Mit 80 Jahren holt Jacky Versang drei WM-Medaillen – und trainiert dafür wöchentlich acht Stunden. Aufhören kommt für ihn nicht infrage.
Jacky Versang holt mit 80 Jahren drei WM-Medaillen in Südkorea – und hat noch lange nicht genug 216 Titel gewann Jacky Versang schon, bereits 360-mal stand er auf dem Podest.
«Um all meine Trophäen abzustauben, brauche ich einen ganzen Morgen», sagt der Tischtennisspieler aus der Romandie. Ein Zimmer voller Medaillen und Pokale, und auch im Alter von 80 Jahren kommen noch neue hinzu: Jacky Versang denkt nicht ans Aufhören. Der französisch-schweizerische Doppelbürger Jacky Versang spielt schon über 60 Jahre lang Tischtennis und gewann schon etliche Titel. Jacky Versang sammelte in seiner Karriere schon 216 Titel und stand 360-mal auf dem Podest.
Nun gewann er an der Tischtennis-Senioren-WM in Südkorea eine Gold-, Silber- und Bronzemedaille. In einem Zimmer in Jacky Versangs Wohnung funkelt es wie in einer richtigen Schatzkammer: 332 Medaillen sind darin ausgestellt, auf den Regalen stehen mehr als 200 Trophäen. Ob das keinen Staub ansetzt?
«Ich staube sie selber ab, nicht meine Frau», sagt Jacky Versang und lacht. Der Tischtennisspieler fügt an: «Ich brauche einen ganzen Morgen dafür. »im südkoreanischen Gangneung: Im Mixed-Doppel gewann er mit der Deutschen Karin Gebauer Gold, im Einzel Silber und im Doppel mit einem australischen Kollegen Bronze.
«Wir haben unsere Arbeit gemacht», fasst er freudig zusammen. Am sensationellsten ist der Titel im Mixed-Doppel, den Versang und Gebauer klar 3:0 gegen ein chinesisches Team gewannen .
«Ich und mein australischer Mitspieler haben über einen Dolmetscher die Taktik besprochen. Wenn Kopf und Spiel harmonieren, braucht es nicht viele Worte», erzählt er. Im Einzel bezwang er im Halbfinal die Tischtennislegende Niels Ramberg, der mehrfacher Senioren-Welt- und Europameister ist.
«Ich musste den Dreh finden. Ich bin Verteidiger, aber beschloss, mehr und vor allem mit der Rückhand anzugreifen – das hat ihn aus dem Konzept gebracht», sagt Jacky Versang. Gegen einen Gegner aus Hongkong verspielte er dann fünf Matchbälle – das hinterlässt einen leicht bitteren Nachgeschmack: «So ist der Sport. Im Moment selbst war ich natürlich enttäuscht.
Aber drei Medaillen in so einem Turnier mit so vielen Spielern aus dem asiatischen Raum ist eine fantastische Bilanz. » Eigentlich wollte er U-Boot-Fahrer werden, doch dann wurde er Konditor – und entdeckte am Neuenburgersee das Tischtennis für sich: Jacky Versang zeigt seine Auszeichnungen. Jacky Versangs Spitzname lautet «le loup», der Wolf: «Weil der Wolf auf der Lauer ist. Ich gewinne gern, ja, auch beim Kartenspielen.
Aber ich bin kein schlechter Verlierer, obwohl ich lieber gewinne», erklärt er augenzwinkernd. Seinen Anfang nahm alles in der französischen Kleinstadt Saint-Cloud nahe Paris, wo er am 17. April 1946 geboren wurde. In der Schweiz landete er mit 16 Jahren eher zufällig, wie er erzählt: «1959 verlor ich mit 13 Jahren meinen Vater.
Mit 14 Jahren beendete ich die obligatorische Schulzeit und machte noch eine Zeit lang weiter, ohne richtig motiviert zu sein. » Eigentlich habe er nach Toulon gehen und U-Boot-Fahrer werden wollen, doch dann habe sich herausgestellt, dass er farbenblind sei.
«Meine Mutter, die sehr gläubig war, gab mir immer einen Batzen für den Pfarrer mit, aber mich zog vor allem das Gebäck in den Schaufenstern der Patisserien in seinen Bann, an denen ich vorbeiging», erzählt Jacky Versang. Also entschied er sich statt für die Marine für die Konditorei: 1962 machte ihn der Mann seiner Schwester auf Ausbildungsplätze in der Schweiz aufmerksam – und so landete er in Yverdon. Am Neuenburgersee entdeckte der junge Bäcker-Konditor-Lehrling das Tischtennis für sich.
«Eines Abends kam ein Angestellter aus der Bäckerei zu mir und fragte mich, ob ich in den Tischtennisklub mitkomme», erzählt er. Bis dahin hatte er.
«Ich verlor 21:0, 21:0, 21:1 gegen eine Frau mit weissen Haaren, sie muss um die 65 oder 70 Jahre alt gewesen sein. » Doch der Sport habe ihm gefallen.
«Ich sagte mir:durch sein Leben – und eröffnete ihm wortwörtlich eine ganze Welt: Tischtennisturniere führten ihn schon in 34 Länder. Mittlerweile ist das Reisen zu einem festen Bestandteil seines Lebens geworden: Er war schon in 60 Ländern. Vor 40 Jahren nahm Jacky Versang die Schweizer Nationalität an und ist seither französisch-schweizerischer Doppelbürger. Er habe schon mehrere Leben gelebt, sagt er: «Bis 1973 war ich als Konditor tätig.
Dann arbeitete ich in der Stadt Genf als Bademeister, schliesslich leitete ich ein Hallenbad», erzählt er. Mit dem Tischtennisclub Silver Star Genf stieg er bis in die erste Liga auf und wurde Schweizer Meister. Er erhielt sogar eine Kostprobe der aufregenden Europaliga-Atmosphäre, als er gegen den Club Benfica in Lissabon spielte.
«Wir spielten vor 3500 Menschen, die auf der Fussballtribüne sassen. Ich habeJacky Versang hat eine eindrückliche Seniorenkarriere hinter sich: Alle Turniere zusammengenommen, gewann er 216 Titel, stand 360-mal auf dem Podest, wurde 15-mal französischer Meister, gewann 63 Titel in der Schweiz, drei Medaillen an Europameisterschaften, acht an Weltmeisterschaften, davon zweimal Gold. Auch Verletzungen trug er davon: «In Alicante 2016 führte ich 2:1 gegen einen Spieler aus Indien, 10:7 im vierten Satz.
Dann verletzte ich mich am Knöchel, biss aber die Zähne zusammen, um den letzten Punkt noch zu holen. Den Platz verliess ich im Rollstuhl und musste mich für den Halbfinal geschlagen geben. Diese Medaille war etwas ärgerlich», erzählt er. Heute spielt er im Club CTT Mandement im Kanton Genf.
Dort trainiert er sechs bis acht Stunden in der Woche: «Ich bewege mich am Tisch, verteidige auf 2,50 Meter Distanz, und wenn nötig komme ich dann wieder nach vorne, um den Ball anzunehmen. » Wenn er gefragt werde, wie er es schaffe, sich so zu bewegen, sage er: «Ich schlafe acht bis neun Stunden, ernähre mich gesund, viel Früchte und Gemüse, und ich spiele für mein Leben gern. Es ist eine Superdroge!
» Tischtennis sei wie Schach, bei dem man sich bewege: «Man sucht die Schwachstelle des Gegners, und wenn man dank zwei knackigen Rückhandschlägen einen Satz gewinnt, ist das einfach genial», erzählt Jacky Versang. Das Spielen habe er sich selber beigebracht: «Damals gab es noch keine Trainer, man lernte beim Spielen. Deshalb finde ich es umso schöner, dieses Niveau erreicht zu haben!
»Jacques, der für alle zu Jacky geworden ist, hat Freunde und Mitspieler auf der ganzen Welt: «Englisch zu sprechen, fällt mir schwer, aber mit einem Dolmetscher versteht man sich. Das Wichtigste ist das Spiel», sagt er. Und er hat noch vieles vor: «Nächstes Jahr finden die Europameisterschaften in Riga statt und 2028 die Weltmeisterschaften in Istanbul. » Und er wolle auch an ein Turnier nach Sizilien, das ihm sehr gefalle.
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Wenn man Hockey spielt, zieht man die Schlittschuhe an und stürzt, dann steht man wieder auf. » Seine Frau Christiane erinnere ihn immer wieder daran, dass er stolz auf sich und seinen Weg sein könne. Dann gibt er zu: «Es stimmt schon, dass man wohl ein gutes Turnier gemacht hat, wenn man auf dem Podest steht. »Ein Zimmer voller Medaillen und Pokale, und auch im Alter von 80 Jahren kommen noch neue hinzu: Jacky Versang denkt nicht ans Aufhören.
Eigentlich wollte er U-Boot-Fahrer werden, doch dann wurde er Konditor – und entdeckte am Neuenburgersee das Tischtennis für sich: Jacky Versang zeigt seine Auszeichnungen.
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