Die Armee spart bei der Ausgabe der Tenü A und verwertet nicht mehr reparierbare Uniformen thermisch, da Recycling zu teuer und aufwendig ist.
Die Schweizer Armee verzichtet zunehmend auf die Ausgabe der alten Ausgangsuniform Tenü A und hat nun auch erkannt, dass die Weiterverarbeitung ausgedienter Kleidungsstücke nicht immer wirtschaftlich ist.
Nach den eingeführten Sparmassnahmen wurden viele Uniformen nicht mehr an alle Soldaten abgegeben. Gleichzeitig fallen bei der Entlassung aus dem Militärdienst alte Kleidungsstücke an. Die Armee prüfte deshalb Angebote zur Entsorgung und zum Recycling. Das Ergebnis fiel deutlich aus: Für nicht mehr reparierbare Uniformen ist die thermische Verwertung laut eigener Auskunft derzeit die zweckmässigste Lösung.
Verdacht auf thermische Verwertung statt Recycling
Die alten Textilien werden damit nicht stofflich recycelt, sondern verbrannt. Der sogenannte Ausgänger war im Schweizer Militärdienst nie besonders beliebt. Der filzige Veston galt vielen als kratzig, die hellgrauen Hosen sassen nach Aussage mehrerer Soldaten oft zu weit. Gerade deshalb wurde das Outfit schon seit Jahren kritisch betrachtet.
Als die Ausgangsuniform im vergangenen Jahr im Rahmen von Sparmassnahmen nicht mehr in gleichem Umfang ausgegeben wurde, blieb der öffentliche Protest überraschend gering. Die Armee will so rund 55 Millionen Franken einsparen. Tausende Uniformen werden dadurch überflüssig, wenn sie nicht mehr an ausmusternde Soldaten ausgehändigt werden können. Die Armee hatte verschiedene Varianten untersucht, wie mit den ausgemusterten Uniformen verfahren werden kann.
Demnach war ein Recycling zwar grundsätzlich vorgesehen, scheiterte jedoch an Kosten und organisatorischem Aufwand. Uniformen und Abzeichen hätten vor einer Weiterverwendung unkenntlich gemacht werden müssen. Auch ein Verkauf kam nicht infrage, weil die Tenü A noch gebraucht werden und das Risiko eines Missbrauchs bestand. Wer genau wie viele Uniformen verbrannt werden, teilt die Armee nicht mit.
Sortierung und Instandsetzung vor der Entsorgung
Eine solche Anzahl wird laut Angaben nicht zentral ausgewertet. Bei der Entlassung aus dem Dienst wurden im Jahr 2025 rund 13'000 Personen erfasst, denen die Rückgabe der Uniformen oblag. Nach der Rückgabe werden die Kleidungsstücke sortiert. Wo möglich, werden sie instand gesetzt und bei Bedarf wieder ausgegeben.
Nur Textilien, die nicht mehr repariert oder anderweitig genutzt werden können, landen in der thermischen Verwertung. Die Armee begründet diese Entscheidung damit, dass neben den direkten Entsorgungskosten auch der logistische Aufwand berücksichtigt werden müsse. Damit stellt sich die Frage, ob die ersparten Kosten bei der Ausgabe der alten Uniformen tatsächlich ausreichen, um die Folgekosten der Entsorgung langfristig zu decken.
Kritiker könnten darin sehen, dass eine scheinbare Einsparung nur dann sinnvoll ist, wenn auch die gesamte Kette von Ausgabe, Rücknahme, Prüfung und Verwertung einbezogen wird. Politisch umstritten war die Ausgangsuniform schon lange. Mitte-Ständerätin Marianne Binder-Keller hatte 2021 gefordert, die mausgraue Uniform moderner zu gestalten. Ihrer Ansicht nach hätte eine zeitgerechte Dienstkleidung mit mehr Stil die Soldaten motivieren und das Erscheinungsbild der Armee in der Öffentlichkeit verbessern können.
Kritik an historischer Beschaffung und Design
Der Bundesrat antwortete damals, dass erste Überlegungen zur Zukunft der Ausgangsuniform angestellt würden. Mit der nun bekannten Entscheidung, nicht mehr gebrauchte Uniformen vor allem thermisch zu verwerten, scheint sich diese Debatte teilweise erledigt zu haben, auch wenn die grundsätzliche Frage nach einem neuen Design weiterhin offen sein kann. Auch bei der Einführung der Ausgänger gab es grosse Auseinandersetzungen. Das Parlament beschloss 1993 die Beschaffung von 180'000 neuen Ausgangsuniformen für insgesamt 114 Millionen Franken.
Verteidigungsminister Kaspar Villiger setzte sich stark für das Projekt ein. Die NZZ schrieb damals sinngemäss, Villiger habe die Soldaten abends nicht in Bluejeans oder verschwitzten Kampfanzügen in Wirtshäusern sehen wollen. Kritiker wie der spätere SVP-Bundesrat Ueli Maurer hielten demgegenüber die traditionelle Uniform für praktisch. Maurer argumentierte, im persönlichen Dienstanzug könne man die Ärmel aufkrempeln, ein T-Shirt tragen und auf eine Krawatte verzichten.
Zudem werde die Ausgangsuniform in der Kampfpackung rasch zerknüllt und nach einigen Jahren in der Taille zu eng. Später griff auch die Eidgenössische Finanzkontrolle die Beschaffung auf. Der Vorwurf lautete, die Ausgangsuniformen seien zu schnell und in zu grossem Umfang gekauft worden. Dadurch hätten bestehende Lagerbestände vorzeitig abgewickelt werden müssen.
Nach Einschätzung der Finanzkontrolle hätte eine bessere Staffelung der Anschaffung damals bis zu 100 Millionen Franken eingespart. Der aktuelle Konflikt um Recycling und Verbrennung knüpft damit an eine ältere Geschichte an: Die Ausgangsuniform war nie nur eine Kleidungsfrage, sondern immer auch ein Thema für Haushalt, Militärkultur, politische Symbolik und öffentliche Wahrnehmung.
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