Rickentunnel-Unglück 1926: Neun Tote und die Folgen

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Rickentunnel-Unglück 1926: Neun Tote und die Folgen
Rickentunnel, Eisenbahnunfall, St.Galler Tagblatt

Am 4. Oktober 1926 starben neun Menschen im Rickentunnel an einer Rauchgasvergiftung. Es war der schwerste Eisenbahnunfall der Ostschweizer Geschichte.

Am 4. Oktober 1926 starben im Rickentunnel neun Menschen an einer Rauchgasvergiftung. Es war nach der Anzahl der Toten der schwerste Eisenbahnunfall der Ostschweizer Geschichte. Ein Zug fuhr in den Tunnel ein und erreichte die andere Seite nie. Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer, und am Tag nach dem Unglück berichteten Zeitungen schweizweit ausführlich. Das St.Galler Tagblatt war schon gut informiert und berichtete zutreffend von einer Vergiftung von neun Eisenbahnern durch Kohlegase.

Politische Konsequenzen nach dem Unglück

Schon die Abendausgabe des gleichen Tages verkündete den ersten politischen Schritt. Während Bundes- und Regierungsräte noch die Familien der Opfer besuchten, reichte der Kaltbrunner Nationalrat Jakob Steiner bereits eine Interpellation ein, was gegen die Umstände getan werden könne. In den 20er-Jahren war die Elektrifizierung des Schweizer Schienennetzes in vollem Gange. Schon früher hatte die St.Galler Politik eine Elektrifizierung des Rickentunnels gefordert. Die SBB hatten diese aber zuvor abgelehnt, da die Nebenstrecke wenig befahren war.

Doch nun ging es schnell. Nur acht Monate später, am 7. Mai 1927, verkündete das Tagblatt salbungsvoll, dass die Zeit vorbei sei, in der schwere, dicke Rauchwolken die Tunneleingänge umqualmten und drinnen in der Finsternis die verderblichen Gase dem Personal den Dienst zur Qual machten. Rauchfrei sei der Tunnel – welche Erlösung.

Strafuntersuchung und Verantwortliche

Der Bericht zur Strafuntersuchung macht allerdings weitere Schuldige aus. Namentlich Bahningenieur Walo Wild. Ihm unterlag die technische Verantwortung auf dem Streckenabschnitt. Im Gegensatz zu den einfachen Arbeitern wusste er über die Gefahren im Tunnel genau Bescheid. Es wäre seine Aufgabe gewesen, sicherzustellen, dass das Bahnpersonal im Umgang mit der Gefahr und vor allem mit Sauerstoffgeräten geschult ist, und dafür zu sorgen, dass jederzeit genügend solcher Geräte vorhanden sind.

Das hätte wahrscheinlich keinen Einfluss auf das Personal des Unglückszugs gehabt, wohl aber auf die gestorbenen Retter. Der Bericht nimmt auch den Oberbahnarzt in die Verantwortung, der den Gefahren im Tunnel ebenfalls zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt hat. Schliesslich wird im Bericht zur Strafuntersuchung auch Hans Zobrist in die Pflicht genommen. Der Wattwiler Bahnhofsvorsteher, der beinahe selbst im Tunnel gestorben wäre, hätte sich mit der Handhabung der Sauerstoffapparate vertraut machen müssen. So hätte er die Gefahr für sich und seine Rettungsexpedition abwenden können.

Quellen und historische Einordnung

Die wichtigste Quelle für den Text ist der Bericht des Bezirksamtes See über die strafrechtliche Untersuchung betr. Das Eisenbahnunglück im Rickentunnel vom 4. Oktober 1926, vorhanden im Staatsarchiv St.Gallen. Daneben wurden weitere Akten und ergänzende Expertenberichte aus dem Staatsarchiv sowie Zeitungsartikel beigezogen.

Das Unglück im Rickentunnel ist, gemessen an der Zahl der Toten, die schwerste Katastrophe der Ostschweizer Eisenbahngeschichte. Es führte nicht nur zu politischen Konsequenzen, sondern auch zu strafrechtlichen Untersuchungen, die die Verantwortlichkeiten klar benannten. Die Elektrifizierung des Tunnels wurde beschleunigt und markierte einen Wendepunkt in der Sicherheit des Bahnverkehrs in der Region.

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