Die IEA meldet über 2500 GW an Projekten in der Netzanbindungswarteschlange. Regierungen weltweit erhöhen die Investitionen in Stromnetze und Speicher.
Die Elektrifizierung stösst nicht nur an die Grenzen der Stromerzeugung, sondern vor allem an die des Netzanschlusses und des Transports. Nach Schätzungen der Internationalen Energieagentur (IEA) stecken mehr als 2500 GW an Erzeugungs-, Speicher- und Grossverbrauchsprojekten in der Warteschlange für einen Netzanschluss. Die jährlichen Netzinvestitionen müssen von derzeit rund 400 Milliarden US-Dollar bis 2030 um etwa 50 Prozent steigen.
Da KI-Rechenzentren, Elektrofahrzeuge und die Industrie um Kapazität konkurrieren, wird das Netz zu einem Faktor wirtschaftlicher Sicherheit. Europa begründet seine Strategie ebenso mit wirtschaftlicher Sicherheit wie mit Klimapolitik.
Europäischer Aktionsplan für die Elektrifizierung
Der Aktionsplan für Elektrifizierung, den die Europäische Kommission am 17. Juli 2026 vorgelegt hat, nennt ein indikatives Ziel: 46 Prozent Stromanteil am Endenergieverbrauch bis 2040. Der Ausgangspunkt ist ein seit einem Jahrzehnt weitgehend unveränderter Wert von rund 23 Prozent, während China, Korea und Japan schon über 30 Prozent liegen.
Die Kommission formuliert das Ziel ausdrücklich strategisch: In einer Zeit wiederkehrender geopolitischer Turbulenzen und volatiler globaler Märkte sei eine energieunabhängige Union, die effizient mit sauberer, reichlich vorhandener und erschwinglicher Energie versorgt werde, eine Frage der Souveränität.
Strom kostet in der EU derzeit für Unternehmen fast dreimal so viel wie Gas und für Haushalte 2,5-mal so viel; der Plan strebt bis 2030 Verhältnisse von 2 beziehungsweise 2,5 an. Bis 2040 könnte die Transformation die jährlichen Ausgaben der EU für Importe fossiler Brennstoffe um bis zu 260 Milliarden Euro senken, bei einem Rückgang der Gasimporte um über 70 Prozent und der Rohölimporte um mehr als 40 Prozent.
Der Plan enthält konkrete Finanzierungen: eine mit 100 Milliarden Euro ausgestattete Bank für industrielle Dekarbonisierung und mehr als 75 Milliarden Euro an Mitteln der Europäischen Investitionsbank (EIB) über drei Jahre, wobei die Netze Priorität haben. Weitere 1,2 Milliarden Euro wurden über die EU-Kohäsionspolitik für Netze und Verbindungsleitungen bereitgestellt.
Diese Investitionen sind entscheidend, denn der begrenzte Netzzugang bleibt eine wesentliche Bremse der Elektrifizierung. Die Kommission will die Speicherkapazität daher von rund 55 GW im Jahr 2026 auf 200 GW bis 2030 und 500 GW bis 2040 erhöhen.
USA und China investieren massiv in Netze
Die Vereinigten Staaten kombinieren Finanzierung, Sicherung der industriellen Produktion und regulatorisches Tempo. Das mit 10,5 Milliarden US-Dollar ausgestattete Programm Grid Resilience and Innovation Partnerships (GRIP) des US-Energieministeriums umfasst nun die SPARK-Runde, Teil der Initiative Speed to Power, über 1,9 Milliarden US-Dollar für die Erneuerung von Leiterseilen und weitere fortschrittliche Übertragungstechnologien.
Gemäss einer Analyse des Branchenverbands Edison Electric Institute vom Juni werden privatwirtschaftliche Stromversorger zwischen 2026 und 2030 voraussichtlich 1,4 Billionen US-Dollar investieren – rund 280 Milliarden US-Dollar pro Jahr –, um ihre Infrastruktur zu modernisieren und die steigende Stromnachfrage zu bedienen. Wie die US-Energieregulierungsbehörde FERC festhält, stufte zudem eine Feststellung vom April im Rahmen des Defense Production Act Transformatoren, Leiter und Umspannwerke als wesentlich für die nationale Verteidigung ein.
China setzt auf direkte Investitionen seiner staatlichen Versorger. State Grid plant für den Zeitraum 2026 bis 2030 Anlageinvestitionen von bis zu 4 Billionen Renminbi, 574 Milliarden US-Dollar zum in der Ankündigung verwendeten Umrechnungskurs, und damit 40 Prozent mehr als in den fünf Jahren zuvor.
Das ist das deutlichste Einzelsignal für Investitionen unter dem 15. Fünfjahresplan für den Aufbau eines neuen Energiesystems, den die Nationale Entwicklungs- und Reformkommission und die Nationale Energiebehörde im Juni veröffentlicht haben.
Weitere Länder erhöhen Netzausgaben
Derselbe Druck zeigt sich auch anderswo. Kanada erwartet gemäss dem Ministerium Natural Resources Canada eine Verdoppelung der Stromnachfrage bis 2050 und entwickelt eine nationale Verbundstrategie. Ofgem, die Energieregulierungsbehörde für Grossbritannien, genehmigte 10,3 Milliarden Pfund für erste Ausgaben in der Stromübertragung, innerhalb eines grösseren Programms für Strom- und Gasnetze, das bis 2031 auf bis zu 90 Milliarden Pfund geschätzt wird.
Indien hat im Übertragungsplan seiner zentralen Elektrizitätsbehörde CEA Investitionen von 7,933 Billionen Rupien, rund 85 Milliarden US-Dollar, angekündigt, um bis 2035/36 mehr als 900 GW nicht fossiler Kapazität zu integrieren.
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