Der aus Würenlos stammende Leo startete mit seiner Reiseplattform Vamos Reisen, die sich an junge Erwachsene aus der Schweiz richtet. Inspiriert von seiner eigenen Soloreise durch Asien und der positiven Resonanz auf Social Media, organisiert Leo gebuchte Gruppenreisen, bei denen Teilnehmer zwischen 18 und 21 Jahren neue Freunde finden und ihre Komfortzone verlassen können. Leo legt Wert auf eine passende Gruppenkonstellation und kontaktiert Interessierte vorab persönlich.
Trotzdem ist die erste Reise für den jungen Aargauer aus Würenlos ein Erfolg, bevor sie überhaupt begonnen hat: «Sie ist komplett ausgebucht», erzählt Leo, wie ihn alle nennen, gegenüber 20 Minuten.
«Die Teilnehmenden sind zwischen 18 und 21 Jahre alt, kommen alle aus der Schweiz und sind über Social Media auf mich aufmerksam geworden. »Dass Leo einmal fremde Menschen zusammenbringen würde, hätte er selbst nicht erwartet.
«Früher war ich recht introvertiert», sagt er. Der Wendepunkt kam auf einer viermonatigen Soloreise durch Asien. Leo teilte seine Erlebnisse auf Social Media – und bekam daraufhin immer wieder Nachrichten von Menschen, die wissen wollten, wie er allein zurechtkomme und unterwegs neue Kontakte knüpfe. Dabei hatte er genau davor selbst grossen Respekt.
«Ich hatte wirklich Angst, auf Leute zuzugehen», erzählt er. «Ich habe mir vor der Reise viele Gedanken darüber gemacht, dass ich vielleicht einsam im Hostel hocke und keine Freunde finde. » Unterwegs habe er dann das Gegenteil erlebt: Er lernte neue Menschen kennen und verliess immer wieder seine Komfortzone.
Aus diesen Erfahrungen und den Nachrichten seiner Follower entstand allmählich die Idee für Vamos Reisen: Gruppenreisen für junge Menschen aus der Schweiz, die nicht nur ein neues Land sehen, sondern auch neue Leute kennenlernen wollen. Leo beobachte auch bei anderen Jungen, dass sie Hemmungen hätten, Fremde anzusprechen. Seine Reichweite helfe dabei: «Wer mich bereits aus Videos kennt, weiss ungefähr, wie ich ticke und traut sich vielleicht eher, mich anzuschreiben.
»in die Ferien will, kann nicht einfach auf «Buchen» klicken und bezahlen. Auf der Website müssen Interessierte zuerst eine Anfrage stellen. Viele melden sich auch direkt über Social Media bei Leo, mit einigen telefoniert er vorab.
«Mir ist wichtig, dass die Konstellation stimmt und ich nicht einfach irgendeine Gruppe zusammenwürfle», sagt er. Privat Das Angebot richtet sich grundsätzlich an 18- bis 30-Jährige. Das Alter allein soll aber nicht entscheiden. Auch die Einstellung und die Gruppendynamik seien wichtig.
Ist jemand älter, spricht Leo persönlich mit den Interessierten und versucht einzuschätzen, ob sie zur Gruppe passen könnten. In so einem Fall hat er auch schon eine Person ablehnen müssen. Leo ist sich bewusst, dass sich dadurch einzelne Personen ausgeschlossen fühlen könnten. Ganz vermeiden lasse sich das nicht: «Wir möchten verhindern, dass jemand danach sagt: ‹Das war eine schlechte Reise›, weil die Gruppenkonstellation nicht gestimmt hat.
» Sollten sich künftig viele Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen anmelden, könnte sich Leo deshalb auch separate Gruppen vorstellen. Stehen die Teilnehmenden fest, kommen sie in einen gemeinsamen Whatsapp-Chat und stellen sich dort vor. So sollen aus Fremden bereits vor der Abreise zumindest bekannte Gesichter werden. Am liebsten in einer kleinen Gruppe, da lerne ich leichter Leute kennen.
Ich reise vor allem wegen der Destination, nicht wegen neuer Kontakte. Bei der ersten Reise finanziell verkalkuliert Vom 3. bis 7. Oktober geht es für Vamos Reisen erstmals in die Dolomiten. Die Reise kostet 520 Franken pro Person.
Finanziell geht die Rechnung allerdings noch nicht auf: Bei der Planung seien kleinere Ausgaben zusammengekommen, die Leo zunächst nicht einkalkuliert habe.
«Etwa die Stromkosten auf dem Campingplatz», sagt Leo. «Unter dem Strich kommt die Reise ungefähr bei Null raus», erklärt er. «Das ist okay, daraus lernt man. » Für die nächste Reise wolle er deshalb genauer kalkulieren.
Die nächste Destination steht bereits fest: Im Januar soll es für einen Monat nach Thailand gehen, unter anderem nach Bangkok, Chiang Mai, Koh Samui und Koh Phangan. Pro Person kostet die Reise 2990 Franken, der Flug ist darin nicht enthalten. Leo begründet das mit zusätzlichen rechtlichen Anforderungen: «Das würde unter eine Pauschalreise fallen, dazu müsste ich zusätzliche gesetzliche Vorgaben erfüllen», erklärt er. Noch ist Vamos Reisen für den 22-Jährigen kein Job, von dem er leben kann.
Leo kommt ursprünglich auch nicht aus der Reisebranche: Er machte eine Ausbildung zum Koch, arbeitete später im Büro und ist derzeit noch im Zivildienst. Wenn er abends nach Hause kommt, beginnt für ihn deshalb oft die zweite Schicht. Dann setzt er sich vor den Laptop, produziert oder schneidet Videos und geht auf Tiktok live.
«Es ist ein Balanceakt», sagt er. «Ich stecke aktuell meine ganze Freizeit in Vamos Reisen und in Social Media. » Selbst seine Ferien brauche er inzwischen für die Gruppenreisen. Dabei kann er auf Unterstützung von seiner Familie zählen.
Sein Bruder ist Softwareentwickler und unterstützt ihn beim technischen Aufbau der Website. Zudem begleitet ein Kollege die erste Reise und hilft vor Ort mit. Leo hat ein klares Ziel, erzählt er.
«Ich hoffe, dass ich in einem Jahr von Vamos Reisen leben kann und mich in Zukunft ein kleines Team unterstützt. » Dass er überhaupt einmal ein eigenes Reiseunternehmen gründen würde, überrascht ihn: «Ich hätte früher nie gedacht, dass ich so etwas machen könnte. »
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