Nach dem AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt prüfen Staatsrechtler eine Anfechtung der Landtagswahl. Grund sind mögliche rechtswidrige Finanzierungen des Wahlkampfs durch Fraktionsmittel.
Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt könnte ein juristisches Nachspiel haben: Mehrere Staatsrechtler halten eine Anfechtung der Landtagswahl wegen der Finanzierung von AfD-Veranstaltungen aus Fraktionsmitteln für möglich.
«Der Wahlkampf der AfD in Sachsen-Anhalt wurde grossteils aus Fraktionsmitteln finanziert», sagte die Parteienrechtlerin Sophie Schönberger dem Spiegel. Das sei «offensichtlich rechtswidrig» und könne dazu führen, dass die Wahl erfolgreich angefochten werde. Die AfD-Fraktion weist den Vorwurf zurück. Im Mittelpunkt stehen sogenannte Bürgerdialoge der AfD-Landtagsfraktion.
Mindestens achtzehn solcher Veranstaltungen fanden laut Spiegel zwischen Februar und Juni statt. Nach Recherchen des ARD-Magazins «Kontraste» bezahlte die Fraktion zumindest die Veranstaltungsräume. Fraktionen erhalten dafür staatliche Gelder. Diese dürfen jedoch nicht zur Finanzierung einer Partei oder ihres Wahlkampfs verwendet werden.
Genau darüber wird nun gestritten. Bei den Veranstaltungen trat häufig AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund auf. Laut «Kontraste» wurde er dort als möglicher künftiger Ministerpräsident vorgestellt, präsentierte das Wahl- und Regierungsprogramm, und es gab Aufrufe, bei der Landtagswahl entsprechend abzustimmen. Siegmund erklärte bereits im April, die Fraktion bezahle die Raummieten, weil Abgeordnete das Recht hätten, sich den Fragen der Bürger zu stellen.
Die AfD-Fraktion betont, ihre Mittel ordnungsgemäss und nach den gesetzlichen Vorgaben eingesetzt zu haben. Auch Staatsrechtler Fabian Michl sieht ein mögliches rechtliches Problem. Übernehme eine Fraktion Wahlkampfkosten einer Partei, könne dies eine «unzulässige Parteispende» darstellen. Der frühere Verfassungsrichter Joachim Wieland bezeichnet eine solche Finanzierung als «verdeckte Parteienfinanzierung».
Eine Wahlwiederholung wäre damit allerdings keineswegs automatisch die Folge. Dafür müsste nicht nur ein Rechtsverstoss festgestellt werden. Es müsste auch möglich sein, dass dieser die Verteilung der Landtagssitze beeinflusst hat. Staatsrechtler Christoph Möllers verweist zudem darauf, dass eine Neuwahl selbst ein «massiver Eingriff» wäre.
Zunächst müsste ein Wahleinspruch beim Landtag eingelegt werden. Dazu ist jeder Wahlberechtigte in Sachsen-Anhalt berechtigt. Lehnt der Landtag den Einspruch ab, kann das Landesverfassungsgericht angerufen werden. Erst dort könnte letztlich entschieden werden, ob das Wahlergebnis bestehen bleibt oder die Wahl wiederholt werden muss.
Debatte Deutschland Politik Recht Sachsen-Anhalt Wahl Wahlkampf
Switzerland Neuesten Nachrichten, Switzerland Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Edelweiss-Flug kehrt nach medizinischem Notfall nach Kapstadt zurückEin Edelweiss-Flug von Kapstadt nach Zürich mit 179 Passagieren musste nach einem medizinischen Notfall über Angola umkehren. Wegen der vorgeschriebenen Ruhezeiten der Crew wurde die Maschine in Kapstadt landen lassen und die Passagiere in Hotels untergebracht. Ein Ersatzflug sollte am Mittwochabend starten. Da das Flugzeug nicht wie geplant in Zürich zur Verfügung stand, wurde zusätzlich ein Swiss-Flug nach Montreal annulliert.
Weiterlesen »
Nach Abverkauf: Goldpreis auf der Suche nach einer UnterstützungDer Goldpreis fiel auf den tiefsten Stand seit acht Wochen. Viele Anleger wurden auf dem falschen Fuss erwischt.
Weiterlesen »
Überleben nach gescheiteter Hinrichtung: Christa Gail Pike lebt nach zwei GiftspritzenChrista Gail Pike lebt noch nach gescheitertem Hinrichtungsversuch mit zwei Giftspritzen. Sie wurde mit einer Bluterkrankung belastet und ist weiterhin kritisch krank. Der Fall schockiert die US-amerikanische Gesellschaft und wird zu Forderungen nach einer Reform der Todesstrafe führen.
Weiterlesen »
Anzeige und Kritik der AfD nach Kerkelings Buchenwald-SatzDie AfD kritisiert Hape Kerkelings Satz über Buchenwald im Thüringer Landtag. Ein Berliner Politiker der Partei erstattet Strafanzeige.
Weiterlesen »
