion: Ciotti krebste zurück. Der gerettete Tunnel verläuft unter der vierspurigen Promenade des Anglais und bringt täglich rund 1000 Menschen sicher zum Radweg am Meer. Ursprünglich wollte Ciotti eine halbe Million Euro für Umbauten ausgeben: Palmen hätten für die breiten Autos gefällt und die Strassen­führung verändert werden müssen.

Infolge der Petition rückte der Bürgermeister nach einer « Franco ist zufrieden.

«Mit vielen kleinen Schritten können wir Bürgerinnen seine Politik zurückdrängen», sagt sie. Sie habe selbst «fanatische Autofahrer» im Gespräch zur Unterschrift unter die Petition bewegen können. Verwundert sei sie eher über den neuen Umweltbeauftragten von Ciotti, der sie schon empfangen habe. Jean-Marc Governatori führte früher seine Partei «Écologie au centre», isst vegetarisch, kämpft für biologische Landwirtschaft und grüne Hausdächer. 2021 nahm er an den Vorwahlen der Grünen teil und rief jahrelang dazu auf, die Rechtsextremen bei Wahlen zu schlagen.

Le Pen stellte für ihn noch 2021Annika Joeres berichtet unter anderem für die «Zeit» aus Frankreich und recherchiert zu Lobbyismus und Energiepolitik für die Investigativ­plattform «Correctiv». Sie ist spezialisiert auf grenz­überschreitende Recherchen zu Europa, Energiepolitik und Klimakrise. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Preise. Ihr neustes Buch «Ich ahne, dass diese Fahrt an einem schlechten Ort enden wird Gewinnt die AfD am Sonntag die Wahl in Sachsen-Anhalt, will sie an Schulen die Deutschland­flagge hissen und den Regen­bogen verbieten.

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Nizza Eric Ciotti Marine Le Pen Rechtsextremismus Kommunalwahlen

 

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