Tom Cruise als gepolsterter Ölbaron ist wenig berauschend – aber hinter dem Kostüm steckt mehr

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Tom Cruise als gepolsterter Ölbaron ist wenig berauschend – aber hinter dem Kostüm steckt mehr
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In «Digger» spielt Tom Cruise einen exzentrischen Öl-Tycoon, der eine Klimakatastrophe verursacht. Was als eher platt wirkende, wenig originelle Satire beginnt, überrascht mit einer zusätzlichen Erzählebene, die dem Film mehr Tiefgang ermöglicht.

Weltuntergangs-Satire «Digger»Tom Cruise ist kaum wiederzuerkennen als exzentrischer Ölbaron Digger Rockwell. In «Digger» spielt Tom Cruise einen exzentrischen Öl-Tycoon, der eine Klimakatastrophe verursacht. Was als eher platt wirkende, wenig originelle Satire beginnt, überrascht mit einer zusätzlichen Erzählebene, die dem Film mehr Tiefgang ermöglicht.

«Digger» erzählt, wie der mächtige Unternehmer Digger Rockwell mit seiner Ölplattform eine Naturkatastrophe verursacht, worauf er sich zur Rettung der Welt berufen sieht. Tom Cruise spielt die Hauptrolle des exzentrischen, aufgeblasenen Ölbarons, in den Nebenrollen glänzen John Goodman, Sandra Hüller, Riz Ahmed und Jesse Plemons. Regisseur dieser kuriosen Klimasatire ist Oscarpreisträger Alejandro González Iñárritu, bekannt für «Birdman» und «The Revenant». Lange ist es her, seit Tom Cruise in einem Kinofilm keinen Action-Helden verkörperte.

Seine letzten drei Hauptrollen hatte er in drei «Mission: Impossible»-Filmen und in «Top Gun: Maverick».

«Barry Seal – Only in America» aus dem Jahr 2017 würde allenfalls als Beispiel durchgehen. Aber auch dieser Film beinhaltet einige actionreiche Szenen. Cruise spielt darin einen Drogenschmuggler, der von der CIA rekrutiert wird, um ein Kartell zu infiltrieren.

Dass Cruise auch richtig lustig sein kann, hat er insbesondere Ende der 90er-Jahre und in den 00er-Jahren bewiesen – in «Jerry Maguire» oder in «Magnolia». 2008 überraschte er als cholerischer Studioboss mit auffälliger Halbglatze, behaarter Brust, protziger Goldkette und dickem Bauch in der verrückten Komödie «Tropic Thunder». Rein optisch kommt seine Darstellung in der neuen Satire «Digger» jener aus «Tropic Thunder» ähnlich.

Der Wohlstandsbauch im grauen Anzug ist jedoch noch opulenter, das Gesicht ist mit einer Maske künstlich aufgedunsen und gealtert. Und eine silbergraue Mähne ziert seinen Kopf. Als Digger Rockwell verkörpert Cruise einen exzentrischen mächtigen Ölbaron, der mehr um seine heiss geliebte, kranke Katze besorgt ist, als um die plattentektonischen Probleme rund um seine Ölbohrinsel in Grönland. Als er sich der prekären Lage endlich bewusst wird, ist es bereits zu spät.

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Und so ruft er zur Krisensitzung mit dem US-Präsidenten und weiteren Machthabern des Landes. Nicht zum ersten Mal versucht sich der mexikanische Regisseur Alejandro González Iñárritu mit einer richtig schrägen, mutigen Komödie – sein «Birdman oder » widmete sich einem abgehalfterten Schauspieler, der für seine Rolle als Superheld bekannt wurde und unter dem Image leidet.

Sein psychischer Zustand wird dabei mit vielen surrealen Momenten untermalen. 2015 wurde «Birdman» mit dem Oscar für den Besten Film ausgezeichnet. In «Digger» wirkt die komplette Einleitungsphase ebenfalls völlig abgedreht, aber so richtig zünden wollen die ganzen satirischen Kommentare nie. Die Witze bleiben grossteils zu oberflächlich und herzhafte Lacher bleiben aus. Mitten in ihrer Krisensitzung machen sich die Machthaber beispielsweise über die Abwesenheit von Frauen am Tisch lustig.

Was bei ihnen schallendes Gelächter auslöst, reicht beim Publikum höchstens für ein Schmunzeln. Dennoch macht der Film hinsichtlich der Klimakrise auch Aussagen, die zum Nachdenken anregen und die von Bedeutung sind. Und was er schlau macht: Er stellt nicht nur die reichen Machthaber an den Pranger, sondern hält der gesamten Gesellschaft den Spiegel vor Augen und verweist damit auch auf die Heuchlereien. Ein weiterer guter Schachzug gelingt Iñárritu mit der narrativen Struktur von «Digger».

Bereits nach etwa 30 Minuten überrascht der Film mit einer zusätzlichen Erzählebene, die die Darstellungen aus der Einleitung selber hinterfragt. Diese neue Dimension verleiht dem Film zudem auch eine emotionale Note, welche zuvor nicht wirklich vorhanden war.

«Digger» funktioniert als satirische Komödie nur bedingt, aber als kritischer Kommentar zur Weltlage mit emotionaler familiärer Hintergrundgeschichte hat er durchaus seine Qualität. Das Schauspielensemble ist brilliant, wenn auch teilweise leider ein wenig verschenkt. Die grossartige Sandra Hüller hat viel zu wenig Screentime als hysterische, besorgte Schwester von Digger. Und auch Jesse Plemons kommt in seiner überraschenden Rolle viel zu kurz.

Immerhin dürfen sich Riz Ahmed und John Goodman von der besten Seite zeigen. Und Tom Cruise nach so langer Zeit mal wieder in einer ungewohnten Rolle zu sehen, macht durchaus Spass, auch wenn sein aufgeblasener Tycoon keine Überschwemmungen von Freudentränen auslöst.

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