Portugal diskutiert über Ronaldo: Der Verband vergibt die Nummer 7 neu

Fussball Nachrichten

Portugal diskutiert über Ronaldo: Der Verband vergibt die Nummer 7 neu
Nationalmannschaft, Fussball, Sport

Die Autorin aus Portugal blickt mit gemischten Gefühlen auf den Abschied von Cristiano Ronaldo. Sie findet, er hätte auf der Bank Grösse zeigen können.

Als Portugiesin schmerzt Cristiano Ronaldo s Abgang aus der Nationalmannschaft. Und trotzdem denke ich: CR7 hätte es besser machen können. Ronaldo wird in Portugal vor allem von einer Sorte Mensch geliebt: Journalisten.

Niemand sonst bietet ihnen so viel Futter wie dieser Superstar. Seit demund Ronaldos Abgang aus der Nationalmannschaft überschlagen sich die Schlagzeilen in Portugal. Ganze Sendungen beschäftigen sich nur mit diesem Thema. : Die Nummer 7 geht nun an Jungstar Rafael Leão.

Auf Instagram verliert der Verband Follower. Auf Social Media häufen sich Memes. Teils belustigend, teils voller Abschiedsschmerz. Stoff für eine portugiesische Seifenoper!

Wer jetzt denkt, dass Ronaldo in Portugal wie ein Gott verehrt wird, der irrt sich gewaltig. Als Portugiesin erlebe ich die Diskussion um CR7 immer wieder hautnah. Niemand ist dem Jungen aus Madeira gegenüber kritischer als das portugiesische Volk. Es bespuckt ihn verbal, wenn er nichts leistet.

Wünscht ihn raus aus der Nationalmannschaft – und das von Beginn an. Und doch liebte es ihn abgöttisch, wenn er glorreiche Momente herbeizaubert – auch wenn diese Liebe nur von kurzer Dauer war. 2004 trat er noch mit der Nummer 17 an. Die 7 erbte er 2007 nach Figos Rücktritt aus der Nationalmannschaft. Auch ich war am Anfang irritiert von ihm.

Als ich ihn zum ersten Mal für die portugiesische Nationalmannschaft spielen sah, nervte mich seine arrogante Art. Diese Energie, dieser Hunger. Je älter ich wurde, desto mehr verstand ich ihn. Vor allem habe ich seinen unbändigen Willen bewundert, immer besser zu werden.

Wenn er niedergemacht wurde, trieb ihn das an, nochmals mehr zu leisten und alle zum Schweigen zu bringen. Diese Stärke, immer wieder aufzustehen und weiterzumachen, hat mich beeindruckt. Aber muss ich trotz der Bewunderung für seinen Ehrgeiz mit allem einverstanden sein, was er macht? Nein.

Wie er sein Leben führt, tangiert mich nicht. Was mir aber sauer aufstösst, ist sein jetziges Verhalten. Er spielt heute mit Fussballern, die mit ihm gross geworden sind, die zu ihm aufgeschaut und ihn als Idol verehrt haben. Damit trägt er eine Verantwortung – als Fussballer, als Kapitän und als Vorbild für Millionen.

Wer einen solchen Einfluss hat, muss sich auch bewusst sein, was das eigene Verhalten auslöst. Ich habe Ronaldo nie nur für einen Hitzkopf gehalten. Ich habe immer gedacht, dass hinter dieser eruptiven Energie auch eine gewisse Intelligenz und Reflektiertheit steckt. Und genau das hätte er jetzt beweisen können, indem er die Entscheidungen von Trainer Jorge Jesus respektiert.

Ich verstehe, dass es weh tut, wenn man nach einer Karriere auf höchstem Niveau plötzlich auf der Bank sitzt und den Jüngeren zusehen muss, wie deren Stern aufsteigt. Ronaldo ist 41. Natürlich ist er nicht mehr derselbe Spieler wie vor zehn Jahren. Die Explosivität ist nicht mehr dieselbe, Chancen bleiben liegen, die er früher vielleicht verwandelt hätte.

Das ist keine Schande. Das ist der Lauf des Lebens. Beim EM-Final 2016 bewies er, als er verletzt ausscheiden musste, dass er auch abseits des Feldes einen entscheidenden Einfluss haben kann für seine Teamkollegen. Und zum Lauf des Lebens gehört auch, dass wir uns weiterentwickeln müssen.

Was uns einmal erfolgreich gemacht hat, funktioniert nicht zwingend für immer. Irgendwann müssen wir alte Mechanismen hinterfragen und lernen, mit einer neuen Rolle umzugehen. Genau an diesem Punkt steht Ronaldo jetzt. Das zu akzeptieren – genau darin hätte er wahre Grösse beweisen können.

Er hätte auf die Seite treten können, weil er weiss, dass er alles bewiesen hat, was er zu beweisen hatte. Er hätte verstanden, dass es Zeit ist, der nächsten Generation den Platz zu überlassen. Aber wie geht einer wie Ronaldo damit um? Er reagiert, wie er immer reagiert hat, wenn er ausgebuht oder infrage gestellt wurde.

Mit Cristano Ronaldo im Team gewann die portugiesische Fussball-Nationalmannschaft die EURO 2016 – etwas wo von frühere Generationen nur träumen konnten. Ronaldo wäre nicht Ronaldo, würde er sich mit ein paar netten Worten, einer Gala und einem Blumenstrauss von der Nationalmannschaft verabschieden. Ronaldo musste mit einem Knall gehen. Das war vorhersehbar.

Und trotzdem hätte ich mir einen anderen Abgang gewünscht. Es wäre CR7s Chance gewesen, seine Kritiker zum Schweigen zu bringen. Nicht mit Toren oder Rekorden. Sondern mit portugiesischer Bescheidenheit: zurückgelehnt auf der Ersatzbank, sich seiner selbst sicher.

Endet so unrühmlich die Nationalmannschaftskarriere von Ronaldo? Einen Tag vor dem Spiel gegen Dänemark erfährt der Superstar, dass er wieder nicht in der Startelf steht – und verlässt das Team. Nachdem Cristiano Ronaldo gegen Norwegen ohne Einsatz verblieb, blieb er auch den Trainings der portugiesischen Nationalmannschaft fern – und selbst Verbandspräsident Pedro Proença musste bereits vermittelnd eingreifen. Cristiano Ronaldo hat die portugiesische Fussball-Nationalmannschaft kurz vor dem Auswärtsspiel in Dänemark mit einem Privatjet fluchtartig verlassen.

Zuvor war der Streit mit Trainer Jorge Jesus eskaliert. Copyright © St. Galler Tagblatt. Alle Rechte vorbehalten. Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von St. Galler Tagblatt ist nicht gestattet.

Wir haben diese Nachrichten zusammengefasst, damit Sie sie schnell lesen können. Wenn Sie sich für die Nachrichten interessieren, können Sie den vollständigen Text hier lesen. Weiterlesen:

tagblatt_ch /  🏆 32. in CH

Nationalmannschaft Fussball Sport Cristiano Ronaldo Portugal Fußball-Europameisterschaft 2016

 

Switzerland Neuesten Nachrichten, Switzerland Schlagzeilen

Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.

Lesernoten: Der «Mann der Stunde» verzückt die Fans – aber der Beste ist ein andererLesernoten: Der «Mann der Stunde» verzückt die Fans – aber der Beste ist ein andererDie Schweizer Nationalmannschaft mag die Tamedia-Leserschaft grösstenteils zu überzeugen. Zeki Amdouni besticht mit einem weiteren Tor, Bestbewerteter ist jedoch ein Verteidiger.
Weiterlesen »

Schweizer Nati: Wie weiter mit Embolo und Xhaka nach Zertifikatsaffäre?Schweizer Nati: Wie weiter mit Embolo und Xhaka nach Zertifikatsaffäre?Der SFV steht in der Zertifikatsaffäre um Embolo und Xhaka in der Kritik. Die Runde der «Dritten Halbzeit» fordert vom Verband eine klare Linie.
Weiterlesen »

Ronaldo bleibt bei Portugal ohne Einsatz – jetzt muss der Verbandspräsident schlichtenRonaldo bleibt bei Portugal ohne Einsatz – jetzt muss der Verbandspräsident schlichtenCristiano Ronaldo fehlte nach dem Spiel gegen Norwegen auch im Training. Selbst der Verbandspräsident schaltete sich ein, um die Lage zu beruhigen.
Weiterlesen »

Ronaldo-Frust sorgt bei Portugal für UnruheRonaldo-Frust sorgt bei Portugal für UnruheCristiano Ronaldo sorgt bei Portugals Nationalmannschaft für Unruhe. Der 41-Jährige trainiert seit Tagen nicht mehr mit dem Team. CR7 soll mit seiner Rolle unter Nationaltrainer Jorge Jesus unzufrieden sein.
Weiterlesen »