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Roger Schawinski: Mit 80 Jahren und 70 Liegestützen – so genießt der Boomer seine Bonus-Jahre

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Roger Schawinski: Mit 80 Jahren und 70 Liegestützen – so genießt der Boomer seine Bonus-Jahre
Roger SchawinskiBoomerÄlterwerden

Roger Schawinski, der bekannte Medienunternehmer, veröffentlicht ein neues Buch, in dem er seine Generation, die Boomer, ermutigt, das Beste aus ihrem letzten Lebensabschnitt herauszuholen. In einem Interview spricht er über seine Fitnessroutine, die Vorwürfe an die Boomer-Generation und die Herausforderungen des Älterwerdens.

Wer sich verirrt, der nicht weiss, wessen Reich er gerade betreten hat, wird ihm schnell geholfen. Solide gerahmt, unter glänzendem Glas hängen alte Zeitungsaushänge mit denkwürdigen Schlagzeilen aus Schawinskis Berufsleben: «Radio Schawinski kommt», «Zehntausende wehren sich für Radio 24», «Schawinski flippte aus vor Glück». Der Mann, der über Jahrzehnte Schweizer Mediengeschichte schrieb, ist gut gelaunt und entspannt.

Er ist in diesem Jahr achtzig geworden und will nun mit einem neuen Buch seine Generation, die Boomer, mit Tipps und Tricks und tiefen Gedanken lehren, das Beste aus dem letzten Lebensabschnitt herauszuholen. Herr Schawinski, machen Sie immer noch jeden Tag 70 Liegestütze, wie Sie es mal in einem Interview behauptet haben? Am Stück. Nicht immer morgens. Aber einmal pro Tag. Muss ich es beweisen? Ich begann mit 50 Liegestützen, steigerte mich dann auf 60, und nun bin ich bei 70. Das will ich beibehalten. Ich erwähne im Buch die genaue Zahl nicht, weil es dann doch nur geheissen hätte, der Schawinski will angeben. Aber was man sieht: Man kann auch in meinem Alter mit regelmässigem Training seine Kraft erheblich steigern. Beim Planking schaffe ich bis zu vier Minuten am Stück. Das ist das Resultat eines konsequenten Trainings. Ich bin der Meinung, diese Disziplin muss man aufbringen und so für die eigene Gesundheit sorgen. Ihr Buch heisst «Hallo Boomer, so geniesst du deine Bonus-Jahre». Ist Bonus nicht ein unglückliches Wort? Nicht nur. Bonus erinnert auch an gierige Manager und goldene Fallschirme. Stört Sie das nicht? Diese Assoziation empfinde ich als sehr sonderbar. Ich sage, irgendwann im Leben wird man zu seinem wichtigsten Projekt. Die ersten Boomer werden nun 80. Und wenn die jetzt einiges richtig machen, dann erhalten sie in den kommenden Jahren einen Bonus an Gesundheit und Wohlbefinden. Wie das klappt, steht in meinem Buch. «Irgendwann im Leben wird man zu seinem wichtigsten Projekt»: Roger Schawinski beim Interview Anfang Dezember 2025.\Trotzdem: Viele sehen in den Boomern eine Art Abzocker-Kohorte. Sie hätten besser gelebt als jede Generation vor ihnen – und überliessen ihren Kindern eine Welt in miserablen Zustand. Auch wir haben unsere Eltern kritisiert und infrage gestellt, als wir jung waren. Das ist das Privileg der Jugend, das wiederholt sich. Aber: Die Menschheit hat in den letzten 50 Jahren, in denen die Boomer am Ruder waren, unvergleichlich gut abgeschnitten. Und ich glaube, wir haben die Welt vorangebracht. Natürlich ist nicht alles perfekt, aber unterm Strich, glaube ich, müssen wir uns da nicht schämen. Der US-Publizist Bruce Cannon Gibney nennt die Babyboomer eine «Generation von Soziopathen»: egoistisch, gierig, empathielos. Zu hart? Wie soll ich denn auf eine so pauschale Kritik eingehen? Unbestritten ist doch: Erst mit den Boomern ist beispielsweise die Entwicklungshilfe wirksam ausgebaut oder ein solides Sozialsystem geschaffen worden. Realität ist doch, dass in den letzten Jahrzehnten die Armut weltweit massiv zurückgegangen ist, auch in der Schweiz. Aber ja, wenn die Wirtschaft wächst, dann entstehen auch Probleme. Die steigende Umweltbelastung gehört leider dazu. Diese müssen wir nun in den Griff bekommen. Wie viele Flugkilometer sind Sie denn 2024 geflogen? Einige, das ist klar. Aber das ist nicht das Entscheidende. Diese Fixierung auf Flugkilometer als Kennzahl für die Umweltbelastung ist falsch. Andere Faktoren sind wichtiger. Wenn Sie meinen. Wie viele Quadratmeter Wohnraum pro Kopf beanspruchen Sie mit Ihrem Zuhause am Zürichberg? Viele. Ziemlich viele. Und ich schäme mich nicht dafür. Wollen Sie mir ein schlechtes Gewissen machen? Sie schreiben in Ihrem Buch wörtlich: «Viele Boomer verbleiben in zu grossen Häusern und in Wohnungen mit zu vielen Zimmern.» Und Sie nennen dies «egoistisch». Gilt das auch für Sie? Vielleicht. Aber ich schreibe auch, dass dieses Verhalten nachvollziehbar ist. Weil wir Boomer unsere erworbenen Positionen so lange verteidigen, wie wir es für richtig halten. Ich muss kein schlechtes Gewissen haben. Wo soll ich denn hin? In ein Altersheim? Ich habe mir mein Haus erarbeitet und als\Roger Schawinski hat mehr als einen Gesundheitsratgeber für Boomer geschrieben – sein Buch ist eine ehrliche, stellenweise selbstironische Auseinandersetzung mit dem Älterwerden. Mit 80 Jahren und 70 Liegestützen täglich hat der Medienunternehmer durchaus Autorität in Sachen Fitness. Schawinski meidet die Fallen der Longevity-Industrie: kein Botox, keine Blutwäsche, kein Biohacking-Wahnsinn. Stattdessen liefert er pragmatische Strategien, die tatsächlich funktionieren – von Krafttraining bis Schlafhygiene. Besonders erfrischend: seine ungeschminkte Haltung zu Demenzängsten, zur Schwierigkeit des Loslassens und zur eigenen Villa am Zürichberg, die er sich «erarbeitet» habe. Offen geht Schawinski auch die schwierige Frage der Generationengerechtigkeit an – und gibt selbstkritisch zu, dass seine Generation hier noch einiges besser machen könnte

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