Mein ganz persönliches Grounding mit der Swissair

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Die Swissair war für mich ein Stück Kindheit und Schweizer Verlässlichkeit. Dann kam das Grounding – ausgerechnet wenige Tage vor meiner ersten grossen Fernreise ohne Eltern. Meine Ferien in Costa Rica wurden so auch zu einem unerwarteten Abschied von einer Airline, die mich mein Leben lang begleitet hatte.

Die Swissair war für mich ein Stück Kindheit und Schweizer Verlässlichkeit. Dann kam das Grounding – ausgerechnet wenige Tage vor meiner ersten grossen Fernreise ohne Eltern.

Meine Ferien in Costa Rica wurden so auch zu einem unerwarteten Abschied von einer Airline, die mich mein Leben lang begleitet hatte. Das Swissair-Grounding vom 2. Oktober 2001 bringt die geplante Costa-Rica-Reise der blue News Redaktorin ins Wanken. Erst zwei Tage vor dem Abflug erhält sie die Bestätigung, dass sie tatsächlich fliegen kann.

Vier Tage nach dem Grounding erlebt sie eine angespannte, aber hochprofessionelle Swissair-Crew. In Costa Rica lassen Tamarindo, die Pazifikküste und eindrückliche Naturerlebnisse den nervenaufreibenden Reisebeginn schnell verblassen. Auch der Rückflug wird erst kurzfristig bestätigt und wird zu ihrem letzten Flug mit Swissair. Bis heute verbindet sie das Ende der Airline mit Wehmut und Erinnerungen an ihre Kindheit und frühere Reisen.

«Pura vida» lautet das Lebensmotto des mittelamerikanischen Ferienparadieses Costa Rica. Für mich wurde daraus allerdings – vorerst – ein persönlicher Horrortrip. Dabei hatte ich mich wochenlang auf dieses Abenteuer gefreut. Erst später sollte ich mich ins Land und seine herzlichen Menschen verlieben.

Der Grund für den holprigen Start? Ausgerechnet die Swissair. Jene Airline, die ich als Kind so heiss geliebt hatte und die mich als alleinreisende Schülerin nach Rom zu meiner Familie gebracht hatte. Damals war ich mächtig stolz, ganz allein unterwegs zu sein – und bei der Swissair fühlte ich mich bestens aufgehoben.

Mein damaliger Freund – nennen wir ihn mal Felix – lernte Spanisch in Tamarindo, damals noch ein herziges Surfernest an der Pazifikküste Costa Ricas. Anfang Oktober 2001 sollte ich zu ihm stossen. Danach wollten wir noch zwei Wochen gemeinsam durchs Land reisen. Sonne, Strand, Denn je näher mein Abreisetag rückte, desto düsterer wurden meine Reiseaussichten.

Über allem schwebte ein Damoklesschwert namens Grounding. Die Swissair steckte mitten in heftigen finanziellen Turbulenzen. Die Hiobsbotschaften häuften sich. Und damit hing auch meine Reise nach San José über Miami plötzlich in der Luft.

Ich bangte um meine Ferien, telefonierte herum und hoffte, dass sich das Ganze irgendwie in Luft auflösen würde. Es kostete mich einige Nerven. Stundenlanges Warten in der nervigen Hotline-Schlange, zig E-Mails. Dann kam der 2.

Oktober 2001. Die Bilder dieses Tages gingen in die Schweizer Geschichte ein: Swissair-Maschinen blieben am Boden, Passagiere strandeten. Ausgerechnet die Swissair – quasi das Schweizer Sackmesser der Lüfte, zuverlässig und für mich irgendwie unverwüstlich – war gegroundet. Und ausgerechnet ich wollte am 6.

Oktober mit dieser Airline nach Costa Rica fliegen. Pura vida? Von wegen. Meine Abreise: ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang.

Je näher der 6. Oktober rückte, desto widersprüchlicher wurden die Aussagen. Ich schrieb mir mit Mails die Finger wund, hing gefühlt ewig in der Swissair-Hotline. Das Ergebnis?

Keines. Jeden Tag wurde ich auf den nächsten vertröstet. Und am Folgetag ging das Spiel von vorne los: warten, Hotline-Musik, nachfragen – und Mitarbeitende am anderen Ende, die selbst nicht wussten, wie es weitergeht. Auch für Felix auf der anderen Seite der Weltkugel eine saublöde Situation.

Wir tauschten über das Sekretariat seiner Sprachschule in Tamarindo den jeweils aktuellen Stand aus. Dort gab es ein Telefon – heute kaum vorstellbar, damals unsere Verbindung ans andere Ende der Welt. Felix wollte mich am 6. Oktober am Flughafen in San José abholen.

Es war meine erste grosse Fernreise ohne Eltern, ich war 24 – und die Liebe noch frisch. Die Stimmung an Bord? War auch schon besser. Die Flight Attendants blieben zwar hochprofessionell, doch von jener Herzlichkeit, die ich von früheren Swissair-Flügen in Erinnerung hatte, war wenig zu spüren.

Kein Wunder nach dem Grounding und bei all der Unsicherheit: Wie es mit der Airline – und mit Tausenden Arbeitsplätzen – weitergehen würde, war völlig offen. Die Anspannung an Bord war jedenfalls deutlich zu spüren. Umso mehr beeindruckte mich, wie professionell die Crew mit dieser schwierigen Situation umging. Vier Tage nach dem Grounding wieder dazustehen und Passagier*innen wie mich über den Atlantik zu bringen – davor hatte und habe ich grössten Respekt.

Flughafen Juan Santamaría. Die ganzen Strapazen hatten sich gelohnt. Ein strahlender Felix wartete auf mich – endlich Costa Rica! Bevor unsere zwei Wochen Abenteuerferien mit dem Surfbrett im Gepäck beginnen konnten, ging es per Bus zurück nach Tamarindo.

Für Felix standen noch die letzten Lektionen in der Sprachschule an. In jener Sprachschule, die mich mit grossem Hallo empfing – und mich wegen unserer vielen Telefonate längst kannte. Was für ein warmes Willkommen. Diese Leute hatten mitgefiebert und mir die Daumen gedrückt, dass ich es tatsächlich nach Costa Rica schaffen würde.

Die nächsten zwei Wochen entlang der Pazifikküste versöhnten mich ziemlich schnell mit dem missglückten Start in die Ferien. Costa Rica zeigte mir, warum hier alle von pura vida sprechen: Tiere, diese unglaublich satten Farben der Natur, Strand, Meer. Im Nationalpark Manuel Antonio konnte ich endlich aufatmen. Zu meinen eindrücklichsten Erinnerungen gehört bis heute unser Jeepausflug nach Ostional zu den Oliv-Bastardschildkröten.

Gefühlt Tausende Tiere kämpften sich mit ihren schimmernden Panzern aus dem Meer, um am Strand ihre Eier abzulegen. Und dazwischen die winzigen Babys, die in die entgegengesetzte Richtung unterwegs waren: noch ziemlich hilflos auf dem Weg ins Wasser. Doch auch die schönsten Ferien im Paradies haben ein Ende. Und so ging ein paar Tage vor der Abreise das gleiche Spiel wieder los: Mails schreiben, Swissair-Hotline anrufen, warten, hoffen.

Nervenaufreibend – fast bis zum Abflug. Denn auch mein Rückflug wurde erst sehr kurzfristig per Mail bestätigt. Ohne grosse Entschuldigung, ohne grosses Tamtam. Dafür fehlten damals wohl allen die Nerven und die Kapazitäten.

Mir war es egal. Ich war einfach nur froh, wieder nach Hause fliegen zu können. Die Swissair stand vor dem Aus, und mir wurde bewusst: Ich würde wohl nie wieder mit jener Airline fliegen, die mich seit meiner Kindheit begleitet hatte. Dieser Flug von Miami nach Zürich sollte mein letzter mit ihr sein.

Ein bedrückendes Gefühl. Und wenn sich der Jahrestag des Groundings nähert, spüre ich bis heute diese leise Wehmut. Geblieben sind die Erinnerungen: an meine ersten Flüge, an die Reisen zu meinen Grosseltern nach Rom, an das Gefühl, als Kind allein unterwegs und trotzdem gut aufgehoben zu sein. Und sogar an einen Blick ins Cockpit – damals durfte man das noch.229 Menschen sterben, als Swissair 111 vor Halifax ins Meer stürzt.

Das Video zeigt kompakt, was damals geschah – und liefert den Hintergrund zum neuen Kinofilm über die Angehörigen der Opfer.

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