Schüpfheim zeigt, wie friedlich ein Fanmarsch sein kann

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Schüpfheim zeigt, wie friedlich ein Fanmarsch sein kann
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Beim Blaskapellentreffen zeigt sich, wie ruhig ein Fanmarsch sein kann. Zwischen den Festlokalen geht es ohne Hektik und ohne Zwischenfälle zu.

Irgendwo scheppert leise «Böhmischer Traum» aus dem Handy. Die Fans, friedlich: Keine Kamera überklebt, keine Notbremse gezogen, keine Pyrofackel löst den Brandalarm aus. Kurz vor Entlebuch der erste Einsatz des mobilen Einsatzkommandos «Graue Panther»: Ein rühriges Grosi reinigt mit einem zum Wasserwerfer umfunktionierten Sirupfläschli das vom härzigen Enkel verköselete Sitzpolster.

In Schüpfheim leert sich der Zug ohne Hektik, die Unterführung bleibt sauber wie ein Spitalgang vor der Visite. Logisch, wir sind ja auch Blasmusik- und nicht Fussballfans. Für diese Rowdys wären es schockierende Bilder: Vor dem Stadion, pardon, Adlersaal, feiern Musikanten der Chisetaler Blaskapelle Seite an Seite mit hartgesottenen Ultras im Fanshirt der Buuremuusig Gossau.

Unsere Fanmärsche zwischen den Festlokalen – Adlersaal, Pfarreiheim, Schulhaus, Sporthalle – unterscheiden sich fundamental vom Fussball: kein Gebrüll, keine beseichten Blumenkistli, keine besprayten Schaufenster, keine vermummten Deppen. Der erste und einzige Polizist, dem ich an diesem Sonntagnachmittag begegne, trägt als Kampfmontur nur Chäppli und kurzärmliges Shirt. Beim Blaskapellentreffen ist es schon fast skandalös friedlich, wie schon Wochen zuvor beim Entlebucher Jodlertreffen und beim Biosphärenjubiläum.

Wenn Ende September bei der Alpabfahrt auch noch die Kühe gewaltfrei die Dorfstrasse entlangtrotten, ist Schüpfheim ein heisser Kandidat für den Friedensnobelpreis. Im Freundeskreis schwärme ich von der Festfreude. Fritz schlägt wieder den Bogen zum Fussball, ärgert sich über den unverschämten Mob, der jeweils an Matchtagen durch sein Quartier marodiert. Die Polizei setzt auf Augenmass und Dialog.

Weil es halt so viele sind. Und Fussballfans. Mein Plan steht fest: Ich investiere in Kapuzenpulli und FCL-Schal und spare so künftig in der Stadt die saftigen Parkgebühren. Als Hooligan getarnt kann ich meinen Chlapf doch wohl auf dem Bahnhofplatz stehen lassen.

Da verlasse ich mich ganz auf Augenmass und Dialog. Thomas Lötscher ist ehemaliger Kabarettist und lebt in Malters. Am Freitag äussern sich jeweils Gastkolumnisten und Redaktorinnen unserer Zeitung zu einem frei gewählten Thema. Schüpfheim Copyright © Luzerner Zeitung.

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