Nespresso-Papierkapseln weg – was sind die Gründe?

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Nespresso-Papierkapseln weg – was sind die Gründe?

Die Kaffeemarke von Nestlé – Nespresso – nimmt ihre Papierkapseln aus dem Sortiment. Künftig gibt es die Nespresso-Kapseln wieder nur noch aus Aluminium. Die Papierkapseln sind vor drei Jahren als nachhaltige und umweltfreundliche Alternative zu den Alukapseln eingeführt worden.

Mit dem Argument, sie seien kompostierbar. Jetzt sagt Nespresso: Der Kaffee aus Papierkapseln schmecke nicht gleich, die Kapseln würden nicht gekauft.

Zudem sei die Umweltverträglichkeit nicht besser als bei Alukapseln. Experte Selçuk Yildirim über mögliche Gründe. Selçuk Yildirim Experte für Lebensmittelverpackung Personen-Box aufklappen Personen-Box zuklappen Yildirim ist ein Experte auf dem Gebiet der Lebensmittelverpackung. Als Leiter der Forschungsgruppe Lebensmittelverpackung an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entwickelt er mit seinem Team nachhaltige und innovative Verpackungskonzepte.

SRF News: Ist die Umweltverträglichkeit von Papierkapseln tatsächlich nicht besser als bei Alukapseln? Selçuk Yildirim: Das kann durchaus sein, man kann dies nicht pauschal beurteilen. Das Ergebnis dieser Ökobilanz hängt stark von Annahmen über Materialherkunft, Produktionsenergie, Gewicht der einzelnen Kapseln, Transportsysteme, Recyclingquote, «End of Life» von Papier und Aluminium, Kapsel und Entsorgungsweg oder auch den Systemgrenzen ab. Also, ob man auch Inhalte oder Sekundärverpackung dazu betrachtet hat.

Wann sind Papierverpackungen wirklich nachhaltiger und wann nicht? Papierkapseln sind so konzipiert, dass sie zu Hause kompostiert werden können; dies könnte ein zusätzlicher Benefit sein. In der Schweiz gehe ich aber davon aus, dass viele Konsumentinnen und Konsumenten die Kapseln in den normalen Abfall werfen, weil sie keinen Kompost zu Hause haben, und somit werden sie in der Kehrichtverbrennungsanlage verbrannt. Gleichzeitig findet man in der Schweiz ein super Aluminiumrecycling-System vor: Die Kapseln werden gesammelt, recycelt und Aluminium als Sekundärrohstoff zurückgewonnen.

In den Ländern, wo solche Recyclingsysteme nicht vorhanden sind, könnte die kompostierbare Variante wertvoller sein. Eine nachhaltige Verpackung bedeutet nicht zwingend, möglichst wenig oder ein möglichst natürlich wirkendes Material einzusetzen. Was heisst nachhaltig aus Ihrer Sicht? Eine nachhaltige Verpackung bedeutet nicht zwingend, möglichst wenig oder ein möglichst natürlich wirkendes Material einzusetzen.

Eine Verpackung sollte mit möglichst geringen Umwelteinwirkungen den notwendigen Produktschutz gewährleisten. Wenn eine Verpackung beispielsweise zu Qualitätsverlust oder mehr Lebensmittelabfall führt, kann eine vermeintliche Materialeinsparung ökologisch kontraproduktiv sein. Und bei Kaffee spielt das eine wichtige Rolle: Kaffee selbst verursacht viel mehr Umweltbelastung als eine Verpackung. Oft ist die Verpackungsfrage für die Hersteller auch eine Kostenfrage.

Welche Rolle spielt dieser Punkt bei der Entscheidung für Aluminium oder Papier? Kaffeekapseln sind in der Regel ein hochwertiges Produkt, eine kleine Menge von Kaffeepulver wird darin verpackt. Zusammen mit der langen Haltbarkeit und dem guten Schutz ergibt sich ein Qualitätsprodukt und da kann es schon sein, dass die Verpackung etwas mehr kostet als normalerweise. Viele Firmen fokussieren sich aktuell eher auf die Recyclingfähigkeit als auf Nachhaltigkeit Ist der Trend zu nachhaltigeren Verpackungen vorbei?

Papier hat ein nachhaltiges Image, darum nutzen viele Firmen diesen Rohstoff. Aber das bedeutet nicht, dass das Ganze bloss Greenwashing ist. Der Punkt ist, dass sich aktuell viele Firmen eher auf die Recyclingfähigkeit als auf Nachhaltigkeit fokussieren. In Europa gibt es eine neue Verordnung, welche einen starken Einfluss auf Schweizer Firmen hat.

Alle Verpackungen, welche im europäischen Markt gehandelt werden, sollen bis 2030 recyclingfähig sein. Das ist die erste Hürde sozusagen, und danach sollte zu einem späteren Zeitpunkt auch ein entsprechendes Sammelsystem vorhanden sein. Das Gespräch führte Noah Zimmermann.

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