Wer in Gesellschaft isst, reguliert den Blutzucker effizienter. Forschende haben entdeckt, dass die Anwesenheit einer vertrauten Person körperliche Prozesse direkt beeinflusst.
trotzdem macht es für den Körper offenbar einen Unterschied, wer mit am Tisch sitzt. Ob du allein isst oder eine dir108 Erwachsene zwischen 18 und 37 Jahren nahmen am Experiment teil.
Alle waren seit mindestens neun Monaten in einer Beziehung. Für den Versuch assen sie rund 100 Gramm Weissbrot, das 50 Gramm Kohlenhydrate enthielt. Einmal waren sie dabei allein, beim anderen Mal warMit Kolleginnen und Kollegen oder in einer Gruppe. Nach dem Essen steigt beim Menschen der Blutzucker an.
Der Körper schüttet daraufhin Insulin aus, damit die Zellen den Zucker aus dem Blut aufnehmen können. Ein hoher Anstieg geht allerdings häufig mit einem darauffolgenden Zusammenbruch einher, etwa beim bekannten Nachmittagstief. Was sich beim Experiment zeigte, überraschte daher. Der Blutzuckeranstieg fiel zusammen mit der Partnerin oder dem Partner kleiner aus.
Ausserdem kehrte die Kurve schneller wieder in Richtung Ausgangswert zurück. Verglichen die Forschenden dieselben Personen in beiden Situationen, fiel die gesamte Blutzuckerreaktion über zwei Stunden mit Partner im Schnitt rund 15 Prozent geringer aus. Eine naheliegende Erklärung wäre: In Gesellschaft sind wir entspannter, deshalb reagiert auch der Körper anders. Ganz so einfach scheint es aber nicht zu sein.
Die Forschenden zeichneten während des Experiments auch körperliche Stressreaktionen auf. Diese erklärten den Unterschied beim Blutzucker nicht. Auch Berührungen waren nicht ausschlaggebend. Die Partner durften zwar miteinander sprechen und sich berühren, doch der Effekt auf den Blutzucker blieb auch bestehen, als die Forschenden den Einfluss von Körperkontakt berücksichtigten.
«Wir dachten lange, der Körper sei ein isoliertes System, das sich selbst reguliert», erklärt Shir Atzil, eine der Studienautorinnen, gegenüber «ScienceAlert». Die Ergebnisse zeigten jedoch, dass die menschliche Physiologie «von Grund auf sozial» sei. Mit anderen Worten: Schon die Anwesenheit einer vertrauten Person scheint eine Rolle zu spielen. Beim Weissbrot blieb es nicht.
Das Forschungsteam testete dasselbe Prinzip auch in anderen Situationen. 116 Erwachsene mussten für fünf Minuten in einen zwölf Grad kalten Raum ausharren. Auch hier regulierte ihr Körper die Temperatur in Anwesenheit der Partnerin oder des Partners im Schnitt effizienter. In einem weiteren Versuch untersuchten die Forschenden die körperliche Reaktion auf einen kurzen Stressreiz. Auch dabei zeigte sich insgesamt dasselbe Muster: War eine nahestehende Person dabei, fiel die körperliche Reaktion geringer aus oder klang schneller ab.
Auch bei Stress zeigte sich ein ähnliches Muster: War eine nahestehende Person dabei, fiel die körperliche Reaktion geringer aus oder klang schneller ab. Die Forschenden nennen dieses Prinzip «Social Physiology», auf Deutsch etwa soziale Physiologie. Ihre Idee dahinter: Unser Körper reguliert sich möglicherweise nicht völlig unabhängig von anderen Menschen. Soziale Nähe könnte direkt in körperliche Prozesse hineinspielen.
So weit geht die Studie nicht. Sie zeigt einen Effekt unter kontrollierten Bedingungen, aber nicht, ob gemeinsames Essen langfristig vor Diabetes oder anderen Krankheiten schützt. Auch lässt sich aus den Resultaten nicht ableiten, dass der Effekt mit jeder Person auftritt. Bei den Erwachsenen wurden ausschliesslich junge, gesunde Menschen in festen heterosexuellen Beziehungen untersucht.
Ob dasselbe mit Freundinnen und Freunden, Geschwistern, Arbeitskolleginnen oder einem ersten Date passiert, ist noch offen. Vanessa Büchel arbeitet seit 2025 für 20 Minuten. Sie ist Fashion-Redaktorin im Lifestyle-Ressort und schreibt über Trends und Styling-Tipps.
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