St.Gallen, Thurgau und die beiden Appenzell machen vorwärts mit der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. Sie erlassen eine gemeinsame Liste für Eingriffe, die Spitäler ambulant durchführen müssen. Auch die psychiatrische Versorgung wollen sie künftig über die Kantonsgrenzen hinweg aufgleisen.
St.Gallen, Thurgau und die beiden Appenzell machen vorwärts mit der Zusammenarbeit im Gesundheitswesen. Sie erlassen eine gemeinsame Liste für Eingriffe, die Spitäler ambulant durchführen müssen.
Auch die psychiatrische Versorgung wollen sie künftig über die Kantonsgrenzen hinweg aufgleisen. Die Ostschweizer Kantone St.Gallen, Thurgau und beide Appenzell koordinieren ihre Spitalplanung erstmals gemeinsam. Auch die Psychiatrie soll kantonsübergreifend geplant werden, mit mehr Behandlungen ausserhalb stationärer Kliniken. Vor zehn Monaten haben der Thurgau, St.Gallen und beide Appenzell eine Vereinbarung über die Zusammenarbeit in der Spitalplanung unterzeichnet.
Ein Meilenstein, nachdem sich zuvor der Kanton Thurgau jahrelang quergestellt und eine gemeinsame Spitalplanung mit den drei anderen Ostschweizer Kantonen verweigerte hatte. In der Vereinbarung haben sich die vier Kantone verpflichtet, in den kommenden Jahren gemeinsame Planungsberichte zu erarbeiten und gemeinsame Spitallisten zu erlassen. Dabei geht es um eine qualitativ hochstehende Gesundheitsversorgung, aber auch um kostendämpfende Wirkungen. Denn noch immer gibt es in der Ostschweiz zu viele Spitäler und andere Gesundheitseinrichtugen, die zu viele Leistungen anbieten bei teils geringen Fallzahlen.
Jetzt machen die vier Kantone Nägel mit Köpfen. Sie haben 18 Eingriffe definiert, beispielsweise in der Ellbogen -oder Schulterchirurgie oder in der Gynäkologie, die grundsätzlich ambulant durchgeführt werden müssen. Für die meisten Spitäler gilt die neue Regelung schon ab dem 1. Januar 2027.
Das heisst, die Patientinnen und Patienten können das Spital am Tag des Eingriffs wieder verlassen. Damit sollen hohe Kosten, die bei längeren stationären Spitalaufenthalten anfallen, eliminiert werden. Insgesamt soll der Aufwand um über zwei Millionen Franken jährlich gesenkt werden. Auch in der Psychiatrie wird nun der erste grössere Pflock der neuen Zusammenarbeit eingeschlagen, wie die vier Kantone am Donnerstag bekannt gaben.
Auch hier gilt die Devise: Ambulant vor stationär. In einer Studie haben die vier Kantone ein hohes Verlagerungspotenzial entdeckt. So sollen bis zu 20 Prozent der Patientinnen und Patienten, die heute in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden, künftig in einem Ambulatorium oder in einer Tagesklinik behandelt werden. Die vier Kantone orten auch hier ein erhebliches Kostensenkungspotenzial, indem Fehlanreize eliminiert werden und der Wettbewerb gestärkt wird.
Dabei handelt es sich um die erste über vier Kantone konsolidierte psychiatrische Versorgungsplanung der Schweiz vor. Sie umfasst eine Region mit fast einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern und betrachtet erstmals die gesamte Behandlungskette als zusammenhängendes System von den niedergelassenen Fachpersonen über die intermediären Angebote bis zu den stationären Kliniken. Der Bedarf ist gegeben, wie ein Blick auf die steigenden Fallzahlen in der Psychiatrie bestätigt.
Das in den vier Kantonen niedergelassene Therapiepersonal behandelte allein im vergangenen Jahr knapp 40'000 Menschen im Rahmen von rund 450'000 Konsultationen. Insbesondere auch bei Jugendlichen nehmen die psychischen Erkrankungen zu. So behandelten die zehn Ambulatorien in der Kinder- und Jugendpsychiatrie rund 7600 Fälle gegenüber knapp 5’700 im Jahr 2019, was einem starken jährlichen Wachstum von 5 Prozent entspricht.
Damit setzen die vier Kantone in der Psychiatrie um, was in der Akutsomatik und in der Rehabilitation in den kommenden Jahren noch ansteht: Eine enge Zusammenarbeit mit gemeinsamen Spitallisten. Eine Ausweitung der Planungsregion auf die gesamte Ostschweiz hat auch hier erhebliches Potenzial bezüglich Qualität und Kosten, wie Gesundheitsexperten sagen.
«Entscheid des Kantons Thurgau hat einiges Geschirr zerschlagen»: Jetzt spannen die Ostschweizer Kantone bei der Spitalplanung doch noch zusammen Die Kantone St.Gallen, Thurgau und beide Appenzell arbeiten künftig in der Spitalplanung in den Bereichen Akutsomatik, Rehabilitation und Psychiatrie zusammen. Das soll die Kostenentwicklung dämpfen und die Qualität der Versorgung steigern.
«Allein deswegen werden die Spitäler nicht besser zusammenarbeiten»: Der Thurgauer Spital-CEO Rolf Zehnder zur Ostschweizer Spitalplanung Der Thurgau hat sich vor wenigen Wochen der Ostschweizer Spitalplanung angeschlossen. Rolf Zehnder, CEO der Spital Thurgau AG, über falsche Erwartungen, unternehmerische Freiheiten und künftige medizinische Herausforderungen. Schöne Pläne alleine bringen noch keine tieferen Prämien – die Bewährungsprobe in der Ostschweizer Spitalplanung steht erst bevor Die vier Ostschweizer Kantone wollen eine gemeinsame Spitalplanung aufgleisen. Das ist erfreulich.
Doch einen kostendämpfenden Effekt wird es nur dann geben, wenn alle bereit sind, auf Leistungen und Angebote zu verzichten. Copyright © St. Galler Tagblatt. Alle Rechte vorbehalten. Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von St. Galler Tagblatt ist nicht gestattet.
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