Mit den Gletschern verschwindet mehr als ein Naturbild: Berge werden instabiler, und Wasserhaushalt, Stromproduktion und Landwirtschaft geraten unter Druck.
Mit den Gletscher n verschwindet mehr als eine Schweizer Postkartenidylle: Ihr Verlust verändert die Berge, den Wasserhaushalt und unser Leben. Der Gletscher forscher verzweifelt: Sein Forschungsobjekt schmilzt ihm unter den Füssen weg– wo Eis war, ist nun Geröll.
Wieder sind innert eines Jahres in der Schweiz Dutzende kleiner Gletscher verschwunden und fünf Prozent des «ewigen Eises» geschmolzen. Geht es so weiter, werden sich bis Ende des Jahrhunderts 90 Prozent der Gletscher in Wasser aufgelöst haben. Weite Teile der eisigen Hotspots des Schweizer Tourismus werden sich schon früher in Geröllhalden verwandeln. Das Hochgebirge wird mit der Gletscherschmelze an Stabilität verlieren und Dörfer stärker von Felsstürzen betroffen sein.
Noch liefern Gletscher in trockenen Zeiten Schmelzwasser für Seen, Flüsse und Speicherseen. Wird das weniger leiden Stromproduktion, Landwirtschaft und Wasserversorgung. Gletscher schmelzen zudem nicht nur in der Schweiz: Küstenstädte müssen mit einem steigenden Meeresspiegel rechnen, wenn die Eismassen in Grönland und der Antarktis weiter abschmelzen. Was sind die Ideen gegen den Schwund?
Die Gletscher mit Blachen abdecken, um sie vor der Sonneneinstrahlung zu schützen. Tatsächlich wird das schon seit Jahren punktuell gemacht. Dabei geht es allerdings nicht darum, Gletscher zu retten. Die Blachen dienen nur dazu, Schneereserven für den kommenden Skiwinter zu sichern.
Mehr als einen touristischen und ökonomischen Nutzen haben diese Abdeckungen nicht und in grossem Stil sind diese unmöglich anzuwenden. Das gilt auch für andere Ideen wie eine künstliche Beschneiung von Gletschern, weissen Sand aufs Eis zu streuen oder die Umgebung der Gletscher hell anzupinseln. Diese Massnahmen haben zwar lokal einen Effekt, sind aber weder umsetzbar noch finanzierbar und somit nur Utopien. Den Gletschern hilft nur eines: die Erwärmung bremsen.
Und das braucht Geduld, weil Klimamassnahmen nicht schon im nächsten Jahr einen Meter Eis retten. Langfristig hilft Klimaschutz aber und das nicht nur den Gletschern. Was das für uns bedeutet, wissen wir: individueller Verzicht und Mehrkosten für erneuerbare Energien. Die Ideen sind bekannt, jeder kann sie umsetzen: Zum Beispiel öfter aufs Fliegen verzichten.
Als die Gletscher wie hier in Chamonix noch bis ins Tal reichten. Der Flégère et la Mer im Jahr 1899. Copyright © Luzerner Zeitung. Alle Rechte vorbehalten.
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