Nach Guy Parmelins Rücktritt streiten Experten darüber, ob die SVP eine Kandidatin aus der Westschweiz oder eine Frau nominieren muss. Besonders die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz wird kontrovers diskutiert, während andere Experten eine Lösung aus der Deutschschweiz für möglich halten.
Politexperten streiten vor allem darüber, ob die SVP eine Person aus der Westschweiz nominieren muss. Besonders umstritten ist die Genfer Nationalrätin Céline Amaudruz: Die einen geben ihr gute Chancen, andere fast keine.
Wer nicht im Bundesparlament sitzt, etwa ein Regierungsmitglied aus einem Kanton, hat laut den Experten kaum eine Chance. Kaum hat Guy Parmelin seinen Rücktritt angekündigt, beginnt in Bern das grosse Rätselraten: Wer bekommt den frei werdenden SVP-Sitz im Bundesrat? blue News hat schon vor der Ankündigung bei vier Politexperten nachgefragt. Ihre Antworten zeigen, wie offen das Rennen ist. Bei manchen Namen liegen die Einschätzungen meilenweit auseinander.
Bevor es um Namen geht, stellt sich eine Grundsatzfrage: Muss die Nachfolge wie Parmelin selbst aus der Romandie kommen? Ja, findet René Knüsel, Westschweizer Politologe von der Universität Luzern: «Bei einem einzelnen Rücktritt sollte die Nachfolge entweder welsch oder weiblich sein – oder beides. » Die Partei werde vor allem auf die Herkunft achten. Deshalb setzt er auch Nicolas Kolly auf seine Liste.
Politberater Louis Perron sieht das anders: «Der Zeitpunkt wäre für die SVP ideal. Denn es könnte momentan problemlos auch jemand aus der Deutschschweiz sein. »Keine Kandidatin spaltet die Experten so stark wie die Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz. Für Knüsel hat sie das beste Profil.
Sie könnte damit zur ersten SVP-Frau im Bundesrat werden. Zuvor wurde zwar Eveline Widmer-Schlumpf im Jahr 2007 als SVP-Mitglied gewählt. Ihre Wahl führte aber zu parteiinternen Querelen und schliesslich zur Gründung der BDP, weshalb sie von der Partei nie als eigene Bundesrätin anerkannt wurde. Die Genfer SVP-Nationalrätin Céline Amaudruz hat für den Westschweizer Politologen René Knüsel das «beste Profil».
Kommunikationsberater Mark Balsiger traut der Genferin «sehr gute Chancen» zu, allerdings unter zwei Bedingungen: Sie muss es auf den offiziellen Wahlvorschlag der SVP schaffen, und die Mehrheit im Parlament muss eine schwache SVP-Bundesrätin wollen. Michael Hermann vom Forschungsinstitut Sotomo winkt ab. Er glaubt, dass Amaudruz schon in der eigenen Fraktion kaum Chancen hat. Und er bezweifelt, dass sie überhaupt antreten will.
Wer Bundesrat werden will, muss zwei Hürden nehmen. Zuerst muss die eigene Fraktion, also die SVP-Parlamentarier*innen, die Person auf den Wahlvorschlag setzen. Danach braucht sie eine Mehrheit der Bundesversammlung, in der National- und Ständerat gemeinsam wählen. Genau hier scheitern laut Hermann einige prominente Namen.
Magdalena Martullo-Blocher, Thomas Aeschi, Pascal Schmid und Nicolas Kolly hätten zwar Potenzial in der Fraktion. Für die Mehrheit des Parlaments seien sie aber nicht wählbar. Beide Hürden nehmen könnten aus seiner Sicht eher Esther Friedli und Michael Götte. Der Berner Nationalrat Lars Guggisberg sei zwar auch ein prominenter Name.
Der Kanton Bern sei aber mit Albert Rösti bereits in der Regierung vertreten. Besonders steinig ist der Weg für alle, die nicht im Bundeshaus sitzen. Das betrifft etwa Regierungsmitglieder wie Natalie Rickli , Michèle Blöchliger , Cornelia Stamm Hurter oder Urs Martin . Natalie Rickli war lange eine der bekanntesten SVP-Nationalrätinnen.
Seit 2019 ist sie Mitglied des Zürcher Regierungsrates. Wer nicht im Parlament sitze, habe es «grundsätzlich schwierig», sagt Perron. Ausser, das Parlament wolle damit einen der eigenen Leute verhindern. Genau das war laut Hermann beim Zuger Mitte-Politiker Martin Pfister der Fall: Er hatte nur eine Chance, weil Markus Ritter für die Bundesversammlung nicht wählbar war.
Der Politberater Balsiger hat den Eindruck, dass die SVP-Fraktion diesmal jemanden aus der Deutschschweiz will. Er hält aber eine Wiederholung von 2015 für möglich. Damals setzte die Partei auf Thomas Aeschi. Die beiden Kandidaten aus der lateinischen Schweiz, Guy Parmelin und Norman Gobbi, standen laut Balsiger nur als Feigenblätter auf dem Wahlvorschlag.
Gewählt wurde am Ende hingegen Parmelin. Exklusiver Blick hinter die Kulissen: So läuft eine Bundesratswahl wirklich ab Wolltest du schon immer wissen, wie es im Bundeshaus zugeht, wenn ein neues Mitglied des Bundesrats gewählt wird? blue News Redaktor Dominik Müller nimmt dich ins Bundeshaus mit und zeigt dir einmalige Einblicke.
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