Das Grounding der Swissair am 2. Oktober 2001 traf rund 20.000 Reisende weltweit und lähmte den Flugverkehr. Die Airline konnte ihren Betrieb nicht mehr finanzieren. Mehrere gescheiterte Übernahmen kleiner Fluggesellschaften, der Verlust des Marktzugangs infolge des Luftverkehrsabkommens mit der EU sowie eine misslungene Hunter-Strategie hatten den Niedergang begünstigt. Neue Führungskräfte konnten die Krise nicht mehr abwenden.
«Aus finanziellen Gründen ist die Swissair nicht mehr in der Lage, Ihre Flüge durchzuführen»: Diese Lautsprecherdurchsage am Flughafen Zürich vom 2. Oktober 2001 hat in der Schweiz ein nationales Trauma ausgelöst.
Die Swissair war am Boden. Am Tag des Swissair-Groundings warteten weltweit rund 20'000 Passagiere vergebens auf ihre Flüge. - Keystone/STEFFEN SCHMIDTausgeharrt. Auf der ganzen Welt waren es insgesamt rund 20'000 Reisende, die auf ihre Flüge warteten, das Gepäck bei vielen schon eingecheckt.
Doch auf der Anzeigetafel stand bei allen Swissair-Verbindungen während Stunden nur «verspätet». Um 15.45 Uhr informierte die Swissair schliesslich die Medien – damals noch per Fax. Sie werde den Flugbetrieb per sofort einstellen. Sie hatte keinen Treibstoff mehr kaufen können, so dass die 260im Jahr 1992.
Dies blockierte ein bilaterales Luftverkehrsabkommen zwischen der Schweiz und der Europäischen Union . Die Swissair hatte damit keinen freien Zugang mehr zum europäischen Markt und musste sich neu orientieren. Der damalige Konzernchef Philippe Bruggisser setzte sich zum Ziel, möglichst viele kleine Fluggesellschaften zu übernehmen, um die Swissair zu einer kritischen Grösse zu führen und das Problem des fehlenden Marktzugangs zu umgehen. Diese aggressive Kaufstrategie wurde ab 1997 offiziell «Hunter-Strategie» genannt.brachte der Swissair kein Glück.
Denn die aufgekauften Fluggesellschaften, darunter die belgische Sabena oder die italienische Volare, waren nicht nur klein, sondern rentierten auch nicht. Die «Hunter-Strategie» stürzte kläglich ab. Bruggisser musste den Hut nehmen. Anfang 2001 übernahm für kurze Zeit Crossair-Besitzer Moritz Suter das Ruder.
Nach dem Rücktritt des gesamten Verwaltungsrates mit seinem Präsidenten Eric Honegger folgte Mario Corti, der damaligeunter der Führung von Marcel Ospel unter Druck gesetzt. Corti sollte später Ospel für das Grounding verantwortlich machen.
«Super-Mario», wie er damals in den Medien genannt wurde, versuchte zwar noch mit Hilfe des Bundes und dem Aufbau einer Auffanggesellschaft unter dem Dach der Crossair, die Airline in der Luft zu halten.jedoch ab, eine finanzielle Garantie zu gewähren. Am 1. Oktober übernahm schliesslich die Crossair unter der Führung von André Dosé das Fluggeschäft der Swissair. Die Betreibergesellschaften SAirGroup, die SAirLines und Flightlease wurden in Nachlassstundung geschickt.und die Banken zum Umdenken bewegen sollte.
Bereits am nächsten Tag wurde per Notkredit wieder ein reduzierter Betrieb aufgenommen. Am 1. April 2002 landete jedoch der letzte Swissair-Linienflug von São Paulo her kommend um 7.15 Uhr in Zürich. Damit war der Name Swissair nach 71 Jahren Geschichte.
Bis die grösste Wirtschaftspleite der Schweizer Geschichte aufgearbeitet war, dauerte es Jahre. Juristisch blieb nichts hängen: Alle 19 angeklagten ehemaligen Manager und Verwaltungsräte wurden freigesprochen. Die finanzielle Aufarbeitung war erst im vergangenen Dezember abgeschlossen, also 24 Jahre nach dem Grounding – mit der Löschung der Konzernholding SAirGroup aus dem Handelsregister.
Swissair Fluggesellschaft Grounding Luftverkehr Finanzkrise
Switzerland Neuesten Nachrichten, Switzerland Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Apples goldener Oktober: Das kommt alles in diesem MonatDer September geht zu Ende und hat jede Menge Neuerungen bei Apple gebracht. Im Oktober geht es aber munter weiter – was wir alles erwartn dürfen.
Weiterlesen »
25 Jahre Grounding der Swissair: Diese Bilder vergisst die Schweiz nichtDie Schweizer Kultairline war nicht nur eine Fluggesellschaft, sie stand für das Selbstverständnis der Schweiz. Ihr Niedergang schockte das Land.
Weiterlesen »
1. Oktober 2026: Das Wichtigste des TagesStänderat stimmt EU-Paket zu | Schweizer Gletscher verlieren rasant Eis | Tennessee stoppt Hinrichtungen vorerst | Nationalrat ebnet Weg zu Olympia 2038 | Inflation steigt auf 1 Prozent
Weiterlesen »
25 Jahre nach dem Swissair-Grounding: Vergessene Wunden der SchweizDie Einbindung der Swissair in den Lufthansa-Konzern schien die Schweizer Luftfahrt wirtschaftlich zu retten. Für Gewerkschaftspräsidentin Sandrine Nikolic-Fuss bleibt der Zusammenbruch am 2. Oktober 2001 jedoch eine tiefe Zäsur. Als ehemalige Swissair-Angestellte und schwangeres Kabinenpersonal erlebte sie das Grounding aus nächster Nähe. Der Verlust ihrer beruflichen Heimat und das Gefühl, von der Schweiz im Stich gelassen worden zu sein, prägen ihre gewerkschaftliche Arbeit bis heute.
Weiterlesen »
