Der Gemeinderat Steinach plant, das Alterszentrum Lebensraum Gartenhof per 2027 an die Oase Service AG zu übergeben, um finanzielle Verluste zu beheben, während die Gemeinde Eigentum und Aufsicht behält.
Der Gemeinderat will den Lebensraum Gartenhof 2027 an die Zürcher Oase Service AG übergeben. Grundstück, Gebäude und Aufsicht möchte er jedoch behalten. An einem Infoanlass hatten die Steinacherinnen und Steinacher zahlreiche Fragen.
Der Lebensraum Gartenhof in Steinach verzeichnete in den vergangenen Jahren finanzielle Verluste. Auch deshalb will die Gemeinde das Alterszentrum an Externe übergeben. Der Steinacher Gemeinderat will den Lebensraum Gartenhof ab 2027 von der Oase Service AG führen lassen. Grundstück, Gebäude und Aufsicht sollen bei der Gemeinde bleiben, das operative Geschäft würde ausgelagert.
Über die Übertragung und die Verkleinerung des Gemeinderates stimmt die Bürgerschaft an einer ausserordentlichen Versammlung vom 29. Oktober ab. Passend zum Thema Altersvorsorge stehen zwei Rollatoren im Gang zwischen den Stuhlreihen. Noch bis zur letzten Minute strömen Menschen in den Saal und nehmen Platz.
Fragen aller Art brennen ihnen auf der Zunge, doch zuerst einmal müssen sie still sitzen und zuhören. Vorerst dem Steinacher Gemeindepräsidenten Michael Aebisegger. An der Informationsveranstaltung im Gemeindesaal soll laut ihm jedoch die auserwählte «Braut» im Mittelpunkt stehen: Das Alterszentrum Lebensraum Gartenhof sollDennoch schaut Aebisegger zunächst einige Minuten lang in den Rückspiegel und zeigt den Weg auf, der bisher beschritten wurde. Als nächstes erhofft sich der Gemeinderat ein doppeltes Ja an der ausserordentlichen Bürgerversammlung vom 29.
Oktober. Aebisegger kündigt die Oase Service AG mit Vorschusslorbeeren an: «Ich habe schon mit vielen Partnerorganisationen zusammengearbeitet, aber ich habe selten erlebt, dass ich so präzise Antworten in so kurzer Zeit erhalten habe. »Als Oase-Geschäftsführerin Nathalie Küffer im «Züritüütsch» ihr Referat beginnt, weiss man noch nicht, dass sie eigentlich St.Gallerin ist. In Uznach geboren, lebt sie heute im Appenzellerland.
Dies als Randbemerkung. Küffer nennt Seniorinnen und Senioren «besondere Einzelstücke». Die Liebe und Wertschätzung für ältere Menschen nimmt man ihr ab, denn sie absolvierte ihre Ausbildung in der Pflege und war viele Jahre Pflegedienstleiterin, bevor sie die Leitung der Oase-Gruppe übernahm. In ihren Erzählungen geht es vor allem um eines: um Menschen.
Wo brauchen ältere Menschen Unterstützung? Was tut ihnen gut im letzten Abschnitt ihres Lebens? Küffer schwärmt vom Oase-Prinzip, von generationendurchmischten Wohnungen, von geschützten Wohngruppen für Menschen mit Demenz, von Seniorenferien. Einem lebendigen Lebensabschnitt.
«Wir geben unseren Bewohnenden das Versprechen, dass sie bei uns bleiben dürfen. Bis zuletzt. »Die Oase-Gruppe betreibt neun Seniorenzentren mit 236 Pflegeplätzen und rund 500 Mitarbeitern. Tendenz steigend.
«Normalerweise planen, bauen und betreiben wir unsere Alterszentren selbst», sagt Küffer. Steinach sei das erste Zentrum, das die Oase Service AG im laufenden Betrieb übernehmen würde. Schon beim ersten Besuch im Gartenhof stimmte für sie das Gefühl. Als sie im Garten von zwei Bewohnerinnen empfangen worden sei, habe es sofort gefunkt.
Nach ihren Erzählungen kommt man wieder auf den Boden der Realität. Ein Mann will wissen, wer bei der neuen Organisation die Aufsichtspflicht hat.
«Die Aufsichtspflicht bleibt bei der Gemeinde, die einmal pro Quartal einen Rapport erhält», sagt Gemeindepräsident Aebisegger. Eine Frau, deren Mutter im Gartenhof wohnt, hofft, dass er genau so bleibt. Küffer bestätigt das und die Seniorin entgegnet: «I möcht ene danke säge. »Ein Herr vermisst ein Konzept mit konkreten Zahlen.
Wie soll der Betrieb rentieren, wenn er das vorher nicht getan hat? Er ist nicht der Einzige, der gerne Zahlen gesehen hätte, die weder die Gemeinde noch die Oase Service AG zu diesem Zeitpunkt liefern können. Neueste Technologien, zentrale Abrechnungen, Fachexperten, ein interner Mitarbeiterpool sind nur einige Argumente für eine bessere Wirtschaftlichkeit. Ein zentrales Ziel sei der Erhalt des jetzigen Personals.
«Wir hoffen, dass so viele wie möglich bleiben. » Für die Zeit der Umstellung werde ihnen ein Gotti oder Götti zur Seite gestellt. Lohn und Ferienanspruch blieben unverändert, auch nach dem ersten Jahr. Eine Detailfrage zur neuen Pensionskasse konnte nicht beantwortet werden, da Lösungen für ältere Mitarbeitende derzeit ausgearbeitet werden.
Die Arbeitsbedingungen sollten im Idealfall besser statt schlechter werden. Dass die Fluktuation in allen Oase-Zentren unter zehn Prozent liegt, wirft ein gutes Licht auf das Unternehmen. Eine Frau äussert Bedenken, dass zum Beispiel Menschen mit Demenz aufgrund einer niedrigen Besa-Pflegestufe abgewiesen werden.
«Wir schicken niemanden mit Demenz nach Hause, auch wenn er wenig Pflege benötigt», verspricht Küffer. Und es sei vertraglich geregelt, dass Steinacherinnen und Steinacher Vorrang haben bei der Aufnahme.
«I bi zimli begeisteret», sagte eine andere Votantin. Das sei fast zu schön, um wahr zu sein. Küffer lädt sie zu einem Besuch in einem ihrer Alterszentren ein. Trotz dieses positiven Eindrucks machen sich einige im Saal Sorgen, dass die Taxen in die Höhe steigen.
«Auf diese haben wir wenig Einfluss. Der Kanton regelt sie innerhalb der Grenze der Ergänzungsleistungen. » Ob alle Zweifel der Anwesenden ausgeräumt werden konnten, wird sich an der ausserordentlichen Bürgerversammlung vom 29. Oktober zeigen.
Abgestimmt wird über die Anpassungen der Gemeindeordnung zur Übertragung der Trägerschaft und die Verkleinerung des Gemeinderates von sieben auf fünf Mitglieder. Denn wenn die Oase das operative Geschäft übernimmt, wird der Gemeinderat entlastet. Eine Zürcher Firma soll ab 2027 den Lebensraum Gartenhof betreiben. Weil er dann weniger Arbeit hat, will sich der Gemeinderat verkleinern.
Das letzte Wort hat die Bevölkerung. Der Gemeinderat kam nach gründlicher Abwägung aller Vor- und Nachteile zur klaren Auffassung, dass eine zukünftig externe Betriebsführung die optimale Organisationsform darstellt. Eggersriet erarbeitet Altersstrategie – und will 100'000 Franken für eine Beratungsfirma ausgeben Um die Bedürfnisse der Einwohnerinnen und Einwohner in die Altersstrategie 2035 einfliessen zu lassen, hat die Gemeinde Eggersriet eine Bevölkerungsumfrage durchgeführt. Als nächsten Schritt will der Gemeinderat an der Bürgerversammlung im Frühling einen Kredit für eine externe Beratungsfirma beantragen.
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