Rocco Delli Colli: Rappi-Präsident über Fussball, Dieci und Shaqiri

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Rocco Delli Colli: Rappi-Präsident über Fussball, Dieci und Shaqiri
Rocco Delli Colli, FC Rapperswil-Jona, Xherdan Shaqiri

Rocco Delli Colli, Präsident des FC Rapperswil-Jona und Dieci-Gründer, spricht im Interview über den Verein, Xherdan Shaqiri und den Frauenfussball.

Rocco Delli Colli, geboren in Italien und seit Jahrzehnten in der Schweiz zu Hause, ist erfolgreicher Unternehmer und seit 2005 Präsident des FC Rapperswil-Jona (FCRJ). Im grossen Interview spricht der 65-Jährige über seine Vergangenheit, seine Pläne und den FCRJ-Mitaktionär Xherdan Shaqiri. Das Gespräch fand auf dem Fischmarktplatz in Rapperswil statt, wo der Zürichsee in der Sonne glitzert und am Horizont die Schwyzer Berge sichtbar sind.

Delli Colli hat aus einem kleinen Lokal mit zwölf Sitzplätzen den Gastronomiebetrieb Dieci aufgebaut. Seit 2005 führt er zudem den FCRJ als Präsident. Der Verein zählt rund 1200 Mitglieder und ungefähr 42 Mannschaften.

Fussball als Schule fürs Leben

Auf die Frage, warum er sich so stark im Fussball engagiere, antwortet Delli Colli, das frage ihn seine Frau jeden Tag. Eine richtige Antwort gebe es nicht, es sei Emotion und Verantwortung. Der Fussball sei eine der wenigen Sportarten, bei denen man wirklich von Integration und sozialer Wirkung sprechen könne.

Schon die Kleinsten kämen zum Verein. Vier- und fünfjährige Kinder schössen auf ein Tor, spielten miteinander und lernten automatisch, sich in einer Gruppe zu bewegen. Sie lernten, mit anderen Kindern zu kommunizieren und respektvoll miteinander umzugehen. Im Fussball lerne man gewisse Dinge automatisch, so Delli Colli: Man sei zwei Stunden auf dem Platz, spiele fünf gegen fünf, kämpfe um den Sieg und müsse plötzlich auch mit einer Niederlage umgehen. Das gebe einem etwas in den Rucksack fürs ganze Leben, das man nicht einfach irgendwo lernen könne.

Eine Niederlage sei im Fussball brutal unmittelbar. Im Geschäftsleben könne man planen, im Fussball plane man etwas und dann gebe es eine Verletzung, einen Schiedsrichterentscheid, einen Gegner oder einen schlechten Tag. So viele Faktoren spielten mit, das sei nicht planbar.

Ziele und Finanzen des FCRJ

Für die laufende Saison will der Verein möglichst schnell viele Punkte gewinnen und mit dem Abstieg nichts zu tun haben. Der Verein sei aber mehr als die erste Mannschaft, betont Delli Colli. Der FCRJ habe eine lange Geschichte als Breitensportverein und eine grosse Nachwuchsabteilung.

Man gehöre sicher zu den Klubs mit den kleinsten Budgets im Schweizer Profifussball. Delli Colli wehrt sich gegen die Vorstellung, drei Millionen Franken stünden nur der ersten Mannschaft zur Verfügung. In dieser Summe seien Frauen, Männer und Nachwuchsteams enthalten. Allein der Nachwuchs mit U18, U16, U15, U14 und U12 koste fast eine Million.

Viele Spieler seien Studenten oder arbeiteten. Man könne von Profibetrieb sprechen, weil sie sechsmal trainierten. Von einem klassischen Profibetrieb könne man aber nicht sprechen, wenn sie dafür nicht entsprechend bezahlt würden.

Xherdan Shaqiri und die Vision

Xherdan Shaqiri ist Mitaktionär bei der FC Rapperswil-Jona 1928 AG. Delli Colli freut sich sehr, dass sich Shaqiri beim Verein einbringt und regelmässig an den Spielen anzutreffen ist, auch bei den Frauen. Shaqiri sei 2025 als Aktionär eingestiegen und besuche regelmässig Spiele der Männer- und Frauen-Teams auf dem Grünfeld. Seine Präsenz stärke die Position des Vereins und mache ihn attraktiver für Spieler und Spielerinnen.

Delli Colli vergleicht die Ausstrahlung des FCRJ mit der von Ambri im Eishockey. Ambri sei ein Klub mit besonderer Ausstrahlung, der Sympathien in der ganzen Schweiz besitze. Warum, könne man nicht genau erklären. Der FCRJ möchte etwas Ähnliches aufbauen: einen Verein, der mit wenig möglichst viel herausholt und eine eigene Identität schafft.

Angesprochen auf die besondere geografische Lage – der Verein gehört zum Kanton St. Gallen, orientiert sich aber stark nach Zürich, dazu kommen Schwyz und Glarus – sagt Delli Colli lachend, man habe mit vier Kantonen zu tun und eigentlich müsste man einen eigenen Kanton haben. Auf die scherzhafte Idee eines Fürstentums mit Lachen, Freienbach und anderen schönen Orten entgegnet er, Napoleon habe einmal einen Kanton Linth gehabt.

Frauenfussball und Nachwuchsförderung

Beim Frauenfussball sieht Delli Colli Handlungsbedarf. Alle redeten darüber, wie toll Frauenfussball sei. An der Frauen-EM 2025 seien die Stadien voll gewesen. Aber dann müsse man auch bereit sein, Geld zu investieren. Die Frauen-Super-League bewege insgesamt vielleicht 800'000 bis eine Million Franken.

Ein Beispiel für die Scoutingarbeit des Vereins ist Noa, ein Spieler, der in der zweiten französischen Division spielte. Der FCRJ sei durch gezielte Suche auf ihn gestossen, nach dem Studium von rund tausend Stunden Videomaterial. Noa hat bereits drei Spiele gemacht, vier Tore erzielt und zwei Assists geliefert. Delli Colli lobt seine Qualitäten, betont aber, dass er jetzt Charakter zeigen und sich weiterentwickeln müsse.

Ausbildung bedeute, Menschen eine Plattform zu geben. Sie müssten etwas leisten, und der Verein müsse etwas leisten. Darum gehe es.

Auf seine eigene Geschichte angesprochen – er kam als junger Mann aus Italien in die Schweiz und baute später Dieci auf – sagt Delli Colli, natürlich mache ihn das stolz. Es sei schön, was daraus geworden sei. Ob es Zufall, Fähigkeit oder Intuition gewesen sei – wahrscheinlich von allem etwas.

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