Drei neue Zumthor-Gebäude für die Fondation Beyeler
Würde man ein Museumsgebäude in seine Einzelteile zerlegen, dann ergäbe das Peter Zumthors neu gebaute Erweiterung für die Fondation Beyeler – drei Gebäude mit unterschiedlichsten Funktionen.
Ein Pavillon für Veranstaltungen, ein Bürogebäude für die Administration und ein Museumsbau nur für die Kunst. Zumthor liebt es, Klarheit zu schaffen – vor allem, was die Funktionen betrifft. So hat er es auch in seinem neuen Museum in Los Angeles gehalten: Die Ausstellungsfläche ist das eine, alles andere wird in separate Kuben ausgelagert. In Riehen führt das dazu, dass man neben Renzo Pianos Hauptgebäude zunächst nur einen neuen Pavillon sieht.
Eine Fensterfront, eingefasst mit Eichenholz und Stahldach, man könnte meinen, eine Hommage an die Moderne von Mies van der Rohe. Erst wenn man weitergeht, sieht man das Herzstück von Zumthors neustem Werk. Das aus Jurakalkstein gebaute Wyss-Museum, das auch als die eigentliche Erweiterung des Museums gelten darf. Daneben sind die Büros in einem dritten Gebäude untergebracht, das mit seiner rudimentären Holzfassade stark an Zumthors eigenes Atelier in Haldenstein erinnert.
Pavillon im Parkdenkmal Zumthor will das Museum vom Ballast des Alltags befreien. Dafür ist er das Risiko eingegangen, vom Wettbewerb ausgeschlossen zu werden. Denn der Park ist denkmalgeschützt und es brauchte anscheinend einiges an Überzeugungsarbeit, dass er den Pavillon im Park bauen durfte. Anfang Bildergalerie Bildergalerie überspringen Ende der Bildergalerie Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
Überhaupt ist der Schutz der Landschaft ein grosses Thema. Steht das neue Ausstellungsgebäude doch am Rand eines zweiten Parks mit sehr altem Baumbestand, um den herum der Architekt bauen musste. So entstand der Grundriss eines Ypsilons, in dessen oberer und seitlicher Einbuchtung zweihundert Jahre alte Bäume stehen. So ist es naheliegend, dass Zumthor die Natur in die Ausstellungsräume holt.
Während in Renzo Pianos Hauptgebäude das meiste Licht von oben kommt, ist das Wyss-Museum ein Seitenlicht-Museum. Zumthor besteht je länger, je mehr auf direktes seitliches Tageslicht und führt den Besucher mit grossen Panoramafenstern dem Licht entlang durchs Museum. Oben im dritten Stockwerk angelangt erreicht man eine Terrasse, mit Blick in den Schwarzwald und den Jura. Eine Treppe in der Mauer führt wieder nach unten in den Park.
Fenster zum Garten Keine Eingangshalle, kein Shop stört die Atmosphäre. Man betritt das Museum und ist sofort mit Wolfgang Tillmanns «Tree filling window»-Aussicht auf einen Garten konfrontiert. Die Fotografie wird zum Fenster, auch so wird dem Besucher klargemacht, worum es dem Architekten geht. Auf drei Stockwerken zeigt die Fondation die Schätze ihrer eigenen Sammlung von der zeitgenössischen Kunst bis zur Klassischen Moderne – von Roni Horn bis Pablo Picasso.
Einiges stammt auch aus Sammlungen nahestehender Mäzene, wie eine Serie von Magritte-Bildern des Präsidenten der Beyeler-Stiftung, Hansjörg Wyss. Er ist es auch, der die Finanzierung der 120-Millionen-Museumserweiterung zum grossen Teil sicherte. Der ehemalige Medizintechnik-Unternehmer ist einer der ganz grossen Geldgeber der Kunst wie auch der Wissenschaften. So finanziert er sowohl die ETH mit Instituten im Bereich der Medizinforschung als auch die Harvard University in den USA, wo er auch lebt.
Und eben die Fondation Beyeler. Ein Glücksfall, denn ohne diese privaten Gelder würde es den neusten Wurf des Architekten Zumthor nicht geben.
Switzerland Neuesten Nachrichten, Switzerland Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Ehemaliger CDU-Minister Peter Altmaier über Deutschland am ScheidewegAfD und Linke stellen die CDU in den Schatten. Der frühere CDU-Minister Peter Altmaier über Deutschland am Scheideweg.
Weiterlesen »
Peter Thiel in Berlin mit Preis ausgezeichnetPeter Thiel wurde in Berlin als wirkungsvollster Deutscher ausgezeichnet. Mathias Döpfner lobte den Paypal-Mitgründer als besten Risikoanleger des 21. Jahrhunderts.
Weiterlesen »
«AfD-Ausgrenzungsstrategie war ein Fehler»: Hans-Peter Friedrich, ehemaliger CDU-Innenminister, zerpflückt die Brandmauer von Friedrich MerzEx-Innenminister Hans-Peter Friedrich kritisiert die AfD-Ausgrenzung der CDU als Fehler und fordert einen Kurswechsel. Er betont die Notwendigkeit einer klaren Union-Identität.
Weiterlesen »
Ai Weiweis Antikriegs-Installation: 500 Stahlhelme als Pilze vor Sydneyer Museum500 gusseiserne Kampfhelme «spriessen» vor einem Sydneyer Museum – inspiriert von Deutschlands umstrittener Helmlieferung an die Ukraine.
Weiterlesen »
