SRF-Sportreporterin Seraina Degen: «Traumberuf? Nein, lustigerweise gar nicht»

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SRF-Sportreporterin Seraina Degen: «Traumberuf? Nein, lustigerweise gar nicht»
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Sie begleitet das Nati-Frauenteam seit fast zehn Jahren und war bei Olympia 2024 mittendrin – trotzdem wollte sie nie Sportreporterin werden.

Seraina Degen begann als Lokalreporterin im Baselbiet und steht heute für SRF vor der Kamera. Ihr Weg führte über ein abgebrochenes Jus-Studium mitten hinein in den Sportjournalismus.

Das Sportgen wurde Seraina in die Wiege gelegt. Aufgewachsen in Niederdorf im idyllischen Waldenburgertal im Kanton Basel-Landschaft, war die ganze Familie sportlich unterwegs – sei es beim Wandern, Ski- oder Velofahren. Zu Hause auf dem Platz vor der Garage begann ihre Fussballkarriere, später kam Tennis dazu. War Sportreporterin ihr Traumberuf?

Beim Treffen im Museumsbistro Spitz beim Landesmuseum Zürich antwortet Seraina lachend: «Traumberuf? Nein, lustigerweise gar nicht. Zuerst wollte ich Primarlehrerin werden. » Während ihrer Gymnasiumzeit begann sie allerdings schon für den Waldenburger Anzeiger zu schreiben.

«Ein Hoch auf den Lokaljournalismus, das war das Beste, was mir passieren konnte. Da ist die Themenvielfalt unschlagbar. » Nach der Matura führte ihr Weg zuerst in ein Jus-Studium. Schnell war aber klar, dass Anwältin nicht ihre Berufung war, «aber es war eine ausgezeichnete Lebensschule».

Sie entschied sich, im Journalismus zu bleiben, und absolvierte ein Praktikum bei der «Basler Zeitung». Daneben sammelte sie erste Fernseherfahrungen bei Tele Basel. Im männerdominierten Sportjournalismus als Frau ernst genommen zu werden, war laut Seraina keine grosse Hürde. Meistens war sie die einzige Frau unter den Kollegen, was aber kein Nachteil war.

Herausfordernd war manchmal höchstens, wenn sie über Frauenfussball schreiben wollte und rückblickend für die Geschichte wohl etwas stärker argumentieren musste, als wenn es ein gängiges Thema gewesen wäre. Seit 2017 fest beim Schweizer Fernsehen SRF angestellt, begleitet sie seit der Fussball-EM im selben Jahr das Frauen-Nationalteam.

«Ein Privileg», sagt sie, «ein Team über eine so lange Zeit zu begleiten, seine Entwicklung mitzuerleben und die journalistische Kontinuität zu gewährleisten». Die Balance zwischen Nähe und professioneller Distanz zu den Spielerinnen sei herausfordernd, aber auch bereichernd.

«Ramona Bachmann hat mich nach ihrem Klinikaufenthalt im letzten Jahr angerufen, weil sie im SRF öffentlich darüber sprechen wollte. Das war wohl nur möglich, weil wir uns schon fast zwanzig Jahre kennen und schätzen. » Das absolute Highlight bisher?

«Klar, die EM 2025 in der Schweiz». Auch die Olympischen Spiele 2024 in Paris waren ein Höhepunkt.

«Trotz aller Begleiterscheinungen, die es gibt, sind Olympische Spiele rein sportlich noch immer das Grösste». Sie berichtete über Beachvolleyball, Triathlon, BMX, Reiten und begleitete für einen Tag die Kunstturner-Familie Giubellini. Besonders im Gedächtnis geblieben ist ihr, wie sie und ihr Kameramann bei Julie Derrons überraschendem Silber im Triathlon unkonventionell vorgegangen sind und ausserhalb der berechtigten Zone gedreht haben, nach dem Motto «mutig näher rangehen».

So gelang ihnen die Aufnahme des Moments, als abseits des Geschehens Nicola Spirig ihrer Kollegin zu Silber gratulierte. Im Winter konzentriert sie sich auf den Ski-Nordisch-Bereich, vor allem Langlauf. Im Februar gehörte sie auch zum Team an den Olympischen Spielen in Milano-Cortina. Sie schätzt die langjährige und unkomplizierte Zusammenarbeit mit den Langlauf-Experten Dario Cologna und Adriano Iseppi sowie auch mit Rachel Rinast, der Expertin beim Frauen-Nationalteam im Fussball, und Calvin Stettler, dem SRF-Fussball-Kommentator.

Nebst ihren Einsätzen im Fernsehen ist Seraina Degen bei SRF häufig auch im Radio zu hören. Zudem schrieb sie für mehrere Magazine, darunter «Sportlerin», und ist Co-Buchautorin. Mit vier Freundinnen zusammen hat sie das Buch «Vorbild und Vorurteil – Lesbische Spitzensportlerinnen erzählen» geschrieben. Es sind Geschichten von Sportlerinnen, die über ihre Erfahrungen, Vorbilder, Vorurteile und Diskriminierung sprechen.

«Da es leider noch immer ein heikles Thema ist, war es herausfordernd, die Frauen zu kontaktieren, die ich nicht persönlich kannte. Diversität in Alter und Sportart war uns aber sehr wichtig. » Entstanden sind 28 Porträts von erfolgreichen, bekannten und weniger bekannten Athletinnen aus allen möglichen Sportarten. Wie bringt sie alles unter einen Hut?

«Das frage ich mich manchmal selbst», lacht sie. Hauptantrieb ist die Freude am Beruf. Leidenschaft, Engagement und gutes Zeitmanagement aufgrund der unregelmässigen Arbeitszeiten sind essenziell. Ein verständnisvolles privates Umfeld hilft auch.

Erholung findet Seraina in der Ruhe der Natur oder einfach auf dem Sofa, ohne TV und Radio, dafür mit einem Buch oder einfach beim Nichtstun. Und zum Schluss: Nein, Seraina Degen ist nicht mit den Degen-Zwillingen aus dem Fussball verwandt. Eine Frage, die sie gefühlt schon tausend Mal beantworten musste – und es immer wieder gerne tut.

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