Swissair-Absturz SR 111: Max Stenz erinnert sich an Jeannine

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Swissair-Absturz SR 111: Max Stenz erinnert sich an Jeannine
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28 Jahre nach dem Swissair-Absturz SR 111 bei Halifax spricht Max Stenz über den Verlust seiner Frau Jeannine, die Betreuung durch die Swissair und den neuen Film.

Am 2. September 1998 stürzte Swissair-Flug SR 111 auf dem Weg von New York nach Genf bei Peggy's Cove nahe Halifax ins Meer. Alle 229 Menschen an Bord starben. Unter den Opfern war die Flight Attendant Jeannine Stenz, damals 42 Jahre alt. Ihr Ehemann Max Stenz, heute 74 und pensionierter Architekt und Musiker, verlor an diesem Tag seine Frau und musste seinen beiden Söhnen, damals 11 und 13 Jahre alt, sagen, dass ihre Mutter nicht mehr heimkommt.

28 Jahre später spricht Max Stenz in seinem Reihenhaus in Adliswil über die Katastrophe, die sein Leben bis heute prägt. Er erzählt, wie er die Nachricht überbrachte, warum er der Swissair nie Vorwürfe machte und weshalb ihn die Ereignisse nicht loslassen. Für den Film 111 – Echoes from Halifax, der dieser Tage in die Kinos kommt, unterstützte Stenz den Regisseur Mauro Mueller mit Gesprächen und stellte ihm eine Kopie des Untersuchungsberichts zum Absturz zur Verfügung.

Erinnerungen an Jeannine

Jeannine Stenz war eine sehr lebendige Frau, die wusste, was sie wollte. Sie war aktiv, hilfsbereit, lieb und treu. Max Stenz beschreibt sie als eine sehr gute Mutter und eine gute Köchin. Das sei später ein wenig zum Problem geworden, weil er selbst nicht so gut kochen konnte, sagt er mit einem Lächeln.

Kennengelernt haben sich die beiden auf dem Squashplatz. Sie saßen an der Bar, weil beide von ihren Spielpartnern versetzt worden waren. Max Stenz traute sich, sie zu fragen, ob sie mit ihm spielen wolle. Im Spiel gab sie so viel Einsatz und rannte dem Ball wirklich nach, dass er beeindruckt war und sie fragte, ob sie öfter mit ihm spielen wolle. Das Fliegen war ihr Ein und Alles. Als sie nach dem zweiten Kind eigentlich damit aufgehört hatte, erwischte er sie ein paar Mal dabei, wie sie im Garten stand und Flugzeugen nachschaute. Er ermutigte sie, sich wieder anzumelden. Der Beruf war ihr Leben.

Was ihr am Beruf gefallen habe, sei der Kontakt mit vielen verschiedenen Menschen und das Teamwork gewesen. Natürlich sei man auch viel in der Welt herumgekommen. So habe sie auch ihm die Welt gezeigt. Er durfte gratis mitfliegen, was für ihn eine Sensation war. Durch sie lernte er, asiatisch zu essen. Hongkong und Singapur waren ihre Lieblingsdestinationen. Dort hatte man das Gefühl, wirklich weit von zuhause entfernt zu sein. Angst vor dem Fliegen hatte sie nie.

Der Tag des Absturzes

Am 2. September 1998 flog Jeannine mit der Swissair von New York nach Genf. Das Flugzeug stürzte bei Peggy's Cove nahe Halifax ins Meer. Die Erinnerungen an diesen Tag sind bei Max Stenz noch eins zu eins da, sie gehen nicht mehr weg. Er war auf dem Weg zur Arbeit, als ihn ein Freund anrief und fragte, wo Jeannine gerade sei. Dann sagte er, er solle nach Hause gehen. Als er ankam, standen bereits Leute der Swissair vor der Tür, um ihn zu informieren.

Die Söhne kamen um halb zwölf aus der Schule. Max Stenz weiß noch genau, wie er die Tür öffnete und sie ihn fragend anschauten. Sie waren 11 und 13 Jahre alt und hatten in der Schule schon gehört, dass ein Flugzeug abgestürzt war. Ihnen sagen zu müssen, dass ihre Mutter nicht mehr heimkommt, war das Härteste für ihn. Die Kinder waren es gewohnt, dass die Mutter drei, vier Tage weg war. Das habe im ersten Moment wohl geholfen. Es war kein einziger großer Schock, sondern sie verstanden erst nach ein paar Tagen: Es ist wirklich leer hier.

Betreuung durch die Swissair

Max Stenz macht der Swissair keine Vorwürfe. Er erinnert sich an eine sehr gute Betreuung der Hinterbliebenen. Die technischen Untersuchungen zum Absturz studierte er ausführlich, um zu verstehen, was damals geschah. Er las alle technischen Berichte, die er bekam.

Seine Söhne wollten nicht zur Absturzstelle, das respektierte er. Sie fuhren erst ein Jahr später hin. Als er bei der Swissair den Wunsch dazu äußerte, war ruckzuck alles organisiert. Sie konnten vorher sogar noch nach New York. In Halifax begleitete sie ein Care-Team der Swissair. Er durfte den Hangar besichtigen, in dem alle Trümmerteile lagerten und das Flugzeug wieder zusammengesetzt wurde.

Ich stand da vor dem Wrack und fragte mich: Wo ist sie wohl gesessen? Was machte sie sich für Gedanken? Wann hat sie realisiert, dass es nicht mehr weitergeht? Diese Fragen beschäftigen Max Stenz bis heute. Auch nach 28 Jahren fällt es ihm schwer, von seiner Frau und der Tragödie zu erzählen, die nicht nur ihn, sondern die ganze Schweiz getroffen hat. Ich komme an gewissen Stellen wieder an meine Grenzen, sagt er. Aber ich darf auch nach so vielen Jahren noch Tränen vergießen. Und ich hoffe, ich kann heute Abend ein Bier trinken – dann ist wieder gut für heute. Erzählen will er trotzdem, weil dieser Tage ein Film in die Kinos kommt, der die Geschichte des Absturzes noch einmal erzählt.

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