Russland greift ukrainische Energieanlagen erneut massiv an

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Russland greift ukrainische Energieanlagen erneut massiv an
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Russland bombardiert erneut Kraftwerke und Stromleitungen in der Ukraine. Neue Sprengköpfe auf Jet-Drohnen könnten die Energieversorgung zusätzlich gefährden.

Russland hat in der Nacht auf den 30. September erneut ukrainische Energieanlagen mit Dutzenden ballistischen Raketen und fast 200 Jet-Drohnen angegriffen. Ziele waren vor allem Wärme- und Wasserkraftwerke sowie Umspannwerke in der Region Kiew. Auch Stromleitungen, die beide Ufer des Dnipro verbinden, sowie Anlagen in anderen Landesteilen wurden getroffen. Es ist die zweite russische Stromkampagne in Folge, die sich wahrscheinlich auf die Hauptstadt mit rund drei Millionen Einwohnern konzentrieren wird.

Hintergrund der russischen Angriffe

Seit Beginn des Krieges im Februar 2022 bombardiert Russland regelmäßig die ukrainische Energieinfrastruktur. Im ersten Kriegswinter 2022/2023 versuchte Moskau, große Teile der Ukraine dauerhaft in einen Blackout zu stürzen. Trotz punktueller Erfolge überforderte diese Aufgabe die russischen Streitkräfte. Seit 2022 stammt der Großteil des ukrainischen Stroms aus drei Atomkraftwerken im von Kiew kontrollierten Gebiet. Diese nachhaltig zu zerstören, ist selbst mit Raketen kaum möglich und hätte weitreichende Folgen. Russland konzentrierte sich deshalb auf die Verteilinfrastruktur, doch auch Angriffe auf Umspannwerke und Transformatoren brachten keinen dauerhaften Erfolg.

Nach dem für die Ukraine kältesten Winter seit 20 Jahren legte die russische Armee eine rund halbjährige Pause bei systematischen Angriffen ein und konzentrierte sich auf andere Ziele. Seit der Nacht auf den 30. September ist damit Schluss. Eine Region wie Kiew zumindest zeitweise vom Stromnetz zu isolieren, ist dagegen realistischer. Rund 15 Prozent der Bevölkerung der Ukraine leben derzeit in der Hauptstadt und ihrer Umgebung. Im vergangenen Winter mussten bei Temperaturen von bis zu minus 20 Grad Hunderttausende Kiewer wochenlang ohne Strom und Heizung auskommen.

Aktuelle Lage und neue Bedrohungen

Diesmal dürfte das Wetter zunächst auf Seiten der Ukraine stehen. Erwartet wird ein vergleichsweise warmer Dezember. Für die ersten Monate des kommenden Jahres werden allerdings kurze Kälteeinbrüche mit Temperaturen bis minus 15 Grad vorausgesagt. Größere Probleme bereitet die Flugabwehr. Der Mangel an Raketen für Patriot-Systeme erschwert das Abfangen russischer ballistischer Raketen. Hinzu kommen Jet-Drohnen, die Kiew seit August teilweise tagelang angreifen. Zuletzt dauerten die Luftalarme mehr als 18 Stunden. Die Drohnen können zwar teilweise abgeschossen werden, die Abfangquote liegt derzeit aber lediglich zwischen 55 und 60 Prozent.

Nach den schweren Angriffen am 30. September stehen zwei Einwohner aus einem Vorort von Kiew vor den Trümmern ihres Hauses. Trotz des voraussichtlich milderen Wetters, einer veränderten Stromproduktion und der Reparatur vieler beschädigter Anlagen dürfte Kiew deshalb erneut ein schwerer Winter bevorstehen. Die ersten größeren Stromausfälle kehrten am Mittwoch in den Alltag zurück: Zeitweise war etwa ein Drittel der Hauptstadt ohne Strom. Andrian Prokip, Leiter des Energieprogramms am Ukrainischen Zukunftsinstitut, sagt, Russland wolle erreichen, dass Kiew gänzlich ohne Strom und Wärme leben muss. Es sei möglich, dass die Hauptstadt erneut wochenlang keinen oder nur wenige Stunden am Tag Strom habe. Besonders anfällig sei die Wärmeversorgung: Die Entwicklung der Angriffe mit Jet-Drohnen deute darauf hin, dass der gezielte Beschuss von kleineren kommunalen Heizwerken ausgeweitet werden kann.

Neue Sprengköpfe auf Jet-Drohnen

Hinzu kommt eine neue Gefahr. Serhij Beskrestnow, technologischer Berater von Präsident Wolodimir Selenski, sprach am Mittwoch von einer schlechten Nachricht: Der Feind setze erstmals einen speziellen Sprengkopf mit kumulativer Schneidwirkung auf einer Drohne ein. Dieser sei speziell für die Zerstörung von Hochspannungsmasten und Eisenbrückenkonstruktionen konzipiert. Stromleitungen lassen sich größtenteils kaum unter die Erde verlegen. Hochspannungsmasten nachhaltig zu zerstören, gelang Russland bislang vor allem mit Raketen – angesichts ihrer Kosten und der Vielzahl möglicher Ziele ein aufwendiges Vorgehen. Wie wirksam der neue Drohnensprengkopf ist, wird sich erst zeigen.

Dass Moskau die beiden Seiten des Dnipro voneinander abschneiden will, zeigte bereits die Angriffskampagne 2025/2026. Dazu passt der erneute Angriff mit Jet-Drohnen auf die Kiewer Südbrücke am Donnerstag. Über eine der strategisch wichtigsten Brücken der Ukraine führt auch eine der drei Metrolinien der Hauptstadt. Der Schaden blieb zwar gering. Doch die beiden Teile Kiews voneinander zu isolieren, bleibt offensichtlich eines der Ziele Moskaus.

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